Selbst den großen FC Bayern München hat Christian Streich als Trainer schon besiegt. Doch auf einen Erfolg über Borussia Dortmund muss er weiter warten. Seit seinem Amtsantritt als Chefcoach beim SC Freiburg im Januar 2012 hält die Misere an.

Freiburgs Trainer Christian Streich konnte im Signal-Iduna-Park nur Tore von Borussia Dortmund bestaunen. Trotz Gegenwehr hatte der Sportclub keine Chance.
Freiburgs Trainer Christian Streich konnte im Signal-Iduna-Park nur Tore von Borussia Dortmund bestaunen. Trotz Gegenwehr hatte der Sportclub keine Chance. | Bild: Witters

Beim ernüchternden 0:4 am Samstag in der Revierstadt konnte der 55-Jährige immerhin in der ersten halben Stunde hoffen, als sein Team dem hohen Favoriten gekonnt Gegenwehr leistete. Doch mit dem Treffer des norwegischen Nationalspielers Erling Haaland in der 31. Minute zum 1:0 nahm die für Streich mittlerweile altbekannte Geschichte ihren Lauf. „Es wurde schon unruhig im Stadion“, kommentierte der Fußball-Lehrer, „aber dieses Tor hat uns verunsichert.“

Wechsel ohne Wirkung

Auch sein verzweifelter Versuch, beim Stand von 0:2 das neuerliche Unheil noch abzuwenden und gleich alle drei Offensivspieler Lucas Höler, Nils Petersen und Roland Sallai zeitgleich in der 55. Minute auszuwechseln, blieb ohne die erhoffte Wirkung. So kam es, wie es kommen musste. Streich kassierte in seinem 292. Spiel seine 100. Niederlage – ausgerechnet gegen den Angstgegner. „Wir waren einfach nicht gut genug, um hier heute etwas zu holen“, bekannte er.

Strahlende Jungprofis

Auf der anderen Seite lagen sich die beiden Dortmunder Jungprofis Erling Haaland und Giovanni Reyna lachend und jubelnd in den Armen. In erfrischender Manier stahlen die beiden erst 20 und 17 Jahre alten Top-Talente selbst arrivierten Teamkollegen wie Marco Reus oder Mats Hummels die Show. Ähnlich cool wie zuvor im gegnerischen Strafraum reagierte Haaland auf die Frage nach seiner bisher imposanten Bundesliga-Ausbeute mit 17 Toren in 18 Spielen: „Das ist nicht schlecht. Aber es hätte mehr sein können.“

Konnten gegen Freiburg gleich viermal jubeln: Dortmunds Giovanni Reyna (von links), Emre Can, Erling Haaland und Thomas Meunier.
Konnten gegen Freiburg gleich viermal jubeln: Dortmunds Giovanni Reyna (von links), Emre Can, Erling Haaland und Thomas Meunier. | Bild: Guido Kirchner

Spiele wie gegen Freiburg fördern den guten Ruf der Borussia als Tummelplatz für Hochbegabte. Denn neben Haaland dürfte auch der Amerikaner Reyna seinem Club in Zukunft noch viel Freude machen. Der Mittelfeldspieler bereitete beide Treffer des Norwegers (31. Minute/66.) und das zwischenzeitliche 2:0 durch Emre Can (47.) vor.

Seit Beginn der Datenerfassung 1992 ist Reyna damit der erste 17-Jährige mit drei Torvorlagen in einem Bundesliga-Spiel. „Ich bin von ihm nicht überrascht“, kommentierte sein Förderer Lucien Favre mit seligem Lächeln, „er steht vor einer sehr guten Karriere.“

Lob für Haaland

Gleichwohl hielt sich der BVB-Coach mit überschwänglichem Lob betont zurück: „Er muss so weiter arbeiten, ehrgeizig bleiben.“ Der Schweizer Fußball-Lehrer deutete an, das Juwel in Zukunft hin und wieder schonen zu wollen: „Man muss mit einem so jungen Spieler aufpassen und darf ihn nicht verheizen. Wir haben genug Möglichkeiten, in der Offensive zu rotieren.“

Zeigte wieder ein starke Leistung: Dortmunds Erling Haaland.
Zeigte wieder ein starke Leistung: Dortmunds Erling Haaland. | Bild: dpa

Dass der BVB-Coach Jude Bellingham als weiteren 17-Jährigen zum wiederholten Mal in die Startelf beordert hatte, ging im Trubel um die beiden Hauptdarsteller fast unter. Selbst der Freiburger Kapitän Christian Günter war beeindruckt von der Urgewalt Haalands und bedachte den 20-Jährigen mit einem ungewöhnlichen Lob: „Er ist eine Drecksau vor dem Tor, er nutzt fast jede Chance.“

Der im vergangenen Winter für rund 20 Millionen Euro verpflichtete Angreifer trug am Samstag dazu bei, dass der Borussia nach zuletzt zwei Niederlagen in Augsburg (0:2) und im Supercup beim FC Bayern (2:3) ein Saison-Fehlstart erspart blieb. Im zweiten Heimspiel dieser Saison gelang Haaland der zweite Doppelpack und der bereits sechste in seiner kurzen bisherigen Zeit in Dortmund. (dpa)

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