Der Stuttgarter Auswärtsfluch? Abgehakt, endlich. Der Augsburg-Fluch des VfB? Vergangenheit. Zwei schwarze Serien fanden beim 1:0-Sieg am Sonntag auf einmal ihr Ende. Schön. Gut. Aber darüber wollte beim VfB keiner groß reden.

Es sind drei Punkte mehr auf dem Konto, das vor allem zählte im Bundesliga-Abstiegskampf. Mario Gomez war der Matchwinner, er traf in der 27. Minute. Zehn Zähler Vorsprung sind es nun auf den HSV, auf den ersten direkten Abstiegsplatz. „Das war ganz wichtig für uns“, bilanzierte Sportvorstand Michael Reschke den Erfolg in Augsburg. „Aber der Abstand zum Relegationsplatz, das sind nur vier Punkte. Man darf nicht vergessen: Wir sind noch lange nicht durch.“ 27 Punkte sind kein Ruhekissen. „Die Rechenmaschine muss weiter anbleiben.“

Auch der Trainer schlüpfte nach dem beim VfB lang ersehnten ersten Auswärts-Dreier der Saison in die Rolle des Mahners. „Wir sollten vorsichtig sein mit zu viel Euphorie. Wir sind auf dem richtigen Weg, haben ein paar Steine beiseite geräumt“, sagte Tayfun Korkut. Aber da kommen halt noch andere Brocken. Es ist noch lang bis Saisonende.

Korkut steht jetzt als Erfolgstyp da. Als er den Job des wegen Sieglosigkeit entlassenen Hannes Wolf übernommen hatte, wurde der neue Trainer im Umfeld des VfB sehr kritisch gesehen. Doch in drei Spielen mit Korkut hat die Mannschaft sieben Punkte geholt. Sie wirkt defensiv stabil, kann Ergebnisse über die Zeit bringen, ist taktisch flexibel. Tayfun Korkut versucht nicht im geringsten als Triumphator zu wirken. Bloß kein Übermut. Bloß keine voreiligen Bewertungen. „Bei aller Freude müssen wir schauen, dass wir dranbleiben.“

Mario Gomez hatte den anfangs zurückhaltend agierenden VfB in der 27. Minute in Führung gebracht. Es war ein Rechtsschuss aus 15 Metern, nachdem ein Freistoß von Erik Thommy in der Augsburger Abwehrmauer gelandet war. Der vermeintliche Ausgleichstreffer des FCA galt dann nicht. Schiedsrichter Tobias Stieler nahm das Tor in der 37. Minute zurück. Video-Assistent Christian Dingert hatte zu Recht eine Abseitsstellung des Torschützen Michael Gregoritsch signalisiert.

In der 65. Minute wäre eigentlich das Stuttgarter 2:0 fällig gewesen. Ganz allein stand Mario Gomez nach einem perfekten Querpass seines Sturmpartners Daniel Ginczek vor Torwart Marvin Hitz – und vergab die Riesenchance. Hitz hielt. In der 76. Minute schoss Ginczek knapp am Augsburger Tor vorbei. Der VfB verschenkte mehrfach Konterchancen.

So blieb es beim Treffer des Tages durch Mario Gomez. „Da sieht man seine Qualität“, sagte der Augsburger Trainer Manuel Baum über die Szene, als Gomez kühl knipste. Der Torjäger war ein paar Tage lang von einer Erkältung geplagt worden und deshalb nicht optimal vorbereitet in die Partie gegangen. Aber in den drei Korkut-Spielen des VfB schoss er zwei der drei VfB-Tore und bereitete einen Treffer vor. Er will zur WM. Er setzt Akzente. „Joachim Löw weiß, was ich kann, auch für den Fall, dass er mich als Joker mitnimmt“, hatte Gomez vor der Partie gesagt.

Die Spieldaten

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