Stellen Sie sich vor, es ist Schulanfang. Sie haben hohe Erwartungen an Ihren Sprössling, der vergangenes Jahr nach der Versetzung in die Oberstufe zunächst erhebliche Probleme hatte, dann aber zu den Klassenbesten zählte. So soll es nun auch weitergehen.

Doch was passiert? Die ersten drei Prüfungen vermasselt der Junior hochkant, die letzte davon mit einem glatten „UNGENÜGEND“. Bei 32 noch ausstehenden Prüfungen muss das noch nichts bedeuten, aber wahrscheinlich bekäme der Nachwuchs die erste Standpauke zu hören.

Die missratenen Prüfungen des VfB Stuttgart

Der Schüler ist der VfB Stuttgart, die missratenen Prüfungen sind das DFB-Pokalaus, die 0:1-Auftaktniederlage in Mainz und die glatte 6 ist das 0:3 gegen die Bayern am Samstagabend.

„Es schmeckt uns natürlich nicht, wie wir gestartet sind“, gestand VfB-Trainer Tayfun Korkut danach, für den es die erste Heimniederlage seit seinem Amtsantritt im Januar war.

Kader deutlich verstärkt

Eigentlich haben sie sich ja schon wieder in ganz anderen Sphären gesehen, die Fans des VfB Stuttgart. Nach der starken Rückrunde war der Kader deutlich verstärkt worden, vor allem in der Offensive erwarteten alle Beteiligten eine neue Qualität. Stattdessen haben die Schwaben als einzige Mannschaft im Oberhaus in ihren bisherigen Pflichtspielen noch keinen einzigen Treffer erzielt.

Gegen die Bayern gelangen vier Torschüsse, von denen allerdings keiner über die Torlinie hätte gelangen können, weil sie allesamt den Kasten von Manuel Neuer verfehlten oder geblockt wurden. Dass zwei davon Dennis Aogo zugeschrieben wurden, also einem Abwehrspieler, spricht auch nicht für die Stuttgarter Kreativkräfte im Mittelfeld und Angriff.

"Bayern kein Maßstab"

Sportdirektor Michael Reschke warnte dennoch davor, die falschen Rückschlüsse zu ziehen, schließlich sei der Gegner für die Schwaben kein Maßstab, denn die „Bayern werden dieses Jahr, nächstes Jahr und übernächstes Jahr die Meisterschat holen“.

Gut, für solche Prognosen bekommt man jetzt nicht den Nostradamus-Gedächtnispreis, dafür sollten Prognosen – gleich welcher Art – schon etwas weniger naheliegend sein. Aber es war neben der starken Vorstellung des deutschen Rekordmeisters eben vor allem die schwache Leistung der Mannschaft von Tayfun Korkut, die das einseitige Spiel ermöglichte.

Missratene Saisonstarts sind keine Seltenheit für den VfB

Mario Gomez, der einem fast schon leidtun konnte während der 90 Minuten zuvor, weil sich bei den Schwaben einfach niemand finden ließ, der mit ihm offensive Akzente setzen wollte, wollte nicht alles Schwarz oder Weiß sehen: „Wir müssen objektiv bleiben.“

Missratene Saisonstarts sind in Stuttgart ja auch keine Seltenheit. Und bis zum 0:1, das der überragende Leon Goretzka in der 37. Minute erzielte, waren die Gastgeber zwar fahrlässig mit ihren Konterchancen umgegangen, aber zumindest bissig in der Verteidigung gewesen. Dass die Partie nach dem Gegentreffer fast schon gelaufen war, ahnte wohl Gonzalo Castro, der mit dem Pausenpfiff den Ball wutentbrannt vom Platz schoss.

Wer nicht aufs Tor schießt, kann nicht treffen

Wer nun offensivere Gastgeber erwartete, wurde enttäuscht. Wer nicht auf das Tor schießt, kann auch nicht treffen. Die Bayern kombinierten dagegen phasenweise nach Belieben. Beim 0:2 (62.) legte Goretzka das Spielgerät nach Pass von Thomas Müller perfekt für Robert Lewandowski vor, der sicher einschob. Und beim 0:3 (76.) machte der Pole dann per Hacke die Vorarbeit, vollenden durfte Thomas Müller. Weitere Torchancen ließ die Mannschaft von Niko Kovac ungenutzt, sodass die Niederlage für den VfB noch moderat ausfiel.

Eine Tabelle mag nach dem zweiten Spieltag noch wenig Aussagekraft haben, Schlusslicht möchte trotzdem keine Mannschaft sein. Die Schwaben gehen mit der Roten Laterne in die Länderspielpause. Danach geht es zum SC Freiburg, ehe Fortuna Düsseldorf erwartet wird. Spätestens dann sollten erste Erfolge jenseits von „stets bemüht“ erzielt werden. Ansonsten ist ein weiteres Jahr in dieser Klasse tatsächlich in Gefahr.