Das Spiel: Die Chance auf eine Qualifikation für die Europa League hatte sich nach dem 1:3 in München nach dem 33. Spieltag erledigt, also ging es zwischen Südbadener und Westfalen im Grunde um die goldene Ananas. Aber: Die Ananas auf Rang acht strahlt eben doch ein wenig güldener, weil der achte Platz bei der Verteilung von TV-Geldern besser ist als der neunte. SC-Trainer Christian Streich hatte sich denn auch gewünscht, dass seine Spieler noch mal alles raushauen mögen, was die müden Körper hergeben.

Der Freiburger Dominique Heintz (l) nimmt dem Schalker Rabbi Matondo den Ball ab.
Der Freiburger Dominique Heintz (l) nimmt dem Schalker Rabbi Matondo den Ball ab. | Bild: Uli Deck/dpa

Nach passablem Start der zuletzt 15 Partien sieglosen Gelsenkirchener kamen die Freiburger ins Rollen. Luca Waldschmidt schloss eine hübsche Kombination mit Nicolas Höfler und Christian Günter nach 20 Minuten zum 1:0 ab, Jonathan Schmid ließ nach Freistoßvorlage wiederum von Günter per Direktschuss nach 38 Minuten das 2:0 folgen. Im zweiten Abschnitt erhöhte Lucas Höler nach nur 50 Sekunden zum 3:0, Waldschmidt mit seinem zweiten Treffer stellte in der 57. Minute den 4:0-Endstand her. Schalke war völlig chancenlos und blieb somit auch im 16. Spiel in Serie sieglos – auch ein Rekord!

Die Freiburger, (l-r) Dominique Heintz, Luca Waldschmidt und Lucas Höler, bejubeln den Treffer zum 4:0 durch Waldschmidt.
Die Freiburger, (l-r) Dominique Heintz, Luca Waldschmidt und Lucas Höler, bejubeln den Treffer zum 4:0 durch Waldschmidt. | Bild: Uli Deck/dpa

Die Saisonbewertung: Wie immer natürlich hatte der SC Freiburg den Klassenerhalt als Ziel ausgegeben. Allerdings weiß man bei den Breisgauern ja nie, welche Gedanken da im Hinterstübchen der klugen Köpfe auch noch kursieren. Immerhin wusste man – oder hatte es zumindest geahnt –, dass der Kader über eine anständige Qualität verfügt. „Wir hatten letztes Jahr keinen Aderlass, konnten die Truppe weitestgehend zusammenhalten und punktuell ergänzen. Das war schon eine gute Basis“, erklärt Sportdirektor Jochen Saier.

Dazu der erfolgreiche Saisonstart, ein Punkt gegen Dortmund, nach dem 2:1 gegen Leipzig am neunten Spieltag sogar Platz drei, nie war der Sportclub in zweistelligen Gefilden, zum Einzug ins europäische Geschäft fehlte nicht viel – also darf Saier sagen: „Das war eine außergewöhnlich gute Saison.“ Das sieht auch Christian Streich so. Der Trainer, der kürzlich, emotional stark bewegt, die Verlängerung seines Vertrags bestätigte, war froh, dass er und sein Klub in den seltsamen Corona-Tagen frei von Abstiegsängsten ihrer Arbeit nachgehen konnten.

Er habe einige Male darüber sinniert, wie das sonst hätte belastend sein können. Streich: „All die Einschränkungen und dann so unter Druck zu sein, das wäre unheimlich hart gewesen. Man ist ohnehin durch die Pandemie so eingeengt. Und wenn es sportlich nicht läuft, kommt noch mehr Enge dazu.“ War nicht so, ist nicht passiert, „wir können zufrieden sein mit dem, was wir geleistet haben“.

Die Perspektive: Trainer und Management haben angekündigt, den Stamm der Mannschaft unbedingt zusammenhalten zu wollen. Wenn Streich sagt, dass wegen der finanziellen Einbußen in der Pandemie etliche Klubs auf Transfererlöse angewiesen seien, öffnet das ein wenig die Türe für Spekulationen. Zum einen könnte es sein, dass der Sportclub selbst starke Spieler abgeben wird und so Geld einnimmt.

Freiburgs Trainer Christian Streich.
Freiburgs Trainer Christian Streich. | Bild: Sven Hoppe/dpa

Zum anderen erhöht sich so die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst auf dem Transfermarkt zuschlagen kann in Bereichen, wo man sich unter normalen Umständen eher nicht gesehen hätte. Genaues gibt es noch nicht zu vermelden, als Wechselkandidaten gelten Robin Koch, Luca Waldschmidt und Torhüter Alexander Schwolow. Ein Freiburger Einkaufszettel ist bislang nicht bekanntgeworden, es steht lediglich fest, dass gleich vier Spieler aus der zweiten Mannschaft in der kommenden Saisonvorbereitung zu den Profis stoßen.

Saiers Sportdirektorenkollege Klemens Hartenbach über die Jungspunde: „Alle Jungs haben sich durch konstant gute Trainings- und Spielleistungen in den Fokus gespielt, das ist die Grundvoraussetzung. Sie sollen jetzt behutsam an die nächste Stufe herangeführt werden. Es ist sehr erfreulich zu sehen, wie die Arbeit in der Freiburger Fußballschule Früchte trägt.“

Ein paar hübsche Fakten:

Der SC Freiburg war nie schlechter als Rang neun. Den 7. Dezember 2019 wollte Trainer Christian Streich in die Geschichtsbücher eintragen lassen. Grund: Der Sportclub hatte am 14. Spieltag gerade den VfL Wolfsburg 1:0 besiegt und lag in der Tabelle vor dem FC Bayern München!

  • Der SC Freiburg hat freilich auch eine negative Serie hingelegt. Ausgerechnet gegen die Vereine aus dem Tabellenkeller leistete er sich Heimniederlagen: 1:2 gegen Köln, 0:2 gegen Paderborn, 0:2 gegen Düsseldorf, 0:1 gegen Werder Bremen. Wenn jemand hadern sollte, wo die mögliche Qualifikation für die Europa League in die Binsen ging, findet er den Grund genau hier. Trainer Streich würde diesen Stimmen aber nie folgen: „Das sind auch alles gute Mannschaften. Gegen die gewinnt man nicht einfach so – und manchmal verliert man eben auch.“ Der 1. FC Köln ist neben Bayern München übrigens das einzige Team, gegen das der SCF in dieser Saison beide Partien verlor. Gegen Hoffenheim und Mainz gewann er beide.
  • Bester Freiburger Torschütze war einmal mehr Nils Petersen. Der 31-Jährige traf elfmal, dahinter folgen Lucas Höler (8) und Luca Waldschmidt (7).
Nils Petersen, Mannschaftsfoto SC Freiburg Saison 2019/20.
Nils Petersen, Mannschaftsfoto SC Freiburg Saison 2019/20. | Bild: Hahne, Joachim
  • Christian Günter, Lucas Höler und Nils Petersen kamen in allen 34 Spielen zum Einsatz. Aber Kapitän Günter ist der einzige, der auch immer in der Startelf stand.
  • Capitano Günter spulte in Summe die meisten Kilometer ab. Vor dem Schalke-Spiel waren es knapp über 352 oder fast 11 im Durchschnitt je Spiel. Bei dieser Marke wird Günter aber vom Nicolas Höfler übertroffen, der durchschnittlich 11,3 Kilometer auf dem Rasen zurücklegte. Als Team hat der Sportclub im Laufen europäisches Format. Vor dem letzten Spiel waren es 3870 Kilometer – Rang fünf in der Bundesliga. Nur die Kicker aus Leverkusen, Berlin (Union), Paderborn und Leipzig liefen mehr.
Christian Günter, Mannschaftsfoto SC Freiburg Saison 2019/20.
Christian Günter, Mannschaftsfoto SC Freiburg Saison 2019/20. | Bild: Hahne, Joachim
  • Und noch ein Schmankerl: In der Fairplay-Tabelle ist der SC Freiburg Meister! In 34 Spielen sahen die südbadischen Fußballer 41 gelbe Karten eine gelb-rote und eine rote – besser war niemand. Die rote Karte kassierte übrigens Vincenzo Grifo, wofür er von uns noch mal mildernde Umstände erhält. Er hatte in der Partie gegen Frankfurt dem Rüpel David Abraham ins Gesicht gefasst, nachdem der zuvor SC-Trainer Christian Streich an der Seitenlinie einfach über den Haufen gerannt hatte.

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