Meistens bedeutet es nichts Gutes, wenn am Ende eines Fußballspiels der Schiedsrichter Thema ist. Nicht so nach dem 1:1 zwischen dem SC Freiburg und Hoffenheim, da stimmen Kicker aus beiden Mannschaften ein Loblied an auf den Unparteiischen Manuel Gräfe.

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Trotz oder wegen der 77. Minute! Hoffenheims Verteidiger Vogt und Freiburgs Stürmer Demirovic rasseln im Hoffenheimer Strafraum ineinander. Gräfe pfeift Stürmerfoul, doch dann meldet sich der Videoassistent in Köln. Nicht Vogt soll gefoult worden sein, sondern selbst gefoult haben. Gräfe guckt sich die Bilder an und revidiert seine Entscheidung. Nicht Freistoß für Hoffenheim, sondern Elfmeter für Freiburg. Grifo nutzt die Chance, das 0:1 durch Kramaric (40.) auszugleichen. 1:1, so endet die Partie denn auch.

Gräfe „muss weitermachen“

Und was passiert nach dem Schlusspfiff? Da steht Manuel Gräfe mit Kevin Vogt zusammen, den linken Arm auf dessen Schulter gelegt, erklärt der Schiri, wie die TV-Bilder seine Sicht der Dinge veränderten. Wenig später sagt der Hoffenheimer Keeper Oliver Baumann den Satz, Gräfe dürfe nicht aufhören, „er muss weitermachen“. Und der Freiburger Kapitän Christian Günter will „jetzt mal eine Lanze brechen für Manuel Gräfe“. Der Schiri sei fit, zeige eine überragende Leistung, deshalb seine dringliche Bitte: „Lasst ihn doch weitermachen!“

Zu alt für die Bundesliga?

Ja, Gräfe, der Berliner Bär, 1,97 Meter groß und 87 Kilo schwer, muss die Pfeife weglegen. Er ist vergangenen September 47 geworden – und damit zu alt für die Bundesliga. So besagt es das Reglement des Deutschen Fußball-Bundes. Lutz-Michael Fröhlich, Sportlicher Leiter der DFB-Elite-Schiedsrichter sagt, man habe sich intensiv mit dem Anliegen von Gräfe und dessen ebenfalls betroffenen Kollegen Guido Winkmann und Markus Schmidt auseinandergesetzt, über das 47. Lebensjahr hinaus weiter pfeifen zu dürfen. Heraus kam freilich ein emotionsloses Nein. Fröhlich: „Die Aspekte Weiterentwicklung im Bereich der Elite-Schiedsrichter und Strategie in der Kaderplanung gaben den Ausschlag. Wir setzen auf eine Fluktuation im Bereich der Unparteiischen auf dem Platz.“ Als Videoassistenten oder im Coaching für Nachwuchskräfte gebe es weiter Einsatzmöglichkeiten für das Trio.

Gräfe ist anderer Meinung

Die alten Herren im Verband unterstellen, dass Fitness und Reaktionsvermögen irgendwann nicht mehr den Ansprüchen des rasanten Spiels in der Bundesliga genügen würden – und irgendwann heißt: mit 47. Gräfe ist da freilich anderer Meinung. „Die Schiedsrichterei hat sich in vielen Bereichen rund um das Feld wie zum Beispiel beim Trainerstab, den Physiotherapeuten sowie der Administration positiv weiterentwickelt, auch dadurch hat sich die körperliche Leistungsfähigkeit der Schiedsrichter verbessert.“ Und eines sollte eigentlich klar sein: „Es geht doch letztlich darum, dass die aktuell Besten auf dem Platz stehen.“

„Manuel Gräfe ist eine natürliche Autorität. Er tut dem Spiel gut, weil er viel laufen lässt, aber auch weiß, wann er eingreifen muss. Dem folgen die Spieler.“
Christian Streich, Trainer des SC Freiburg

Und damit zurück ins Schwarzwaldstadion. Auch Christian Streich hält Gräfe für “herausragend.“ Und er erläutert sein Urteil auch. „Manuel Gräfe ist eine natürliche Autorität. Er tut dem Spiel gut, weil er viel laufen lässt, aber auch weiß, wann er eingreifen muss. Dem folgen die Spieler.“ Freiburgs Trainer ist aber auch Realist. „Wir haben in Deutschland eine Altersregelung, ich will da keinen Druck aufbauen“, sagt Streich. Und tut es dann doch. „Man muss sich entscheiden, ob man die Altersgrenze will, oder dass die Besten pfeifen.“ Klarer geht‘s nicht.

Andere Länder, andere Regeln

Anderswo ist man flexibel. In England pfeifen mit Mike Dean (52) und Martin Atkinson (50) zwei Top-Referees jenseits der 50 weiterhin viele Spiele. Und selbst die Uefa hat ihre Altersgrenze aufgeweicht. So ist der Niederländer Björn Kuipers mit 48 Jahren weiter in der Champions League an der Pfeife und soll auch EM-Spiele leiten.