Die Frisuren: tipptopp. Zumindest bei jenen VfB-Profis, die sich nach dem Spiel keine Mützen über die Haare gestülpt hatten. Schönheit spielt im Profifußball eine Rolle, natürlich. Da kicken junge Männer, die was hermachen wollen. Dicke Autos sind das eine. Aber für viele ist auch wichtig, dass die Haare schön sind. Was aber am Samstag im Stuttgarter Stadion gar nicht von Bedeutung war: die Schönheit des Fußballs. Hauptsache gewonnen – mit diesen zwei Worten war aus VfB-Sicht sehr viel gesagt über die Partie gegen den FC Augsburg. 1:0 stand es am Ende dank Angriffs-Rückkehrer Anastasios Donis, der in der 39. Minute getroffen hatte. Damit konnte sich das Stuttgarter Team von den Bundesliga-Abstiegsplätzen entfernen. Puuh.

„Enorm wichtig“ war dieser Sieg, sagte Torwart Ron-Robert Zieler, der viel dafür getan hatte, dass die Defensiv-Null stehen blieb. Sein Fazit: Es gehe nicht darum, „schönen Fußball zu spielen“. Denn: „Wir brauchen unbedingt Punkte.“ Wie die zustande kommen, ist letztlich wurscht. Elf Zähler hat der VfB Stuttgart jetzt auf seinem Bundesliga-Konto. Zwei mehr als der Tabellenletzte Fortuna Düsseldorf, zwei mehr als der Vorletzte Hannover 96. „Unheimlich glücklich über diesen Sieg“ war also der Stuttgarter Trainer Markus Weinzierl. Sein Team habe „über 90 Minuten toll gefightet“. Auch für Weinzierl hat fußballerische Schönheit derzeit keine Bedeutung. „Ich habe nicht erwartet, dass wir ein Feuerwerk nach vorne abliefern.“ Hauptsache gewonnen und drei Punkte eingefahren. Der Trainer erwartet das auch in den nächsten Spielen nicht. Gleich nach dem Schlusspfiff der Partie gegen den FC Augsburg sprach er auf dem Rasen mit seinen Profis und wies darauf hin, „dass das die Basis sein muss“, kämpfen, rennen, grätschen.

Anastasios Donis.
Anastasios Donis. | Bild: Deniz Calagan, dpa

FCA-Vorteile 14:18 Torschüsse wurden gezählt, 3:8 Ecken, 274:477 gespielte Pässe, 36:64 Prozent Ballbesitz – aber bei den Zweikämpfen hatten die Stuttgarter knapp die Nase vorne (51:49), ebenso bei der Mannschafts-Laufleistung (1,4 Kilometer mehr). Und beim Ergebnis eben auch. Guten Fußball spielten eher die Augsburger. „Quasi mit einem Torschuss verlieren wir das Spiel“, ärgerte sich Kapitän Daniel Baier. Eine „ganz bittere Niederlage“ beklagte Trainer Manuel Baum. Nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den VfB hat der FCA nach der dritten Pleite in Folge. Der Stuttgarter Sieg war doppelt bedeutsam, „weil wir die Augsburger ein bisschen mit reinziehen“, wie es Torwart Zieler ausdrückte.

Für den VfB geht es am kommenden Sonntag bei den extrem heimstarken Gladbachern weiter (in dieser Saison gab es sechs Siege vor eigenem Publikum, kein Punkt ging verloren). Noch vier Spiele sind es bis zur Winterpause. „Vier Spiele, zwölf Punkte“, wie VfB-Trainer Weinzierl vorgerechnet hat. „So viel wie möglich“ will er an Punkten einsammeln, „den Schwung mitnehmen“, den das 1:0 gegen Augsburg erzeugt hat.

Doch man weiß auf dem Cannstatter Wasen sehr genau, dass es kein überzeugender Auftritt war im Duell mit dem FCA. Dazu wurden erneut viel zu viele Fehler gemacht im Spielaufbau. Mittelfeld-Mann Dennis Aogo sagte: „Wir wissen, woran wir arbeiten müssen. Aber das sind keine Themen für die Öffentlichkeit.“ Es gehe darum, endlich das wahre Potenzial zu Tage zu fördern, das im Kader stecke. Dann nämlich „muss die Qualität reichen“, um unten raus zu kommen. „Es bringt gar nichts, wenn wir nach Hannover schauen oder nach Düsseldorf.“ Eigene Stärke, darauf kommt es langfristig an. Theoretisch sollte der VfB richtig schönen Fußball spielen können. Praktisch aber geht es erstmal nicht um Ästhetik. Der VfB hat aktuell andere Sorgen. Der erneut torlose Stürmer und Ex-Nationalspieler Mario Gomez hat das unmissverständlich klar gemacht: „Bundesliga ist Woche für Woche: Dreckssiege, Überlebenskampf. Wir müssen öfter überleben und öfter Dreckssiege einfahren, dann holen wir noch ein paar Punkte bis zur Winterpause.“ (dpa)