Der SC Freiburg hat gegen die Berliner Remis-Experten die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga erobert – zumindest für ein paar Stunden. Durch das 2:2 (1:1) bei Hertha BSC sprangen die seit nun sieben Liga-Partien ungeschlagenen Freiburger vor dem Sonntagabendspiel von Union Berlin beim VfB Stuttgart auf den Spitzenrang. Der Vorsprung auf die Branchenriesen Bayern München und Borussia Dortmund als Verfolger wurde nach deren 2:2 wieder auf zwei Punkte erhöht. Der 1. FC Union Berlin gewann am Sonntagabend zum Abschluss des neunten Spieltages mit 1:0 (0:0) beim VfB Stuttgart und hat nun zwei Punkte Vorsprung auf Verfolger SC Freiburg und jeweils vier Zähler auf Bayern München und Borussia Dortmund.

Kyereh und Schade als Torschützen der Freiburger

Daniel-Kofi Kyereh (22. Minute) und Kevin Schade (78.) schossen vor 40.481 Zuschauern im Olympiastadion die Tore für die Gäste aus dem Breisgau, die nach dem Corona-Ausfall von Chefcoach Christian Streich und dessen Assistenten Patrick Baier von Lars Voßler als zweitem Aushilfstrainer betreut wurden.

Kevin Schade von SC Freiburg jubelt nach seinem Treffer zum 2:2 mit Yannik Keitel (r).
Kevin Schade von SC Freiburg jubelt nach seinem Treffer zum 2:2 mit Yannik Keitel (r). | Bild: Andreas Gora/dpa

Dodi Lukebakio (34./Handelfmeter) und Suat Serdar (61.) trafen für die Hertha, die damit zum vierten Mal in Serie unentschieden spielte und nach dem Wirbel um die Trennung von Millioneninvestor Lars Windhorst mit acht Punkten weiter nur knapp vor den Abstiegsrängen verharrt.

Windhorst? – Den Hertha-Fans in der Ostkurve war der Name des ungeliebten Geldgebers nicht einmal mehr ein Wort auf einem Transparent wert. Keinen Einfluss sollten die Turbulenzen der vergangenen Tage haben. Das hatte Trainer Sandro Schwarz zumindest aus sportlicher Sicht schon postuliert. Ballkontrolle, Sicherheit, das hatten sich beide Teams in der Berliner Sonnenuntergangs-Stimmung erst einmal verordnet.

Cheftrainer Sandro Schwarz (3.v.r) von Hertha BSC bedankt sich bei Davie Selke (4.v.r).
Cheftrainer Sandro Schwarz (3.v.r) von Hertha BSC bedankt sich bei Davie Selke (4.v.r). | Bild: Andreas Gora/dpa

Gerade die Freiburger schauten sich das Berliner Ballgeschiebe zunächst mit solider Absicherung an. Ein Konter über Lukebakio (13.) war der erste Aufreger. Im Gegenzug verschätzte sich Hertha-Torwart Oliver Christensen beim Herauslaufen gegen Michael Gregoritsch – ohne Konsequenzen.

Gäste spielten besseres Fußball

Dass Freiburg besser Fußball spielen kann, wurde dann binnen weniger Minuten klar. Ritsu Doan wirbelte die Hertha-Abwehr mehrfach durcheinander. Christensen konnte zunächst gegen Kyereh (21.) noch sehenswert parieren. Doch eine Minute später schoss der Angreifer schön freigespielt von Doan zur Führung ein.

Torwart Mark Flekken (M) von SC Freiburg pariert einen Eckball.
Torwart Mark Flekken (M) von SC Freiburg pariert einen Eckball. | Bild: Andreas Gora/dpa

Nicht aufgeben -das ist eine Tugend, die die Hertha unter Schwarz gelernt hat. Die Belohnung kam rasch. Beim nächsten Angriff über den quirligen Lukebakio blockte Christian Günter einen Schuss von Stevan Jovetic mit der Hand. Alle Freiburger Proteste nützten nichts. Elfmeter war die logische Entscheidung von Schiedsrichter Robert Schröder. Lukebakio traf sicher. Freiburgs Unmut hinterließ Spuren. Die Hertha drückte weiter und hatte durch Jonjoe Kenny (42.) und Ivan Sunjic (45.+1) noch gute Chancen.

Fitnesscoach machte Hertha vor der Partie fit

Vor dem Anpfiff der zweiten Halbzeit machte ein Fitnesscoach die Berliner Profis auf dem Rasen noch mal fit. Das zeigte Wirkung. Freiburg war nicht so spritzig, nicht so aktiv, vielleicht nach dem 2:0 in der Europa League gegen den FC Nantes am Donnerstagabend auch einfach nicht so frisch. Serdar traf per Flachschuss zur Hertha-Führung ins Eck. Doch für den ersten Heimsieg reichte es nicht, denn der gebürtige Potsdamer Schade schoss wenige Minuten nach seiner Einwechselung nach einem Christensen-Patzer noch zum Ausgleich ein.

(dpa)