Alexander Zverev wähnte sich fast schon im unfreiwilligen Urlaub in Südfrankreich. Nach einer Gala von Gegner Jack Sock im ersten Satz verhinderte der Olympiasieger aber doch noch nervenstark das jähe Aus bei den US Open und machte das beste deutsche Abschneiden bei einem Grand Slam seit 24 Jahren perfekt. Der Hamburger gewann am Samstag (Ortszeit) sein Drittrunden-Match nach verletzungsbedingter Aufgabe seines amerikanischen Kontrahenten beim Stand von 3:6, 6:2, 6:3, 2:1 und trifft nun auf das Südtiroler Toptalent Jannik Sinner. Erleichtert schleuderte Zverev kurz vor Mitternacht unterschriebene Tennisbälle ins johlende Publikum.

Scherzen nach dem Sieg

„Wenn Jack so weitergespielt hätte, wäre ich in anderthalb Stunden fertig gewesen“, scherzte er gut aufgelegt beim ersten Interview im Arthur-Ashe-Stadium nach seinem 14. Sieg in Serie. „Dann hätte ich meinen Urlaub geplant und hätte nächste Woche eine gute Zeit in Südfrankreich gehabt.“ Stattdessen erreichte Zverev nach Oscar Otte (Köln) das Achtelfinale.

Während Zverev trotz seines eindrucksvollen Laufs die Favoritenrolle für den Turniersieg schnell wieder dem Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic zuschob, darf Qualifikant Otte den Erfolg einfach nur genießen. „Ich bin froh zu sehen, dass er jetzt auf dem Niveau spielt, auf dem er wirklich spielen kann“, sagte Zverev über Otte. „Er ist einfach nur jemand, dem es an Disziplin gemangelt hat. Ich hoffe, dass er weiter die Arbeit macht und konstant auf dem Level wird.“

Otte schwärmt von seinem Erfolg

Der 28 Jahre alte Qualifikant setzte sich gegen Andreas Seppi aus Italien mit 6:3, 6:4, 2:6, 7:5 durch und steht erstmals in einem Grand-Slam-Achtelfinale. „Das ist ein Charakter-Erfolg. Ich freue mich so für ihn“, lobte Boris Becker. „Das ist der beste Erfolg meines Lebens“, schwärmte Otte auch selbst nach seinem Coup über den 37 Jahre alten Seppi beim TV-Sender Eurosport.

Anschließend berichtete die deutsche Damen-Chefin Barbara Rittner von einer Extra-Motivation an den Kölner. „Du wirst ja wohl nicht gegen so einen alten Mann verlieren“, habe sie im Scherz geschrieben, verriet Rittner. Ottes trockene Antwort lautete: „Nee, den krall ich mir.“ In das Duell mit dem an sechs gesetzten italienischen Wimbledon-Finalisten Matteo Berrettini geht der Weltranglisten-144. trotz allen Selbstbewusstseins nun allerdings als klarer Außenseiter.

Ganz anders Zverev. Die Partie gegen den 20 Jahre alten Sinner werde „extrem unterhaltsam“, prognostizierte der Weltranglisten-Vierte. „Er ist ein junger Typ, der sehr hungrig ist und extrem gut spielt.“ Alles andere als der Einzug ins Viertelfinale wäre angesichts der überragenden Form von Zverev allerdings eine Enttäuschung – auch wenn Sinner ihn im vorigen Jahr bei den French Open bezwingen konnte.

Gegen Sock, der nur mit einer Wildcard ins Turnier gekommen war, musste sich Zverev erstmals bei diesen US Open in einem Durchgang geschlagen geben. Der 28-Jährige spielte zunächst überragend, traf fast alles, kam im Auftaktsatz auf sieben Asse und 18 direkte Schläge zum Punktgewinn.

Zverev setzt sich durch

In den weiteren Durchgängen setzte sich Zverev dank seiner Extraklasse jedoch durch und zermürbte den angeschlagenen Gegner. Immer wieder hatte Sock in seiner Karriere, in der er bereits Rang acht der Weltrangliste erreicht hatte, mit Verletzungen zu kämpfen. Als Zverev vom Publikum im vierten Satz nach einem beeindruckenden Ballgewinn gefeiert wurde, fasste sich Sock entkräftet an den Oberschenkel und gab wenig später nach dem Break zum 2:1 für Zverev auf. „Ich fühle mich traurig für Jack“, sagte Zverev und erinnerte an das Schicksal seines Bruders Mischa: „Ich habe einen älteren Bruder, dem es mit Verletzungen die letzten Jahre nicht anders gegangen ist. Es tut mir sehr leid für ihn.“ (dpa)