Am Montagabend hatten die gut 100 SC-Fans auf der Tribüne des Schrunser Stadions ein echtes Loyalitätsproblem. Denn unten auf dem Rasen traf eine Mannschaft des SC Freiburg auf die andere, am Ende gewann die in den weißen Jerseys gegen die in den roten mit 3:0 nach Toren von Christoph Daferner, Caleb Stanko und Marco Terrazzino. Das Spiel der von den Namen her in etwa gleichwertig besetzten Teams war aus der Not geboren, schließlich hatten die SC-Verantwortlichen ein ursprünglich geplantes Freundschaftsspiel gegen Al Sadd AC, einen Klub aus Katar, nach Kritik von Fans abgesagt. Sofern die Eindrücke aus dem Training und den bisherigen Tests nicht täuschen, hat der Sportclub viereinhalb Wochen vor dem Saisonstart gegen Eintracht Frankfurt bereits eine Mannschaft beisammen, die stärker ist als die in der vergangenen Saison. Der Weggang von Marc-Oliver Kempf (VfB Stuttgart) scheint durch Dominique Heintz mehr als kompensiert worden zu sein. Der ehemalige Kölner wirkt in Schruns auch außerhalb des Platzes gut integriert, auf dem Feld zeigt er sich zweikampstark. „Eine seiner großen Stärken ist zudem die Spieleröffnung“, sagt Sportdirektor Jochen Saier, der die Trainingseinheiten in Schruns aufmerksam verfolgte und am Montag die Verpflichtung des ehemaligen Lauterers Brandon Borello in trockene Tücher brachte. „Brandon ist ein richtig talentierter und variabler Offensivspieler“, sagt Sportdirektor Klemens Hartenbach. „Wir waren uns mit ihm bereits vor seinem Kreuzbandriss mündlich einig, so dass es für uns selbstverständlich war zu unserem Wort zu stehen.“

Bis sich der Australier, der sich auf der rechten offensiven Außenbahn am wohlsten fühlt, auf dem Platz zeigen kann, werden allerdings noch Monate ins Land ziehen. Umso ärgerlicher, dass sich Yoric Ravet am Donnerstag beim 9:1 in Ravensburg einen Muskelfaserriss zuzog, der am Dienstag bekanntgegeben wurde. Der Außenbahnspieler hatte sich gerade wieder an die erste Mannschaft herangekämpft – und das auf der einzigen Position, auf der der Sportclub noch Handlungsbedarf sieht und bald einen Transfer vermelden möchte. Bei den Innenverteidigern sind die Positionen mit Heintz, Caglar Söyüncü, Manuel Gulde und Philipp Lienhart derweil doppelt besetzt, zumal derzeit nichts auf einen Wechsel von Söyüncü nach England hindeutet. Sportdirektor Saiser hat jedenfalls „keine offizielle Anfrage“ vorliegen. Auch auf der Sechserposition, die zuletzt nicht immer optimal besetzt war, gibt es mehr Optionen. Der aus Bremen geholte Jérôme Gondorf hat eine gute Ausstrahlung und Technik. Bei den Torabschlussübungen wies er zudem ungeahnte Vollstreckerqualitäten nach, am Samstag traf er öfter als die Sturmkollegen Tim Kleindienst oder Lucas Höler. „Wir brauchen auch unbedingt mehr Torgefahr aus der zweiten Reihe“, weiß Sportdirektor Saier, „gerade aus dem Zentrum heraus haben wir letzte Saison da zu wenig hinbekommen.“ Der dritte Neue mit Ambitionen auf einen Stammplatz ist Luca Waldschmidt. Den 22-Jährigen vom HSV hat Hartenbach schon als A-Jugendlichen beobachtet. Dass er ein feiner Fußballer ist, steht außer Frage, seine Trefferquote in der ersten Liga – zwei Tore in 50 Einsätzen – ist allerdings bislang bescheiden.