1. RB Leipzig wird zum ersten Mal Deutscher Meister

Gähn! Die Münchner Bayern sind schon wieder Deutscher Meister – zum achten Mal hintereinander. Langweilig? Eher dominant. Und ehrlich: Aktuell spricht nur wenig dafür, dass sich an dieser Konstellation etwas ändern wird. Zu sehr hat der FCB seine Machtposition in den vergangenen Jahren zementiert. Mit Leroy Sané – neben Kai Havertz Deutschlands heißestes Fußball-Eisen – steht ab sofort eine weitere Offensivwaffe im Kader.

Der FC Bayern geht einmal mehr als amtierender Meister in die neue Bundesliga-Saison. Auf dem Bild freuen sich Leon Goretzka (von links), Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Serge Gnabry und Sarpreet Singh über die Schale.
Der FC Bayern geht einmal mehr als amtierender Meister in die neue Bundesliga-Saison. Auf dem Bild freuen sich Leon Goretzka (von links), Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Serge Gnabry und Sarpreet Singh über die Schale. | Bild: Witters

Warum jetzt also ausgerechnet RB Leipzig die Münchner vom Thron stoßen soll? Da ist der junge, er­folgs­hung­rige Trainer Julian Nagelsmann, der in seiner ersten Saison als Coach der Sachsen so gar keine Eingewöhnungsphase benötigte. Den mehr als spannenden Kader mit Profis wie Marcel Sabitzer (26, Offensive), Christopher Nkunku (22, Offensive), Dani Olmo (22, Offensive), Dayot Upamecano (21, Defensive) oder Ibrahima Konaté (21, Defensive) und Nordi Mukiele (22, Defensive) lernte er nun ausreichend kennen. Jetzt geht es darum, mit der jungen Truppe, zu der ab sofort auch Neuzugang Hee-chan Hwang (24, Offensive) zählt, einen weiteren Schritt nach vorn zu machen. In der abgelaufenen Spielzeit belegte Leipzig Rang drei, war zwischenzeitlich sogar Tabellenführer. Nur viermal ging das Nagelsmann-Team als Verlierer vom Platz – gemeinsam mit dem FC Bayern ligaweit Spitzenwert.

Julian Nagelsmann, ambitionierter Trainer von RB Leipzig.
Julian Nagelsmann, ambitionierter Trainer von RB Leipzig. | Bild: dpa

Dass der zu Chelsea London abgewanderte Timo Werner mit seinen zuletzt 28 Toren und acht Vorlagen in 34 Bundesliga-Partien nicht eins zu eins ersetzbar sein wird, weiß Nagelsmann: „Das geht nicht, du kannst einen Spieler ja nicht klonen.“ Ademola Lookman (22, Offensive) hat – genauso wie Tyler Adams (21, Defensive) – das Potenzial, in der neuen Bundesliga-Runde zu einem aufstrebenden Spieler zu werden. Erfahrene Eckpfeiler wie Torhüter Péter Gulácsi (30), Abwehrroutinier Marcel Halstenberg (28) und Mittelfeldakteur Kevin Kampl (29) sorgen für die richtige Mischung im Kader. Warum also soll für offensivfreudige, freche Leipziger am Ende der kommenden Saison nicht der erste Meistertitel herausspringen?

2. Borussia Dortmund verpasst die Champions League

Mats Hummels, Emre Can, Axel Witsel, Julian Brandt, Jadon Sancho, Marco Reus, Erling Haaland: Die Stärke des BVB-Kaders ist enorm. Und trotzdem warten die Dortmunder schon acht Jahre lang auf den neunten Gewinn der Meisterschaft. Lucien Favre sitzt seit Monaten alles andere als sicher in seinem Trainerstuhl, die Stimmung im Pott kann mitunter als durchaus angespannt bezeichnet werden.

BVB-Coach Lucien Favre.
BVB-Coach Lucien Favre. | Bild: dpa

Weil die Konkurrenz mit Bayern München, RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen groß ist, wird ein Bundesliga-Titel für die Schwarz-Gelben auch kommende Saison ein Traum bleiben. Schon in der Runde 2019/20 betrug der Vorsprung des Zweiten aus Dortmund lediglich sechs Zähler auf den ersten Nicht-Champions-League-Platz fünf (Bayer Leverkusen). Ein offizielles Ziel für die neue Runde möchte man beim BVB nicht ausgeben. „Dieses Spielchen spielen wir nicht mehr mit. Das wird es von uns nicht mehr geben – und das geschieht nicht, weil wir keines haben“, sagte Hans-Joachim Watzke. Befürchtet etwa auch der BVB-Vereinschef insgeheim eine schwierige Spielzeit, an dessen Ende womöglich nur die Europa-League-Teilnahme steht? Flügelflitzer Achraf Hakimi jedenfalls, bislang ausgeliehen von Real Madrid und nun abgewandert zu Inter Mailand, kann nicht mehr dabei helfen, diesen Misserfolg zu verhindern.

3. Schalke 04 schwebt in Abstiegsgefahr

In der abgelaufenen Spielzeit war das einzige Glück der Blau-Weißen die erfolgreiche Hinrunde: 30 Punkte bei nur drei Niederlagen bedeuteten Rang fünf. In der Rückrunde dagegen hagelte es zehn Pleiten. Ein Sieg und lediglich neun Punkte standen zu Buche – nur der Tabellenletzte Paderborn war in der Rückserie schlechter (acht Zähler). Dem Abstiegsgespenst ist man im Pott gerade noch so entflohen. Zur Misere tragen auch die nicht leisen Nebengeräusche rund um Clemens Tönnies und Co. bei – zusätzlicher Zündstoff, mit dem der Malocher-Club umgehen muss.

War Platz zwölf ein einmaliger Ausrutscher? Keineswegs. Schalke 04 ist im Mittelmaß der Bundesliga angekommen. Leistungsträger Daniel Caligiuri, nahezu die letzte Identifikationsfigur, hat den Verein gen Augsburg verlassen. Wegen der finanziellen Schieflage, in der sich S04 befindet, können auf unbestimmte Zeit keine namhaften Profis verpflichtet werden. „Einen gestandenen Top-Spieler werden wir uns in den nächsten Jahren nicht leisten können“, sagte Sportvorstand Jochen Schneider. Heißt im Umkehrschluss: Jetzt müssen es wohl oder übel die Jungs aus der Knappenschmiede richten, die da heißen: Can Bozdogan, Malick Thiaw, Timo Becker, Nassim Boujellab, Levent Mercan oder Ahmed Kutucu.

Die Richtung auf Schalke ist klar: Ahmed Kutucu ist einer der jungen Spieler, auf die der Verein zukünftig setzen muss.
Die Richtung auf Schalke ist klar: Ahmed Kutucu ist einer der jungen Spieler, auf die der Verein zukünftig setzen muss. | Bild: Witters

Der neue, aber aufgezwungene Weg, mag langfristig richtig und wertvoll sein, Stand jetzt zählt S04 mit seinem Kader jedoch zu den Abstiegskandidaten. Schließlich benötigt die Integration von Nachwuchsspielern ins Profigeschäft Zeit und Geduld. Bleibt abzuwarten, ob Trainer David Wagner, mit dem Schalke in die neue Runde geht, für diese Aufgabe wirklich genügend Zeit bekommt. Um irgendwie für eine Ausgewogenheit im Kader zu sorgen, sollen zuletzt abgegebene Spieler wie die erfahrenen Ralf Fährmann, Benedikt Höwedes und Sebastian Rudy nach Gelsenkirchen zurückkehren – und mindestens zunächst einmal für den Klassenverbleib sorgen.

4. Der VfB Stuttgart entwickelt sich endgültig zur Fahrstuhlmannschaft

Platz 17 und der gleichbedeutende Abstieg in der Bundesliga-Runde 2015/16, direkt darauf Zweitliga-Meister und Aufsteiger, 2018/19 der erneute Gang in die 2. Liga wegen der verlorenen Relegation gegen Union Berlin, und nun die neuerliche Rückkehr ins Oberhaus: Ist der VfB drauf und dran, sich zu einer Fahrstuhlmannschaft zu entwickeln? Mit Platz 15 in der Saison 2013/14 und Rang 14 im Folgejahr blickten die Schwaben dem Abstiegsgespenst schon zuvor tief in die Augen.

Diese VfB-Fans feiern die Rückkehr ihrer Mannschaft ins deutsche Oberhaus. Doch werden sich die Stuttgarter dort auch halten können?
Diese VfB-Fans feiern die Rückkehr ihrer Mannschaft ins deutsche Oberhaus. Doch werden sich die Stuttgarter dort auch halten können? | Bild: dpa

Das Fachmagazin „Kicker“ schrieb zuletzt ebenfalls: „Der VfB Stuttgart hat die Rückkehr in die Bundesliga perfekt gemacht – und hofft jetzt, keine Fahrstuhlmannschaft zu werden.“ Bleibt abzuwarten, was für ein Gesicht das Team in den bevorstehenden 34 Bundesligapartien zeigen wird. Das Saisonziel muss lauten, den vierten Abstieg der Vereinsgeschichte in Liga zwei zu verhindern. Kritisch beäugt wird der VfB etwa von Thomas Berthold, Weltmeister 1990. Er nannte den erhofften Klassenverbleib des Clubs „auch ein Glücksspiel. Ich hege Zweifel, ob der Kader des VfB in der aktuellen Form bundesligatauglich ist.“

5. Der FC Augsburg kommt ins europäische Geschäft

In der abgelaufenen Runde reichte es für den FCA nur zu Rang 15. Auf solch ein monatelanges Zittern hat Geschäftsführer Stefan Reuter keine Lust mehr. Man könne nicht zufrieden sein, auf den letzten Drücker die Klasse zu halten. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, bilanzierte auch Abwehrspieler Philipp Max.

Kann der Weg des FC Augsburg womöglich ins europäische Geschäft führen?
Kann der Weg des FC Augsburg womöglich ins europäische Geschäft führen? | Bild: dpa

Für die nun zehnte Saison in der Bundesliga haben die Schwaben vorgesorgt – und dabei Näschen bewiesen. Mit Torhüter Rafal Gikiewicz (von Union Berlin), Mittelfeldakteur Tobias Strobl (Borussia Mönchengladbach) und Daniel Caligiuri (Schalke 04) haben die Verantwortlichen drei gestandene Bundesliga-Profis ablösefrei nach Augsburg geholt. Zur Überraschung vieler könnte der FCA am Ende der Spielzeit 2020/21 auf einem Europa-League-Platz stehen – die Jubiläumssaison würde dank eines solchen Erfolgs auf jeden Fall gekrönt werden.