Wirklich Lust aufs Reden hat keiner. Benjamin Pavard nicht, der eiligen Schrittes in Richtung Tür marschiert. Daniel Didavi schon gar nicht, der sich, um erst gar keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, die Kapuze der Trainingsjacke weit über den Kopf zieht. Bloß nicht ansprechen.

Nur Zieler gibt Auskunft

Und auch Ozan Kabak nicht, der nur ein kurzes „Next time“ über seine Lippen presst. Beim nächsten Mal also. So leert sich die Kabine des VfB Stuttgart zusehends, ohne dass die direkt Betroffenen sich an Erklärungsversuchen des VfB-Rätsels versuchen. Immerhin Ron-Robert Zieler stellt sich den wartenden Journalisten. Der Torwart tut das meistens, was auch daran liegen könnte, dass er nur äußerst selten ein Hauptschuldiger der Stuttgarter Krise ist. Auch am Samstag beim 1:1 gegen den 1.FC Nürnberg gehört er zu den Spielern, denen man auch künftig eine Zugehörigkeit zur ersten Liga zutraut. Das ist bei Weitem nicht bei allen der Fall.

Eine großartige Parade

Es ist ein entscheidendes Spiel. Eines, das den Vorletzten noch weiter vom Drittletzten trennen könnte. Es war eine große Chance für den VfB, die der zu einem mühsamen 1:1 verkommen lässt. Und hätte Zieler kurz vor Schluss nicht großartig gerettet, wäre der Abstand zu einem direkten Abstiegsplatz auf einen Punkt geschmolzen. Von einem „big save zur richtigen Zeit“, spricht der Torwart hinterher. Immerhin das. Ansonsten weiß kaum einer rund um die Suttgarter Fußball-Arena, was dieser Samstag nun wert war.

Es muss sich viel verbessern

Trainer Markus Weinzierl steht nach der Partie im Presseraum des Stadions, umringt von Journalisten. Weinzierl flüchtet nicht, er stellt sich den Fragen. Und spricht davon, dass man in Stuttgart noch „viel aufarbeiten und verbessern“ müsse. Konkreter wird der Trainer nicht. „Wenn wir keine Probleme hätten, stünden wir nicht auf Platz 16“, sagt er.

Es kommt keine Freude auf

Ein Thema spart Weinzierl überraschenderweise fast völig aus. Kurz nach Spielschluss spricht ihm Sportvorstand Thomas Hitzlsperger das Vertrauen für den Rest der Saison aus: „Wir ziehen das jetzt hier durch – gemeinsam.“ Und Weinzierl? Der lässt selbst in diesem Moment keine Freude erkennen. „Wir arbeiten hier gut und zielgerichtet, so machen wir jetzt weiter“, sagt er. Mehr nicht.

Katastrophale Bilanz

Zu groß ist wohl die Enttäuschung über die Stuttgarter Saison. 21 Punkte nach 28 Spielen, das ist eine katastrophale Bilanz. Beim Abstieg in der Saison 2015/2016 hatten die Stuttgarter zum gleichen Zeitpunkt zwölf Punkte mehr. Hoffnung auf ein gutes Ende macht eigentlich nur, dass mit Hannover und Nürnberg zwei noch schwächere Teams am Spielbetrieb von Deutschlands Eliteliga teilnehmen.

Für Nürnberg ist mehr drin

Wobei: Wirklich schwächer sind die Franken am Samstag nicht. Trainer Boris Schommers befindet sogar, dass sich das Unentschieden nach „zwei verlorenen Punkten“ anfühle. Schließlich hatte Matheus Pereira sein Team in Führung gebracht (42.), ehe Kabak noch der Ausgleich gelingt (80.). Gut zwei Minuten dauert es, bis das Schiedsrichtergespann diesen Treffer anerkennt, da wegen eventuellen Abseits das Videobild intensiv studiert werden muss. Nicht auszudenken, wäre den Stuttgartern auch dieses kleine Erfolgserlebnis noch genommen worden.

Leichtigkeit fehlt

„Wir haben aktuell nicht die Leichtigkeit“, sagt Weinzierl. Bei der Tabellenlage ist das nicht überraschend. „In den entscheidenden Situationen hatten wir heute nicht die 100 Prozent Qualität“, so Weinzierl weiter. Direkt angesprochen darf sich wohl Stürmer Mario Gomez fühlen, der in der 45. Minute das leere Tor am Boden liegend verfehlt und kurz vor Schluss freistehend an Nürnbergs Torwart Christian Mathenia scheitert. Das sind Möglichkeiten, die Toptorjäger gerne zur Erhöhung ihres Torekontos nutzen. Gomez aber bleibt weiter bei sechs Treffern stehen.

Ein unglücklicher Mario Gomez: Wenige Meter vor dem leeren Tor kann er den Ball nicht über die Linie schieben. Im LIegen ist das auch nicht gerade einfach.
Ein unglücklicher Mario Gomez: Wenige Meter vor dem leeren Tor kann er den Ball nicht über die Linie schieben. Im LIegen ist das auch nicht gerade einfach. | Bild: Herbert Rudel, Imago

Mutlos ist der Auftritt der Stuttgarter. Spielerisch schwach obendrein. Daran ändert auch der mehrmalige Systemwechsel von Markus Weinzierl nichts. Der Trainer hält immerhin Moral, Willen und Kampfgeist für ausreichend. „Daran kann man sich hochziehen, mehr aber auch nicht“, sagt Weinzierl. Er weiß: Im Heimspiel am Samstag gegen Leverkusen dürfte es damit längst nicht getan sein.