Für Leon Draisaitl geht ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Im Februar darf auch Deutschlands Sportler des Jahres endlich die Olympia-Bühne betreten. Gleich nachdem die Rückkehr der Eishockey-Weltstars aus der nordamerikanischen Profiliga NHL zu den Winterspielen unter Dach und Fach war, freute sich Weltklasse-Stürmer Draisaitl via Instagram-Story.

„Das ist das Größte, was du als Sportler erreichen kannst. Das gilt für uns NHL-Spieler genauso wie für andere Sportler, da denkt niemand anders, jeder will zu Olympia“, sagte der 25 Jahre alte Stürmer der Edmonton Oilers.

„Wir wissen, wie leidenschaftlich gerne NHL-Spieler ihre Länder bei Olympia vertreten“, hatte der stellvertretende NHL-Ligachef Bill Daly da gesagt. „Deshalb freut uns die Einigung sehr, die erlaubt, dass es wieder zu einem Wettkampf der Besten auf der olympischen Bühne kommt.“ Laut des Senders ESPN müssen alle Olympioniken aus der NHL gegen das Coronavirus geimpft sein, ein Großteil ist es jetzt schon.

2018 in Pyeongchang, als Deutschland 56 Sekunden von der Gold-Sensation im Endspiel gegen Russland entfernt war, bekam Draisaitl diesen Teil deutscher Sportgeschichte nur am TV-Bildschirm mit. Nach fünf spektakulären olympischen Turnieren mit den NHL-Stars hatte sich die beste Liga der Welt seinerzeit nicht zu einer Teilnahme durchringen können. Zu unbedeutend sei der südkoreanische Markt.

Eine kolossale Fehleinschätzung – dies wurde der Liga spätestens klar, als das Eishockey-Mutterland Kanada im Jahrhundertspiel im Olympia-Halbfinale von den deutschen DEL-Profis teilweise an die Wand gespielt wurde. Dieser Imageschaden soll im nächsten Jahr korrigiert werden, und die Stars sind verzückt. Auf Weltklassespieler wie Draisaitl und seinen kanadischen Sturmpartner Connor McDavid oder Torontos US-Stürmer Auston Matthews kommt in Peking die erste Olympia-Teilnahme zu. Für Altstars wie Kanadas Sidney Crosby oder Russlands Alexander Owetschkin wird es womöglich die letzte sein.

Klar ist indes auch, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Wiederholung des deutschen Olympia-Highlights von 2018 dadurch geringer wird. „Die Olympischen Spiele mit NHL-Teilnahme sind noch mal ein anderes Level. Ich sehe unsere DEB-Auswahl eher in einer Außenseiterrolle“, sagte der frühere Bundestrainer und aktuelle Kölner-Haie-Coach Uwe Krupp.

Es gibt indes auch Stimmen, die angesichts inzwischen mehrerer deutscher Weltklassespieler in der NHL durchaus wieder Chancen für Deutschland sehen. Mit den NHL-Spielern habe auch Bundestrainer Toni Söderholm „einen breit aufgestellten Kader“, befand Sportdirektor Stéphane Richer vom Meister Eisbären Berlin. Neben Draisaitl spielen in Übersee eben unter anderen in Philipp Grubauer (Seattle) auch ein Weltklasse-Torhüter und in Tim Stützle (Ottawa) und Moritz Seider (Detroit) internationale Top-Talente. „Die Nationalmannschaft hat das Potenzial, bei den Olympischen Spielen für eine Überraschung zu sorgen“, sagte Richer.