206 Stationen auf zwölf Linien, rund 2,5 Milliarden Fahrgäste per anno, alle 90 Sekunden kommt in den Hauptverkehrszeiten ein Zug, bei 99-prozentiger Pünktlichkeit, das ist Weltrekord!

Die ältesten Stationen der Moskauer Metro sind noch zu Zeiten des Diktators Stalins von führenden Malern und Bildhauern der Sowjetunion luxuriös dekoriert und aufgebaut worden. Sie sollten Zeugen sein der Kraft und des Reichtums des riesigen Imperiums.

Das Zentrum Moskaus schließt die Ringlinie Nummer fünf mit zwölf Stationen ein. Ihre Züge verkehren ständig im Kreis. Über ihre Entstehung kursiert eine Legende. Auf einer der Sitzungen des Metro-Baukomitees soll Stalin eine Tasse Kaffee auf dem Plan abgestellt haben, die dort einen kreisförmigen Fleck rund um das Stadtzentrum hinterließ. Der Diktator habe dann angeordnet, eine solche Linie zu bauen. Auf dem Streckenplan der Metro ist die Ringlinie übrigens in (kaffee-)braun dargestellt.

Heutzutage ist es gewiss leichter, in Moskau die Metro zu benutzen, als noch vor 20, 25 Jahren. Nach wie vor kann man sich an den Farben der Linien orientieren, aber es gibt inzwischen auch Hinweistafeln in englischer Sprache und nicht mehr nur wie ehedem in Kyrillisch. Ein einstündiger, gescheiterter Versuch, an einer zentralen Station von einer Linie in eine andere zu wechseln, muss heute nicht mehr sein. Vielleicht war ich damals zu hektisch, zu nervös, zu unaufmerksam, aber so oder so gab es die Strafe – denn der Fahrer des nach der Kapitulation bemühten Taxis nahm es von den Lebenden.

Auffallend war trotz Zeitnot die Schönheit der Metrostationen. Unbedingt ansehen sollte man sich diese:

  • Komsomolskaja – wurde als Tor nach Moskau angelegt, befindet sich unter den drei größten Bahnhöfen der Stadt, dem Leningrader, Jaroslawler und Kasaner Bahnhof, ausladender Stil der Stalin-Zeit mit prunkvollen Kronleuchtern, Marmor-Arkaden und Mosaiken.
  • Park Kultury – führt zur Krim-Brücke und dem berühmten Gorki-Park, mit fünf Arten von Marmor gestaltet, Reliefs nach Skizzen von Isaak Rabinowitsch zeigen verschiedene Freizeitaktivitäten des typischen Sowjetbürgers.
  • Kiewskaja – jüngste Station des Metrorings, wurde unter persönlicher Aufsicht des seinerzeitigen Generalsekretärs Nikita Chruschtschow gebaut, der die elegante Dekoration seiner Heimat, der Ukraine, gewidmet hat, die Station gilt als unterirdischer Palast.
  • Taganskaja – mittelalterliche Architektur, Deckenbögen erinnern an die Kreuzgewölbe der europäischen Gotik oder die russischen Bojaren-Häuser des 18. und 19. Jahrhunderts, Säulen mit Majolika-Keramik-Wandbildern gestaltet, die Helden der sowjetischen Armee zeigen: Seeleute, Panzersoldaten, Piloten und andere Militärs.
  • Nowoslobodskaja – mit riesigen Buntglasfenstern die festlichste Station, 32 Bilder des Wandmalers Pawel Korin.

 

Der Autor dieses Textes Ralf Mittmann.