Traumstart für Sebastian Vettel in die entscheidende Phase der Formel-1-Weltmeisterschaft: Beim Großen Preis von Belgien fährt der Ferrari-Pilot einen ungefährdeten Sieg ein. Lewis Hamilton wird im Mercedes Zweiter vor Max Verstappen und verliert sieben Punkte seines Vorsprungs im Titelduell. Der liegt bei ausstehenden acht Rennen nur noch bei 17 Zählern. Hat Vettel damit den Lauf des Champions gestoppt?

Nach dem 52. Sieg seiner Karriere denkt der Heppenheimer nicht an seine elf Sekunden Vorsprung oder an den WM-Stand, sondern an die Geschichtsbücher: „Ich habe jetzt einen Sieg mehr als Alain Prost, oder?“ Stimmt. Vettel ist jetzt allein die Nummer drei der ewigen Bestenliste. Mit bester Laune stimmt er schon im Cockpit ein italienisches Liedchen an, seine Augen blitzen auch endlich wieder. „Du bist ein Hammer“, jubelt Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene dem Tagessieger zu, der auch die deutsche Hymne mitsingt.

Das erste Drama des Tages hat nichts mit der Spitze zu tun, sondern mit dem Ende – im doppelten Sinn. Nico Hülkenberg, der wegen eines neuerlichen Motorwechsels an seinem Renault von hinten starten musste, kommt mit reichlich Schub auf die Haarnadelkurve zu und knallt voll ins Heck von Fernando Alonso. Dessen McLaren wird angehoben und fliegt quer über den Sauber von Charles Leclerc – eine Bewährungsprobe für den Cockpitschutz Halo. Ein spektakulärer Crash, aber keinem passiert was. In der Folge werden auch die Rennen von Daniel Ricciardo und Kimi Räikkönen zerstört. Alonso sarkastisch: „Hülkenberg sollte das nächste Mal drüber nachdenken, ob er nicht doch vor der ersten Kurve bremst. Es war ein Riesenfehler von ihm.“

Wie man perfekt hinter dem Steuer agiert, führt Sebastian Vettel vor. Wie schon bei seinem Sieg in Silverstone startet er vom zweiten Platz neben WM-Tabellenführer Lewis Hamilton. Und weiß, dass es nur eine Taktik für ihn gibt: „Wir müssen auf jeden Fall irgendwie vorbei. Ich glaube, dass wir das Tempo haben.“ Im Vorjahr war das schief gegangen. Diesmal läuft es besser, viel besser. Vettel kommt gut weg, in der Haarnadel ist er schon auf gleicher Höhe, bergab bekommt sein Ferrari so viel Schwung und Batterieleistung, dass es Eau Rouge hinauf dazu reicht, Hamilton aus dem Windschatten heraus zu überholen und sich an die Spitze zu setzen – Bruchteile bevor wegen des Startcrashs das Safety-Car ausrücken muss.

„Es war ein Superstart, Lewis hat mich dabei weit nach links gedrängt. Aber ich wusste, meine Chance kommt“, sagt Vettel über die entscheidende Szene des Rennens, „danach bin ich sauber rausgekommen. Letztes Jahr hat es nicht gereicht, diesmal habe ich es besser gemacht. Danach konnte ich das Rennen kontrollieren.“ Hamilton mault über die trickreichen Vorteile, die sich Ferrari im Rennen der Ingenieure verschafft hat, aber das ist wohl die Enttäuschung: „Ich habe alles getan, was ich konnte. Ich hatte auf der Gerade nichts entgegenzusetzen, als Sebastian vorbeigezogen ist, als ob ich gar nicht da gewesen wäre.“ Den Trick, der am besten funktioniert hat, verrät Vettel gern: „Wir sind mit viel weniger Flügel gefahren.“ Dementsprechend darf der neue Ferrari-Aerodynamikchef David Sanchez mit aufs Podium.

Mit dem guten Timing geht es beim Heppenheimer auf den längsten Runden des Rennjahres so weiter. Ferrari hat auch etwas gut zu machen, in der chaotischen Regen-Qualifikation waren Reifen, Abstimmung und Batterieladung alles andere als optimal gewesen. Als der 13. WM-Lauf wieder frei ist, behält Vettel erneut die Nerven, Hamilton greift zu früh an, ist schon breit im Rückspiegel des Ferrari zu sehen, dann zieht der Herausforderer wieder souverän davon. Bleibt nur noch eine Möglichkeit für die Silberpfeile – ein so genannter Undercut, den Gegner mit einem Boxenhalt überraschen. Nach der Hälfte der 44 langen Runden in den Ardennen ist es so weit, Mercedes legt einen Super-Stopp hin. Aber als Vettel umgehend nachzieht, hat er wieder mit einer Sekunde die Fahrzeugnase vorn. Von da an fährt er ungefährdet seinem fünften Saisonsieg entgegen.

Das Tempomessen von Hamilton und Vettel sowie deren Motoren-Upgrades geht schon am Wochenende mit dem Ferrari-Heimspiel in Monza weiter. Im Hochgeschwindigkeitstempel sind die Roten wieder Favorit, nachdem Mercedes auf den Geraden von Spa langsamer war als Ferrari. Für Sebastian Vettel und die deutschen Formel-1-Fans ist aber schon heute ein wichtiger Tag, möglicherweise wird der Große Preis von Deutschland wieder in den Kalender für 2019 aufgenommen, nachdem das Gastspiel in diesem Jahr ein so großer Erfolg war.