Herzlich umarmte Werner Schuster zum Abschluss von elf überwiegend glorreichen Skisprung-Jahren alle Trainerkollegen – darunter auch seinen designierten Nachfolger Stefan Horngacher. „Tadellos, es war so wie immer. Es war toll mit den Kollegen, eine herzliche Verabschiedung“, berichtete der 49 Jahre alte Schuster mit einem Schuss Rührung, nachdem er den dreifachen Weltmeister Markus Eisenbichler im slowenischen Planica ein letztes Mal abgewunken hatte. Den letzten Triumph, die kleine Kristallkugel für „Eisei“, gab es zwar nicht mehr, doch das sollte die große Abschiedsparty für den Österreicher nicht mehr trüben.

Konzentriert bis zum Schluss

Seinen Wunsch, bis zum letzten Sprung konzentriert zu arbeiten und erst danach die große Sause beginnen zu lassen, erfüllten Schusters Schützlinge. Der Bayer Eisenbichler (227 und 235 Meter) krönte eine starke Saison mit Rang drei im letzten Fliegen und dem zweiten Platz im Skiflug-Gesamtweltcup. „Einfach ein geiles Wochenende. Ich bin überglücklich, dass ich jetzt mal Zeit für meine Familie und meine Freunde habe“, sagte der erleichterte Top-Adler. Dauersieger Ryoyu Kobayashi, der mit 252 Metern im ersten Durchgang auch noch einen Schanzenrekord aufstellte, musste er sich einmal mehr geschlagen geben. Der Japaner sicherte sich nach Tournee-Sieg, Raw-Air-Titel, Gesamtweltcup-Triumph auch noch den Skiflug-Weltcup sowie den Sieg in der Wertung „Planica Seven“.

Horngacher bringt sich in Stellung

Und kaum hatte Schuster – ohne eine Träne – letztmals die deutsche Fahne in den Wind gehoben, brachte sich sein wahrscheinlicher Nachfolger nochmals vehement in Stellung. Ex-Assistent Horngacher erklärte vor laufender Kamera sein Ende als polnischer Nationaltrainer. „Ich habe mich entschieden, meinen Vertrag nicht zu verlängern. Es gibt Gespräche mit dem DSV, die dauern an. Die Chancen stehen sehr hoch“, sagte der Tiroler. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis Horngacher sein bis 2022 gültiges Arbeitspapier beim Deutschen Skiverband (DSV) unterschreibt.

Die Zukunft bleibt offen

Was der bisherige Amtsinhaber in Zukunft macht, blieb auch in Planica offen. Ein Cheftrainer-Posten ist quasi ausgeschlossen, stattdessen könnte der Skisprung-Visionär sein Knowhow beim DSV in einer Akademie einbringen oder erneut Inhalte am österreichischen „Schigymnasium“ in Stams vermitteln. „Es kann sein, dass es wieder Richtung Nachwuchstrainer geht. Das war immer sehr erfüllend“, hatte Schuster in einem Interview betont. Eins steht für ihn fest: Nach einer mehr oder weniger kurzen Auszeit will er sich auf jeden Fall wieder mit Skispringen befassen.

Sotschi war der Knotenlöser

Im März 2008 hatte Schuster die deutschen Skispringer auf dem Tiefpunkt übernommen. Es folgten zwei Olympiasiege (2014 mit dem Team, 2018 Andreas Wellinger) sowie Einzel-WM-Titel für Severin Freund und Markus Eisenbichler. „Das Team-Gold in Sotschi 2014 war ein Knotenlöser, wo dann auch klar war: Das System greift, und es bleibt etwas übrig aus meiner Ära. Danach waren die Abläufe gut eingespielt, sodass die folgenden Jahre sehr erfolgreich waren“, bilanzierte Schuster. (dpa)