Das Wichtigste vorneweg: Kein Spieler, Trainer oder Präsident hat es verdient, so behandelt zu werden, wie es in den vergangenen Wochen Wolfgang Dietrich widerfahren ist.

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Der oberste Lenker des Vereins für Bewegungsspiele wurde mit Schimpfwörtern tituliert, für deren Gebrauch der eigene Junior einen Schulverweis und die Eltern einen Einzelgesprächstermin erhalten würden.

Der Club braucht dringend eine andere Diskussionskultur 

Beim VfB applaudierten stattdessen Zuschauer, selbst wenn es unter die Gürtellinie ging. Das zeigt den Frust, zeigt die Misere am Neckar. Aber hat Dietrich das zu verantworten? Ja, aber dazu gleich mehr. Die erste Erkenntnis nach der völlig aus dem Ruder gelaufenen Hauptversammlung muss sein, dass dieser Club dringend eine andere Diskussionskultur benötigt.

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Dazu kommt die Hoffnung, dass diejenigen, die Dietrich zuletzt sogar Gewalt und Tod androhten, ausgemacht und bestraft werden.

Man kann, man muss über das diskutieren, was sich bei den Schwaben in den vergangenen Monaten ereignet hat. Und man kann das in einem anständigen Ton tun, der Dietrich die Gelegenheit gelassen hätte, im Amt zu bleiben. Aber wäre das wünschenswert gewesen? Dietrich muss sich an den Fakten messen lassen – und die sprechen nicht für ihn.

Sportliche Misere und falsche Erwartungen

Die sportliche Misere haben viele zu verantworten, allen voran der längst entlassene Sportchef Michael Reschke, der mit den meisten seiner Spielerverpflichtungen daneben lag.

Installiert wurde der von Wolfgang Dietrich, der trotz zweier Abstiege in drei Jahren den Club noch immer in der Champions League einordnete, obwohl andere Vereine längst an den Stuttgartern vorbeigezogen sind.

Auch die Jugendabteilung und die Reservemannschaft, einst Aushängeschilder des Vereins, gerieten in Turbulenzen.

Führungsschwäche und falsche Einschätzungen

Als Club-Ikone Guido Buchwald mangelnde sportliche Kompetenz im Verein beschrieb, geriet er unter anderem mit Aufsichtsratskollege Wilfried Porth von Daimler aneinander. Der Streit eskalierte, Anfang Februar folgte der Rücktritt des 90er-Weltmeisters.

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Dietrich schaffte es nicht, die Auseinandersetzung intern zu klären. Der Nebenkriegsschauplatz war im Abstiegskampf obendrein nicht hilfreich.

Und wer in Stuttgart einen Guido Buchwald vergrätzt und im Missmut gehen lässt, hat die Mehrzahl der Fans schon gegen sich.

Alte Geschäfte und das Image

Für Unruhe sorgten auch Vorwürfe, dass Dietrich angeblich als Präsident noch Teile an der luxemburgischen Firma Quattrex GP S.a.r.l. hielt. Diese ist der General Partner einer Investmentgesellschaft, die den Fonds „Quattrex German Opportunities“ aufgelegt hat, der wiederum Stuttgarter Konkurrenten wie dem 1. FC Heidenheim und Union Berlin Millionen zur Verfügung gestellt hat.

Konkreter wurden die Vorwürfe nicht, ein Fehlverhalten nachgewiesen wurde auch nicht, aber mancher Fan witterte da schon Vetternwirtschaft. Einer von uns? Das war Dietrich in der Kurve schon lange nicht mehr.

Die Ausgliederung

Unter Dietrich wurde die Profiabteilung ausgegliedert. Das brachte neue Investoren und wird den Club mittelfristig finanziell überleben lassen. Für viele Fans war ihr Club damit aber den Anzugträgern ausgeliefert.

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Das war der VfB wie jeder andere Proficlub freilich schon seit vielen Jahren, wenn dann aber auch noch der Erfolg ausbleibt, ist man halt lieber ein nostalgischer „Eingetragener Verein“ als ein Unternehmen.

Der Ausblick

Und wie geht es weiter? Mag sein, dass der VfB sportlich gerüstet ist für die kommende Zweitligasaison. Die Probleme in der Führung sind jedoch drängender.

Wie sollen Fans und Funktionäre wieder zusammenkommen? Wer könnte diese einigende Person sein, die einen echten Neuanfang vertreten könnte?

Nun, es gibt da diesen Bäckerssohn aus Göppingen, Jürgen heißt er mit Vornamen. Jürgen Klinsmann. Die Frage ist nur, wer vom VfB hat derzeit überhaupt die Kompetenz, den anzurufen.