Der Sportclub-Fan auf der Haupttribüne ist schon nach drei Minuten begeistert. „Die legen los wie die Feuerwehr“, meint der Mann, nachdem Christian Günter einen flotten Antritt hingelegt, mit gescheitem Querpass Nils Petersen angespielt und der mit einer Direktabnahme Augsburgs Torhüter Tomás Koubek zu einer Parade gezwungen hatte. Zwölf Minuten später steht der SC-Anhänger bereits, um das 1:0 zu feiern, doch nach einem Eckball von Günter köpft Robin Koch Koubek an und den Nachschuss bringt Mike Frantz aus neun Metern nicht im Tor unter. Klatschen, Stöhnen, Lachen.

Höler macht das 1:0

Der SC Freiburg macht in dieser noch sehr jungen Saison seinen Fans Freude. Geradezu folgerichtig fällt in der 24. Minute das 1:0 durch Lucas Höler, der eine gelungene Doppelpassaktion mit Günter veredelt. „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey“, schallt es von der Nordtribüne, zu diesem Zeitpunkt ist der Sportclub – da Leipzigs Spiel in Bremen erst um 18.30 Uhr angepfiffen wird – tatsächlich Tabellenführer.

Höfler und Petersen scheitern am Aluminium

„Lange hätte wir den Spitzenplatz eh‘ nicht gehalten“, wird nach Abpfiff Nils Petersen sagen und kein bisschen damit hadern, dass der starken Anfangsphase gut 50 Minuten Durchschnittskick gefolgt waren. Immerhin hätte es in der Schlussviertelstunde für die Mannschaft von Trainer Christian Streich doch noch zum Sieg reichen können, aber sowohl der Schlenzer von Nicolas Höfler (86.) als auch der Kopfball von Petersen (88.) prallten gegen den Pfosten. Den Tenor aus Freiburger Sicht kleidet alsbald Jannik Haberer in diese Worte: „Wir hätten gegen Ende noch gewinnen können, aber mit dem einen Punkt leben wir auch gut.“ Auf der Habenseite sind es nun deren zehn nach fünf Spielen, da darf man zufrieden sein im Breisgau. Und ein 1:1 ist ja auch allemal besser als ein 1:2, so wie es dem SC durch einen gegnerischen Treffer in der Nachspielzeit gegen den 1. FC Köln ergangen war.

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Auch Christian Streich will gar nicht lange analysieren. „Wir sind gut ins Spiel gekommen und hätten schon vor dem Ausgleich ein zweites Tor machen können“, sagt der Trainer. Nach der Halbzeit hat Streich „nicht mehr so viel Druck auf dem Schläger“ gesehen. „Erst am Ende haben wir noch mal alles reingeworfen, hatten auch genug Torchancen um zu gewinnen“, sagt er und schließt kurz, aber prägnant: „Zuletzt waren wir effizient, heute nicht.“

FCA-Trainer Martin Schmidt zufrieden

Die biederen, aber gut organisierten Augsburger nutzen eine von drei Torannäherungen in 90 Minuten durch den Ex-Freiburger Florian Niederlechner zum 1:1 (39.), ein zufriedener Trainer Martin Schmidt gibt zu, dass es „hinten raus ein glückliches Unentschieden für uns war“. Damit ist alles gesagt.

Bei Keller wird es hoch emotional

Das heißt: fast alles. Denn ein Thema ist noch die Person Fritz Keller. Der 62-Jährige, der am kommenden Freitag zum neuen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes gewählt werden wird, ist zum letzten Mal als Präsident des SC Freiburg im Schwarzwaldstadion – ein schwerer Gang. Erst freut er sich über die Führung, dann ärgert er sich über Ausgleich und die beiden Pfostentreffer – und dann wird es hoch emotional.

25 Prozent der angestrebten 40 Zähler

Nach dem Abpfiff gibt Keller jedem Betreuer auf der Bank die Hand, ehe er wehmütig, die Hände in die Hüften gestemmt, ins Stadionrund schaut. „Es tut schon weh. Bei 25 Jahren hier muss man aufpassen“, sagt Keller und lässt den Satz unvollendet. Er ringt um Fassung, versucht sich im Beschwichtigen, „ich werde nicht tiefergelegt, sondern komme weiter als Gast“. Und, ja, die „Abgangstabelle“ seines SC Freiburg sei sehr gut. Mit zehn Punkten seien schon 25 Prozent der angestrebten 40 Zähler, die den Klassenerhalt sichern sollen, gesammelt.

Streich spricht von einer „Riesenaufgabe“

Christian Streich wird natürlich auch befragt, doch er will nicht viel darüber reden. „Eine Riesenaufgabe“ sei das, sagt er, „wenn ich mir vorstelle, DFB-Präsident, sieben Millionen Mitglieder: Ich würde sofort in den Keller runterrennen.“ Er vielleicht, aber der Keller rennt nicht in den Keller. Er wird ja auch nicht tiefergelegt.