Im Teamhotel in Trondheim wollte Bundestrainer Christian Prokop seine Handballer nicht noch zusätzlich mit harter Kritik verunsichern. Der desolate Auftritt beim 26:33 (11:14) gegen Titelverteidiger Spanien sorgte bei dem 41-Jährigen für große Ernüchterung. Viel Zeit zur Einordnung blieb Prokop nicht, schon heute (18.15 Uhr/ZDF) geht es gegen Lettland um den Einzug in die Hauptrunde der EM. Die Baustellen:

  • Der Kapitän: Uwe Gensheimer ist völlig außer Form. Der Linksaußen vergab beim Turnier ungewöhnlich viele Chancen, allein vier Siebenmeter hat er in zwei Spielen verworfen. In der zweiten Halbzeit gegen Spanien nahm Prokop den 33-Jährigen sogar komplett aus dem Spiel. „Ich glaube nicht, dass er überfordert ist mit seiner Rolle. Aber er spielt von seiner Chancenverwertung her nicht optimalt“, sagte Prokop. Er verteidigte den 33-Jährigen aber auch. „Das ist ein Weltklassespieler. Es wird abgehakt, das nächste Spiel genommen und nicht lange nachgekartet.“
  • Die Fehler: Die Anzahl der technischen Fehler brachte den Bundestrainer zur Verzweiflung. Seine Spieler warfen etliche Bälle ohne Gegnerdruck weg und luden die Spanier damit zu Toren ein. „Wenn wir diese Fehler machen, können wir den Plan, den wir uns gemacht haben, gar nicht umsetzen“, sagte Torwart Johannes Bitter. Woran das lag, konnte niemand erklären.
  • Die Torhüter: Andreas Wolff hatte sich viel vorgenommen. Wie sich schnell zeigte, zu viel. Von den ersten neun Würfen der Spanier konnte er nur einen abwehren. Ein Desaster für den ehrgeizigen Mann. Als Wolff rausging, kam Johannes Bitter und hatte bis zur Pause eine starke 40-Prozent-Bilanz. Trotzdem setzte der Bundestrainer nach em Seitenwechsel wieder auf Andreas Wolff, doch alle sieben Würfe rauschten an dem vorbei in den Kasten, ehe erneut Bitter ins Tor ging. „Wenn man in der Lage ist, Weltklasseleistung zu zeigen, möchte man das natürlich in so einem Spiel auf die Platte bringen. Wenn das nicht klappt, ist das sehr frustrierend und tut weh“, gab Wolff zu. Prokop hatte gehofft, dass seine Nummer 1 unter den Torhütern im zweiten Abschnitt ins Spiel reinfinden würde. Ein Trugschluss – und danach hielt auch Bitter nicht mehr so gut wie vor der Pause.
  • Die Leidenschaft: Spanien war kein alles überragender Gegner, Mitte des ersten Durchgangs wirkten die Iberer gar verunsichert (von 4:10 auf 9:10 kam das DHB-Team heran). Aber die deutschen Spieler schienen nie an den Sieg zu glauben. Hedrik Pekeler sprach Klartext: „Uns hat die Galligkeit, die Emotion gefehlt“, sagte der Abwehrchef, „das Ergebnis ist eine Katastrophe.“ (sk/dpa)