Erst haben sie sich geärgert bei Borussia Dortmund nach dem 2:2 gegen ersatzgeschwächte Bremer und dann die nächste Mentalitätsdebatte über sich ergehen lassen müssen. Die meisten der 81 500 Zuschauer gingen unzufrieden nach Hause, schließlich erwarteten sie vom Mitfavoriten auf die Meisterschaft einen Sieg. Dabei müssen sich die Borussen wirklich nicht schämen nach diesem Spieltag, dem sechsten der Saison und dem 1906. seit dem allerersten am 24. August 1963.

Nur Dortmund holte einen Punkt im eigenen Stadion

Es wurde Geschichte geschrieben an diesem Wochenende, drei Bundesligarekorde wurden gebrochen und nur die Dortmunder verhinderten noch höhere Werte. Kaum zu glauben, aber sie holten den einzigen Punkt eines Gastgebers, der Minusrekord vom 7. Spieltag der Saison 2015/16 (vier Punkte) wurde pulverisiert. Es war auf antik römisch der „dies ater“ – der schwarze Tag der Gastgeber in der Bundesligahistorie, und 7:23 Tore sprechen Zusatzbände.

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Erstmals überhaupt gab es acht Auswärtssiege, am Sonntag machten Freiburg mit 2:1 in Düsseldorf und Hertha BSC mit 4:0 beim 1. FC Köln die Sache rund. Nun wissen auch die siegreichen Gäste, warum es am Rhein so schön sein kann. Der alte Rekord stand bei sieben Auswärtssiegen, aufgestellt am zweiten Spieltag 2010/11, damals gab es immerhin zwei Heimsiege. Die waren diesmal aber gar nicht zu verbuchen, übrigens zum erst siebten Mal in der Bundesligageschichte.

Heimvorteil war lange üblich

In der Gründerzeit verdiente der Heimvorteil noch seinen Namen, den ersten Spieltag ohne Heimsieg gab es erst in der 21. Saison – am 27. Oktober 1984, als der junge Franz Beckenbauer gerade erst Teamchef war. 1989/90 (26. Spieltag), 1995/96 (2.), 1997/98 (24.) 2011/12 (20.) und zuletzt am erwähnten 7. Spieltag 2015/16 gab es die nächsten Ausreißer. Der aktuelle Rekordspieltag sorgte für eine weitere Bestmarke: 23 Auswärtssiege nach sechs Spieltagen gab es noch nie.

Dass die Auswärtssiege sogar überwiegen (23:20), ist ein weiteres Novum zu diesem Saisonzeitpunkt. Dass es so heftig kommen musste, war zwar nicht zu erwarten, aber Fakt ist: Seit drei Jahren nimmt die Zahl der Auswärtssiege zu.

Auswärts ist das neue Zuhause

Siege haben keine Heimat mehr – auswärts ist das neue Zuhause, da helfen auch keine vollen Stadien. Verblüffend: Zehn von 18 Mannschaften holten auswärts mehr Punkte als im eigenen Stadion, nur bei Bayern (jeweils sieben) ist die Bilanz ausgeglichen. Woran es liegt? Seit Jahren ist zu beobachten, dass sich die Teams schwerer damit tun das Spiel zu machen, als es zu zerstören. Zuhause sind dazu auch jene gezwungen, die es nicht so gut können. Kein Wunder etwa, dass alle drei Aufsteiger schon drei Heimspiele verloren, auch das gab es nie nach sechs Spieltagen.

Auswärtsbilanz bei manchen Vereinen besser

Der FC Augsburg, seit 2011 dabei, ist auch so ein Kandidat. Das 0:3 gegen Leverkusen (bei nur 20 Prozent Ballbesitz) war die 50. Heimniederlage seit dem Aufstieg, auf den 50. Heimsieg warten sie noch. Auch die Heimbilanz von Fortuna Düsseldorf enthält mehr Niederlagen als Siege. Aber dank der Auswärtskraft schwimmt sie noch mit im Oberhaus. Die hat plötzlich auch der SC Freiburg für sich entdeckt: Das 2:1 bei Fortuna war der dritte Sieg im dritten Spiel in der Fremde, das ist Vereinsrekord und schon jetzt mehr als in der ganzen Vorsaison.

Mönchengladbach muss sich da nicht verstecken, unter Marco Rose gewann die Borussia alle drei Auswärtsspiele, was ihr zuletzt 1981 geglückt war. Dabei war Rose eigentlich dafür bekannt, nie ein Heimspiel zu verlieren (41 Pflichtspiele mit Salzburg überstand er), aber dann wechselte er in die deutsche Bundesliga, wo die Serie schnell riss. Dafür strickt er nun am Image von dem Trainer, der auswärts immer siegt.