Zweite Liga in Heidenheim, das ist immer auch ein Volksfest und nicht nur ein Fußballspiel. Vor allem dann, wenn der VfB Stuttgart auf der Ostalb spielt. Und weil es sich bei dem Renommier-Club aus der Landeshauptstadt immer noch um einen gefühlten Bundesliga-Club handelt, potenziert ein 2:2 (0:0) gegen den Absteiger den Jubel noch einmal um 100 Prozent. Insbesondere dann, wenn es nach den Stuttgarter Toren von Hamadi Al Ghaddioui (52. Minute) und Holger Badstuber (56.) schon nach einer klaren Niederlage für die Hausherren aussah. Die Mannschaft von Langzeittrainer Frank Schmidt ist aber bekannt dafür, niemals aufzugeben. Die beiden Tore zum Ausgleich durch Robert Leipertz (78.) und Niklas Borsch (83.) krönten aus Sicht der Heidenheimer eine dramatische Schussphase. Für Stuttgarts Trainer Tim Walter und seine Mannschaft muss man das Unentschieden dagegen als herben Rückschlag ansehen.

Walter sagte das zwar nicht, wehrte aber alle Fragen derart unwirsch ab, dass man das 2:2 aus seiner Sicht als Niederlage werten musste. „Ich habe zwei Gesichter meiner Mannschaft gesehen, wir hätten das Spiel schon in den ersten 30 Minuten entscheiden müssen, aber wir schlagen aus guten Phasen einfach zu wenig Kapital. Wir agieren oft viel zu lässig, verlieren zu oft den Ball.“ Sein Gegenüber Frank Schmidt: „Das war ein 2:2 der Mentalität, wir haben nicht die Qualität wie der VfB Stuttgart, aber unsere DNA ist, niemals aufzugeben. Das haben wir über Jahre erarbeitet und heute wieder gezeigt. Kompliment an meine Mannschaft, für mich war das Spiel ein emotionales Spektakel, wie ich es mir vorgestellt habe.“

Badstuber steht in der Startelf und trifft

Walter nominierte wie angekündigt Badstuber in der Innenverteidigung, der auch ohne Fehler blieb. Überhaupt sprach die Anfangsphase nur für den VfB Stuttgart. Die Mannschaft versäumte es lediglich, in Führung zu gehen. Die defensiv enorm stark spielenden Heidenheimer ließen kaum noch weitere Stuttgarter Chancen zu und spielten nun auch mutiger in der Offensive. Zunächst scheiterte der unermüdliche Schnatterer (32.), dann mit einer hundertprozentigen Möglichkeit Dorsch. Kurz vor der Halbzeit vergaben dann nach phasenweise großartigem Kombinationsspiel Leipertz (43.) und Denis Thomalla (43.).

Tim Walter änderte die Formation vor ausverkauftem Haus im zweiten Durchgang nicht. Und das Spiel sprach für die Marschroute des neuen Trainers. Der VfB baute wie im ersten Durchgang großen Druck auf und drängte die Heidenheimer sofort wieder in die Defensive. Daniel Didavi war überzeugender Dreh- und Angelpunkt. Nach einem Eckball von Didavi stand die Heidenheimer Abwehr nicht gut, Al Ghaddioui erwischte den Ball per Kopf und verwandelte unhaltbar zum Führungstor. Als Verteidiger Badstuber vier Minuten später im Nachschuss zum 2:0 traf, schien die Begegnung vorzeitig entschieden.

Heidenheim belohnt sich

Aber nicht in Heidenheim. Frank Schmidt trieb seine Truppe immer wieder in den Angriff. Leipertz traf in der 78. Minute, und danach warfen die Heidenheimer alles nach vorne. Und dann fälschte Kapitän Marc-Oliver Kempf einen Ball von Niklas Dorsch unhaltbar für Torwart Gregor Kobel zum verdienten 2:2 ab. Und trotzdem hatte der VfB noch eine riesige Chance durch die Mateo Klimowicz in der Nachspielzeit, der aus kurzer Distanz aber nur den Pfosten traf.