Ist Sebastian Vettel wirklich verrückt? Niki Lauda hat zumindest diese Vermutung geäußert. Auslöser: Eine Szene des Formel-1-Rennens in Baku. Während einer Safety-Car-Phase gerät er mit Lewis Hamilton aneinander. Besser gesagt die beiden Fahrzeuge der derzeit schnellsten Piloten der Königsklasse. Hamilton bremst unvermittelt stark ab, Vettel fährt von hinten auf. Schaden: bei Vettel der Frontflügel, bei Hamilton am Heck. Vettel ist sauer, lenkt seinen Wagen links neben Hamiltons und fuchtelt mit den Armen. Und fährt seinem Rivalen gegen den Vorderreifen. Wohl eine klare Revancheaktion, die allerdings einem erfahrenen Rennfahrer nicht passieren sollte. Denn obwohl hinter dem Safetycar die Geschwindigkeit gering ist, ist das Risiko eines folgenreichen Unfalls groß. Es passiert nichts, das ist reines Glück.

SÜDKURIER-Kommentar: Heiße Duelle

Die beiden Streithähne begegnen sich hinterher nicht. Hamilton will das nicht. Er sagt: „Ich will ihn nicht treffen, das könnte sonst eskalieren.“ Und Vettel? Der ist wenige Zeit nach dem Rennen wieder deutlich gefasster. Er spricht von Respekt gegenüber Hamilton, von Anerkennung dessen fahrerischer Qualitäten. Aber auch davon, dass er die gegen ihn verhängte Zehn-Sekunden-Stopp-Strafe für unangemessen halte. „Wenn schon bestrafen, dann beide“, sagt der vierfache Weltmeister. Immer wieder spricht er von Hamiltons Fehler, zu stark gebremst zu haben. Über seinen Konter dagegen schweigt er lieber. Nur so viel: „Ich bin neben ihn gefahren und habe mit der Hand gestikuliert, reden geht in der Szene ja schwerlich.“ Es ist Vettels eigener Blick auf die Situation.

Natürlich war Hamiltons Abbremsen gefährlich. Vettels Ausraster aber ist unverzeihlich. Der Ferrari-Star muss sich immer bewusst sein, dass gerade er als vierfacher Weltmeister ein Vorbild ist. Für die jungen Piloten, die ihren Helden nacheifern. Ein Vorbild aber darf nicht so handeln. Vettel drohen nun ernste Konsequenzen. Er hat bereits neun Foulpunkte gesammelt, drei für das Manöver von Baku. Bei zwölf Zählern wartet eine Sperre. Eine ähnliche Aktion beim nächsten Rennen in Spielberg – schon wäre er gesperrt. Gerade Vettel, der immer so besonnen und überlegen wirkt. So bedächtig und emotionslos redet. Niki Lauda, Aufsichtsratschef beim Mercedes-Team, sagt: „Vettel ist normalerweise ein vernünftiger Kerl. Ich verstehe das nicht, vielleicht ist er verrückt.“

Ein bisschen verrückt sind sie alle, die Formel-1-Fahrer. Bei Vettel zeigt sich das ausschließlich auf der Strecke, außerhalb ist er bodenständig und zurückhaltend. Sein Privatleben hält er aus der Öffentlichkeit, er genießt die Ruhe an seinem Schweizer Wohnort Ellighausen, nur wenige Kilometer vom Bodensee entfernt. Früher war Vettel häufiger in Konstanz zu sehen, heute kaum mehr. Er liebt die Ruhe. Auf der Strecke aber ist es damit bei ihm vorbei. Sein Ausraster vom Sonntag war bei Weitem nicht der erste seiner Karriere. Vor allem durch Schimpftiraden am Boxenfunk hat er für Aufsehen gesorgt. Einmal, in der vergangenen Saison war das, griff er sogar Rennleiter Charlie Whiting verbal an. Hinterher entschuldigte er sich – immerhin.

Ob es so weit auch mit Hamilton kommen wird? Vettel kündigte ein Gespräch an, Hamilton aber sagt: „Er hat doch meine Nummer gar nicht. Ich gebe die Antwort auf der Strecke.“ Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff weiß: „Ab einem bestimmten Zeitpunkt können die Besten, die um den WM-Titel fahren, nicht mehr Freunde sein.“ Er kennt das, mit Hamilton und Nico Rosberg hatte er zuletzt zwei Streithähne im eigenen Team. Nun heißt es also Vettel gegen Hamilton. Bislang war ihr Umgang von Respekt geprägt. Bis zu jenem Sonntag in Aserbaidschan, als sich die Stimmung änderte.

Pressestimmen

  • Spanien

El Mundo: „Vettel, der Rowdy. In einem chaotischen Rennen hat der Deutsche den Mercedes-Wagen von Hamilton attackiert.“

El País: „Vettel verliert die Nerven gegen Hamilton. Das absurdeste Rennen der letzten Jahre war so verrückt, dass sogar ein so erfahrener Fahrer wie Sebastian Vettel aus der Fassung gebracht wurde.“

Marca: „Vettel hätte die Schwarze Flagge verdient gehabt. Die Rennleitung schonte den Deutschen, der so am Ende vor Hamilton noch Vierter werden konnte.“

  • Italien

La Stampa: „Ein Zusammenstoß, die Strafe und so viel Gift. Vettel und Hamilton: Ein Duell der Rowdys. Vergessen wir das Lächeln und die Bekundungen gegenseitiger Achtung. Nach drei Monaten ist zwischen Vettel und Hamilton der Hass explodiert.“

La Repubblica: „Vettel: Ein unentschuldbares Verhalten vor allem von einem, der vier Weltmeisterschaften gewonnen hat. Typ Zidane bei der Fußball-WM 2006.“

  • England

The Sun: „An dieses Rennen wird man sich wegen einer Sache erinnern – es war der Siedepunkt zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. Der Ferrari-Fahrer hat sein Auto absichtlich als Waffe eingesetzt, um in Hamilton reinzufahren, der Titelkampf ist entbrannt.“

Daily Mirror: „Der vierfache Weltmeister Vettel steht jetzt unter Druck, sich bei Hamilton zu entschuldigen und bei der Formel 1, weil er den Sport in Verruf gebracht hat.“

Times: „Jegliche Freundschaft zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel vor diesem Wochenende endete ganz und gar in Aserbaidschan.“ (dpa)

Pressestimmen zum GP von Baku

  • El Mundo (Spanien): „Vettel, der Rowdy. In einem chaotischen Rennen hat der Deutsche den Mercedes-Wagen von Hamilton attackiert.“
  • El País (Spanien): „Vettel verliert die Nerven gegen Hamilton. Das absurdeste Rennen der letzten Jahre war so verrückt, dass sogar ein so erfahrener Fahrer wie Sebastian Vettel aus der Fassung gebracht wurde.“
  • Marca (Spanien): „Vettel hätte die Schwarze Flagge verdient gehabt. Die Rennleitung schonte den Deutschen, der so am Ende vor Hamilton noch Vierter werden konnte.“
  • La Stampa (Italien): „Ein Zusammenstoß, die Strafe und so viel Gift. Vettel und Hamilton: Ein Duell der Rowdys. Vergessen wir das Lächeln und die Bekundungen gegenseitiger Achtung. Nach drei Monaten ist zwischen Vettel und Hamilton der Hass explodiert.“
  • La Repubblica (Italien): „Vettel: Ein unentschuldbares Verhalten vor allem von einem, der vier Weltmeisterschaften gewonnen hat. Typ Zidane bei der Fußball-WM 2006.“
  • The Sun (England): „An dieses Rennen wird man sich wegen einer Sache erinnern – es war der Siedepunkt zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. Der Ferrari-Fahrer hat sein Auto absichtlich als Waffe eingesetzt, um in Hamilton reinzufahren, der Titelkampf ist entbrannt.“
  • Daily Mirror (England): „Der vierfache Weltmeister Vettel steht jetzt unter Druck, sich bei Hamilton zu entschuldigen und bei der Formel 1, weil er den Sport in Verruf gebracht hat.“
  • Times (England): „Jegliche Freundschaft zwischen Hamilton und Vettel vor diesem Wochenende endete ganz und gar in Aserbaidschan.“ (dpa)