Auch zum Springreiten gehört Taktik. Das hat das Stechen beim Großen Preis in Donaueschingen deutlich gezeigt. Hans-Dieter Dreher geht als Letzter des Finales in den Parcous. Fünf Reiter sind zuvor im ersten Umlauf ohne Fehler geblieben, sie kämpfen um den Sieg. Dreher hat die Konkurrenz beobachten können. Keiner war im Stechen ohne Fehler geblieben. Erica Swartz aus Schweden ebenso wenig wie der Belgier Gilles Dunon, der Deutsche Holger Hetzel und der Schweizer Martin Fuchs. Dreher also weiß: Er muss es mit dem Tempo nicht übertreiben. Die ersten drei Sprünge geht der Reiter aus Eimeldingen forsch an. Dann merkt er, dass sein Pferd Embassy an diesem Tag sehr sprungsicher ist. Also nimmt er das Tempo raus und geht auf Sicherheit. Die Taktik zahlt sich aus. Null Fehler, der Sieg ist dem 46-Jährigen sicher. Wie schon 2017 triumphiert Dreher beim Großen Preis in Donaueschingen.

Und wie schon vor einem Jahr darf er den Ehrenpreis in Form eines Autos mitnehmen. Er sagt: „Es war ein tolles Gefühl, als ich gewonnen hatte. Vor allem freut es mich, dass es mir ein zweites Mal mit Embassy gelungen ist“. Das Pferd ist schon 17 Jahre alt und war über ein Jahr verletzt. Umso erstaunlicher, wie stark es sich zurückgemeldet hat. Auch Martin Fuchs, der Topreiter aus der Schweiz, muss den verdienten Sieg von Dreher anerkennen. Er meint aber auch: „Ich hätte gerne gesehen, wie Hansi meine Zeit knacken will.“ Fuchs hatte starke 41,28 Sekunden im Stechen vorgelegt, war allerdings nicht ohne Fehler geblieben. Einmal hatte er gepatzt, so blieb für ihn am Ende Rang zwei. Und ein bitteres Gefühl. „Es ist ein schwer, ein gutes Gefühl zu haben, wenn der Erste ein Auto gewinnt und der Zweite nur noch 8000 Euro“, sagt der Schweizer.

49 000 Zuschauer sind an den vier Tagen in den Donaueschinger Schlosspark gekommen. Vor einem Jahr waren es 44 000 gewesen, der Termin im August also ist nicht so schlecht, wie mancher befürchtet hatte. Trotz Ferien sind die Zuschauer zahlreich gekommen. Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zeigt sich angetan. „Ich hatte schon viel von Donaueschingen gehört. Und ich muss sagen: Meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.“ Von der Leyen ist Pferdefan und damit in Donaueschingen bestens aufgehoben.

Auch Dreher darf sich über Glückwünsche von ihr freuen. Und über tosenden Applaus des Publikums. Mehrere Ehrenrunden muss sein Pferd Embassy noch aushalten, ehe es endlich zurück in den Stall darf. Für die Weltreiterspiele, für die Dreher als Ersatzmann vorgesehen ist, wird er Berlinda mit in die USA nehmen.