Was, wenn Simon Teroddes größte Sorge wahr geworden wäre? "Ich habe kurz Angst gehabt, das Jochbein ist durch", sagte der 15-Tore-Stürmer vom VfB Stuttgart nach dem Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern (2:0). Das hätte wohl eine Spielpause von zwei bis drei Wochen bedeutet. So brach sich Terodde nur die Nase. Schmerzhaft zwar, aber dank Maske könnte Stuttgarts Torgarantie bereits wieder beim Auswärtsspiel in Braunschweig spielen (Montag, 20.15 Uhr, Sport 1). Und das hat er auch fest vor. "Ich habe Mega Bock auf das Spiel, meine erste Frage in der Kabine war: 'Kann ich in Braunschweig ran'?"

Terodde ist die Symbolfigur des Stuttgarter Aufschwungs. Sein Trainer Hannes Wolf wird jedoch nicht müde, statt ihn seine Mitspieler hervorzuheben: "Simon trifft oft mit dem ersten Ballkontakt, das geht nicht ohne gute Zuspiele." Außerdem wünsche er "allen Spielern viele Tore". Auch Daniel Ginczek, der gegen Lautern zum fünften Mal in Folge eingewechselt wurde – und mit etwas mehr Gelassenheit mit seinem ersten Saisontor für die vorzeitige Entscheidung hätte sorgen können.

Nicht nur Alles-Super-Schwaben

Zählt man Terodde, Innenverteidiger Timo Baumgartl und die Offensiv-Zange Takuma Asano und Carlos Mané zu den Alles-Super-Schwaben, so muss man neben Ginczek auch die weiteren Luft-Nach-Oben-Schwaben nennen: Hajime Hosogai, Alexandru Maxim oder Florian Klein. Nationalspieler mit anderen Ambitionen, als in der zweiten Liga auf der Tribüne zu sitzen, wie gegen Kaiserslautern erneut der Fall. Es ist zur Selbsverständlichkeit geworde, dass Sportchef Jan Schindelmeiser ihnen nach dem Spiel lediglich "vorbildlichen und professionellen Einsatz im Training" zusprechen kann.

Weniger Maxim selbst als ein Spielertyp wie er geht dem VfB in dieser Saison noch ab. An der zündenden Idee, an diesem einen kreativen Moment fehlt es häufig. Asano und Mané sind rasend schnell, aber wie dem hoch veranlagten Wolfsburger Neuzugang Josip Brekalo fehlt ihnen noch der Blick für den Mitspieler, drehen sie die ein oder andere Schleife auf dem Rasen zu viel. Mitnichten marschiert der VfB durch die Liga, da täuschen auch fünf Punkte Vorsprung vor dem ärgsten Verfolger Hannover 96 nicht hinweg. Hannes Wolf mahnt: "Bei aller Zuversicht, die wir im Moment natürlich haben, sollte man eines nicht vergessen: Viele Spiele waren extrem knapp, jeder Gegner kann es uns schwer machen."

Wolf hat üble Erinnerungen

Das ist keine falsche Bescheidenheit. Sieben ihrer 15 Saisonsiege gewannen die Schwaben mit nur einem Tor Unterschied. Und bei aller berechtigter Euphorie auch im Umfeld des Clubs – man denke an den rekordverdächtigen Zuschauerschnitt von aktuell 47 400 – steht es dem VfB gut zu Gesicht, auch die Spiele in Dresden (0:5) oder Würzburg (0:3) nicht zu vergessen. Umso wichtiger ist die Partie in Braunschweig. Gelänge dort ein Sieg, wäre den Stuttgartern bei dann zehn Punkten Vorsprung der Relegationsplatz kaum mehr zu nehmen. Auch wenn Hannes Wolf eine "prägende Erinnerung" an zu früh eingeplante Aufstiege hat: "Als ich Spieler in der zweiten Mannschaft von Nürnberg war, hatten wir sechs Spiele vor Saisonende einmal neun Punkte Vorsprung. Aber aufgestiegen sind wir nicht."

Am damaligen Stürmer Hannes Wolf selbst kann es nicht gelegen haben, der stand in fünf dieser sechs letzten Spiele nicht im Kader. Das sollte dem heutigen VfB-Stürmer Terodde im Endspurt besser nicht passieren.