Pro: Die Aufteilung hat ihre Berechtigung, meint SÜDKURIER-Volontär Julian Singler

Julian Singler
Julian Singler | Bild: privat

Bei der Verteilung der neuen TV-Gelder muss wie bisher klar berücksichtigt werden, dass die Flaggschiff-Clubs die Bundesliga international vertreten

Es ist und bleibt ein Wunschdenken: 18 ausgeglichene Clubs spielen in Deutschlands Eliteliga um die Meisterschaft – der FC Augsburg genauso wie Bayern, Freiburg genauso wie der BVB. Ob man das nun gut finden mag oder nicht, sei dahingestellt.

Salary-Caps, wie es sie in US-Sportligen gibt, könnten dieses Problem lösen. In Europa ist solch eine Gehaltsobergrenze für Mannschaften aber unter anderem wegen rechtlicher Gegebenheiten nicht so einfach umsetzbar. Außerdem müssten dann alle großen Ligen des Kontinents mitziehen, ansonsten ist die Bundesliga in internationalen Wettbewerben im Nachteil. Durch eine andere Aufteilung von TV-Geldern werden Machtverhältnisse deshalb nur bedingt verschoben.

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Fakt ist jedenfalls, dass Bayern München und Borussia Dortmund – zukünftig womöglich auch RB Leipzig – die Zugpferde der Bundesliga sind. Und uns im internationalen Schaufenster überhaupt Beachtung verschaffen. Was wäre das deutsche Oberhaus ohne die Münchner Sternstunden im Europapokal sonst noch wert? Von Erfolgen wie den Champions-League-Siegen 2001 und 2013 profitiert nachhaltig immer die ganze Liga. Unsere Flaggschiffe verschaffen uns Aufmerksamkeit – neben der Premier League, Real Madrid und Barcelona alles andere als einfach. Deshalb sind sich Rummenigge und Watzke bei der TV-Gelder-Verteilung zurecht einig – ausnahmsweise.

Contra: Es ist Zeit für veränderten Geldfluss, meint SÜDKURIER-Sportchef Ralf Mittmann

Ralf Mittmann
Ralf Mittmann | Bild: Tesche, Sabine

Der neue TV-Vertrag gilt für die Bundesliga. Es ist Zeit, dem Rechnung zu tragen und die Geldverteilung neu zu regeln – für mehr Chancengleichheit hierzulande

Hier Rummenigge, dort Watzke – oft haben sich die Bosse der erfolgreichsten deutschen Clubs so gefetzt, dass man sich fremdschämen musste! Bei einem Thema freilich ziehen sie am selben Strang: Beim Verteilen der nationalen TV-Gelder gelte es, die Bundesliga-Flaggschiffe überproportional zu bedienen, weil sie den deutschen Fußball international am besten repräsentierten.

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Stimmt, aber darf man nicht hinterfragen, ob das wichtiger ist als Solidarität in der heimischen Liga? Oder, direkt gefragt in einer Zeit, in der Wörter wie Demut, Moral und Anstand, Formulierungen wie Rückbesinnung auf alte Werte oder nachhaltige Neuausrichtung plötzlich in sind: Braucht es den finanziell überhitzten, von inflationärer Wettbewerbsflut geprägten internationalen Clubfußball eigentlich so noch?

Oder ist es nicht doch die Bundesliga, die dem Fan hierzulande am meisten am Herzen liegt – dass man nicht nur stets einen Kampf um den Klassenerhalt haben will von den nahezu immer gleichen Vereinen, sondern gerne auch mal wieder eine richtige Auseinandersetzung um den Meistertitel hätte statt eines logischen Serienmeisters Bayern München?

Es ist an der Zeit für eine ausgewogenere Aufteilung der Fernsehgelder. Nichts gegen den FC Bayern, nichts gegen Borussia Dortmund, aber wenn ihr Hauptaugenmerk der internationalen Bühne gehört, dann sollen sie sich die nötigen Mittel selbst besorgen.

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