Herr Fleischer, der Badische Sportbund Freiburg hat laut Statistik im vergangenen Jahr zwei Prozent seiner Mitglieder eingebüßt, was knapp 17 000 Mitgliedern entspricht. Weniger als erwartet, oder? Die Corona-Zwangspausen ließen schließlich Schlimmeres befürchten.

Wir als südbadischer Sportbund haben bereits zu Beginn der Pandemie immer wieder an die Mitglieder appelliert, ihrem Verein doch möglichst die Treue zu halten, auch wenn das Angebot eingeschränkt oder beim harten Lockdown gänzlich nicht vorhanden ist. Dem ist der allergrößte Teil der Mitglieder gefolgt. Was in diesem Zusammenhang aber noch wichtiger ist, das ist die Tatsache, dass seit dem letzten Herbst wenige neue Mitglieder den Weg in den Sportverein gefunden haben. Dies gilt es jetzt möglichst schnell wieder aufzuholen, vor allen Dingen bei den Kindern und Jugendlichen.

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Sportvereine können seit Montag vergangener Woche zumindest im Nachwuchsbereich bei Sportarten im Freien wieder Training anbieten. Ist das an die jeweiligen Inzidenzwerte gekoppelte Öffnungskonzept aus Ihrer Perspektive schlüssig?

Das derzeitige Öffnungskonzept der Landesregierung ist insoweit richtig, als es sich an den Inzidenzwerten orientiert. Es ist aus meiner Sicht allerdings zu wenig differenziert, wenn ich an Sportarten wie Tennis, Golf, Sportschießen, Segeln oder auch Reitsport denke, um nur einige wenige zu nennen. Hier müsste eine Sportausübung aus gesundheitspolitischer Sicht eigentlich auch bei einer höheren Inzidenz möglich sein.

Als nächster Schritt wäre für die Fußballer Training erlaubt, wenn alle Spieler einen Schnelltest machen. Bei einer Umfrage sprachen sich viele Vereine in unserem Verbreitungsgebiet allerdings gegen diese Möglichkeit aus. Kosten und Aufwand erscheinen zu hoch.

Das sehe ich genauso. Kinder und Jugendliche sind ja schließlich allesamt auch Schüler. Diese sollten in Eigenverantwortung des Staates in den jeweiligen Schulen flächendeckend getestet werden. In der Breite ist eine Testung jedes Sporttreibenden jedoch nicht umsetzbar, zumindest nicht im Zusammenhang mit Training oder Wettkampf.

Training ohne Einschränkungen und Tests soll erst ab Anfang April erlaubt sein, sofern der Inzidenzwert unter 100 bleibt. Genau das halten Experten jedoch für unwahrscheinlich, da die Zahl der Ansteckungen gerade wieder zunimmt. Nun muss man befürchten, dass statt weiterer Lockerungen der nächste Lockdown folgen wird. Was wären die Folgen für den Sport?

Die Auswirkungen für den Sport wären natürlich schwerwiegend, aber aus Gesundheitsgründen wohl unvermeidbar. Ich mahne aber auch hier wieder eine Differenzierung innerhalb der Sportarten an, insbesondere was den Individualsport anbetrifft.

Chaos droht, wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird und in höheren Ligen Mannschaften aus unterschiedlichen Landkreisen mit unterschiedlichen Inzidenzwerten aufeinandertreffen sollen. Wäre ein kompletter Saisonabbruch in allen Sportarten bis zum Herbst also nicht doch besser?

Das hängt von der einzelnen Sportart und deren Verband ab. Generelle Lösungen gibt es nicht. Die Verbände haben in der jüngsten Vergangenheit unter schwierigsten Bedingungen mit großem Idealismus und unter hohem Aufwand sehr sensibel und mit großem zusätzlichen ehrenamtlichen Aufwand Lösungen herbeigeführt. Ob jetzt ein kompletter Saisonabbruch sinnvoll ist, sollte jeder Verband für sich entscheiden. Die Voraussetzungen sind da zu unterschiedlich.

Aufzuholen sind die Zwangspausen nicht, zumal in den Schulferien an Pfingsten und im Sommer die Sportanlagen und Hallen in den meisten Gemeinden geschlossen sein werden.

Genau das gilt es zu verhindern. Ich habe bereits vor einigen Wochen dringend gefordert, dass Träger von Sporteinrichtungen in den Pfingst- und Sommerferien diese offen halten müssen. Das ist unabdingbar. Und wenn das Geld kostet, was hier und da nicht zu vermeiden ist, dann sollte das Land diese Kosten tragen.

Das Bodenseestadion in Konstanz wurde 1935 gebaut, es  bot damals Platz für 30 000 Zuschauer. Von 1991 bis 1992 erfolgte eine Sanierung der Sportstätte, die heute dringend renoviert werden müsste. Daran soll sich die Landesregierung beteiligen.
Das Bodenseestadion in Konstanz wurde 1935 gebaut, es bot damals Platz für 30 000 Zuschauer. Von 1991 bis 1992 erfolgte eine Sanierung der Sportstätte, die heute dringend renoviert werden müsste. Daran soll sich die Landesregierung beteiligen. | Bild: Oliver Hanser

Gibt es auch positive Nachrichten für die Sportler im Süden von Baden-Württemberg?

Ja, durchaus. Es ist zuletzt fast etwas untergegangen, dass es uns gelungen ist, noch vor der Landtagswahl den Solidarpakt IV mit der Landesregierung zu unterzeichnen. Und dies mit einer nicht unerheblichen jährlichen Steigerung. Dies gibt Vereinen und Verbänden eine Planungssicherheit bis ins Jahr 2026. Das ist bundesweit einmalig. Zusätzlich soll der Etatposten für überregional bedeutsame Sportstätten wiederbelebt und im Rahmen des jeweiligen Landeshaushalts eine Entscheidung getroffen werden. Und hier habe ich in Südbaden in hoher Priorität das Bodenseestadion in Konstanz im Blick. Ich habe an OB Burchardt geschrieben und will mich – sofern gewünscht – gerne einbringen, wenn ein entsprechender Antrag der Stadt an das Kultusministerium zur Sanierung gestellt werden würde.