Der FC Bayern München nimmt am Samstag zum fünften Mal in Serie die Meisterschale entgegen. Super! Super? Der FC Bayern München bekommt aus dem neuen Fernsehvertrag (1,16 Milliarden Euro jährlich für die 36 Erst- und Zweitligisten) alleine 99,06 Millionen per anno. Das ist mehr denn je und passt zu den anderen finanziellen Rekordwerten (Ausrüstervertrag, Trikotwerbung, Stadionvermarktung) des Branchenführers. Super! Super?

Beim FC Bayern München gibt es acht Spieler, die mehr als 10 Millionen Euro jährlich verdienen, und sieben weitere, die zwischen fünf und zehn Millionen kassieren. Super! Super?

Ja, all das Genannte ist super für den FC Bayern – selbst die üppigen Saläre für die Kicker, denn diese implizieren, dass da Hochkaräter am Ball sind. Aber ist es auch super für die Bundesliga?

Ist es nicht. Dass die Bayern Dauermeister sind, gefällt niemandem und wird ja selbst vom eigenen Anhang als Pflichterfüllung empfunden. Das Double mit dem DFB-Pokalsieg weckt bei den FCB-Fans ersten Zusatzreiz, aber alleine das Triple mit dem Champions-League-Gewinn als Krönung ist geeignet, für Begeisterung zu sorgen. Die Häme, die den Münchnern widerfährt, wenn sie von Borussia Dortmund aus dem Pokal befördert werden, ist nichts anderes als Ausdruck der Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen. Aber Mütchen kühlen hilft nicht, denn wenn die Bayern dann auch in der Königsklasse nicht reüssieren, bedeutet das am Ende nur eines: Sie investieren weiter in den Kader und die Bundesliga bleibt erst recht öde an der Spitze.

Es gibt seit Kurzem den Verein FC PlayFair. Dessen Gründer beklagen die ausufernde Kommerzialisierung des Profifußballs. Für die „Situationsanalyse Profifußball 2017“ wurden 17 330 Fans online befragt und zusätzlich Interviews geführt. Interessant ist, dass zwei Drittel der Probanden die Vermarktung von Fußballclubs für „notwendig“ halten. Um ewige Nostalgiker, die ihre Helden gerne wieder in Baumwolltrikots stecken würden, handelt es sich also nicht. FC PlayFair-Vorstand Claus Vogt präzisiert: Profitoptimierung ja, stetige Profitmaximierung nein. Genau letzteren Eindruck aber erweckt die Bundesliga.

Durch den neuen TV-Vertrag kommt noch mehr Geld ins Spiel, das falsch verteilt wird. Viel zu viel geht an Spieler und ihre Berater. Der Außenstehende ist entsetzt, aber auch in Fankreisen ist die Meinung längst mehrheitsfähig, dass es vor allem um die Kohle geht. Und warum strömen dann trotzdem die Massen in die Stadien? Die Antwort ist banal, aber gut. Weil es ein Fußballleben jenseits von Mammon und Langeweile ganz vorne gibt. Wenn der eigene Club den Einzug ins internationale Geschäft schaffen kann oder aber gegen den Abstieg kämpft – dann treten finanzielle Aspekte in den Hintergrund, geht es um Emotionen und nicht um Verstand, ums persönliche Wohl und nicht ums große Ganze. Nur so erklärt es sich, dass 17 Bundesligisten einen Zuschauerschnitt haben, der höher ist als die Kalkulation vor Saisonbeginn – die Bayern konnten gleich alle Heimspiele als „ausverkauft“ ansetzen. Und nur so erklärt sich, dass der Umsatz der 18 Erstligaclubs erstmals über drei Milliarden Euro liegt.

Spannung? Die Finanzoptimierer halten nichts von einer ausgeglichenen Bundesliga. Sie sehen darin das Merkmal eines schwachen Wettbewerbs. Nur deshalb sei möglich, dass immer wieder Außenseiter wie Augsburg, Mainz oder Freiburg die Europa-League-Ränge erreichen. Die könnten, lästern die Profitgeier, dort viel fürs eigene Prestige tun, aber kaum etwas für das mit Blick auf die Auslandsvermarktung wichtige Ansehen des deutschen Fußballs.

Schlecht? Nein, super! Wenn schon an der Spitze nichts vom Hocker reißt, dann bitte in allen anderen Tabellenregionen. Das ist der wahre Wert der Liga, der goutiert wird von der Mehrheit der Fans. Oder andersherum: 51,4 Prozent der Befragten gaben an, sich früher oder später vom Profifußball abzuwenden, sollte die Kommerzialisierung im jetzigen Stil weitergehen.