Schon Stunden vor dem Start der Rund um am Freitagabend war klar, es wird bei der diesjährigen Rund Um wohl kaum einen neuen Streckenrekord geben. Darum hatte sich das Team um Achim Holz, Präsident und Wettfahrtleiter des Lindauer Segler-Clubs (LSC) bereits am Nachmittag für eine Bahnabkürzung entschieden. So mussten nur die schnellsten Boote der Startgruppe 1 in den fast immer windarmen Überlinger See segeln und damit die rund 100 Kilometer lange Strecke in voller Länge absolvieren. Die Startgruppe 2, in der ebenfalls zahlreiche schnelle Boot an den Start gegangen waren, konnten nach der Boje Konstanz/Eichhorn wird zurück ins Ziel vor Lindau kommen. Die Teilnehmer der dritten Startgruppe mussten bis ins schweizerische Romanshorn und konnten dann zurück nach Linda segeln. Von insgesamt 238 gestarteten Booten in allen Gruppen, kamen innerhalb von 24 Stunden 138 rechtzeitig wieder ins Ziel vor Lindau. Im vergangenen Jahr war es gerade mal sieben Schiffe gewesen. „Es war ein reines Glücksspiel. Wer zur rechten Zeit am richtigen Ort war, konnte von Glück reden“, erklärte der Gesamtzweite Ralph Schatz.

Der schwache Wind am Freitagabend sorgte bereits kurz nach dem Start dafür, dass sich die meisten Boote, innerhalb der ersten drei Stunden nur wenige Kilometer auf dem Bodensee bewegten. Selbst die schnellen Racer mit ihren Katamaranen wechselten ständig die Segel und hielten nach jedem Windhauch Ausschau. Doch der Wind wurde immer weniger und so mussten auch alle auch den schnellen Booten erleben, dass eine rund Um nicht immer nach wenigen Stunden schon vorbei ist. Auch Sieger Fritz Trippolt erreicht erst am Samstag nach 14 Stunden, drei Minuten und 53 Sekunden wieder das Ziel vor Lindau. Eine Riesenfreude hatte dafür das Team vom Martin Schneider, der mit drei Frauen auf der „Erotica“ unterwegs war. Er kam durch den verkürzten Kurs fuhr er mit seinem Schiff nach 10 Stunden und 29 Minuten als erster über die Ziellinie und gewann damit das „Kleine Blaue Band“.

Des einen Glück, des anderen Pech: Wolfgang Palm, seit Jahren mit seiner „Wild Lady“ vom Yachtclub Langenargen immer unter den ersten um das „Blaue Band“, war in diesem Jahr ein Opfer der Bahnverkürzung: Da laut Wettfahrtregeln bei einer Bahnabkürzung die Startgruppe 2, in der auch Palm gestartet ist nicht in den Überlinger See fährt, geht das Blaue Band an ein Boot der Startgruppe 1. Da diese Regelung bei den Teilnehmern der Startgruppe 2 nicht gut ankommt, wollen die verantwortlichen im LSC nach zwei windarmen Rund Um-Regatten über eine Novellierung der Regelung nachdenken.

Den meisten Rund Um-Teilnehmern geht es aber gar nicht vorrangig um das Ziel ganz vorne mit dabei zu sein, sondern um das einmalige Erlebnis einer langen Regatta, die durch die Nacht geht. Viel von ihnen mussten in diesem Jahr aber die Wettfahrt abbrechen, dass der Wind immer weniger wurde und die Temperaturen immer höher. So gab es bei der Siegerehrung im LSC neben einem Sonderpreis auch einen Riesenapplaus für die Crew von Sebastian Wannemacher von der Akademischen Seglergemeinschaft Karlsruhe. Er kam mit seiner Mannschaft um 19 Uhr, 19 Minuten und 42 Sekunden als letzter über die Ziellinie. Zufrieden waren nicht nur die Verantwortliche vom Lindauer segler-Club, sondern auch die Macher der Lindauer Seglertage, auch wenn Arnold Weiner feststellte, dass er an diesem Wochenende jeden verstehen konnte der den Tag erst einmal auf oder im Wasser verbrachte und erst dann gegen Abend zum Bummeln an die Lindauer Promenade oder in den Segelclub gekommen ist.