War Föhn über München oder ein Weißbier zu viel? War die Stadionwurst schlecht oder der Salat vom Edelcaterer? Das eine kann den Kopf verwirren, das andere für Magengrimmen sorgen – und alles ist geeignet, einen gut gelaunten Menschen in einen Griesgram zu verwandeln. Wenn es sich dabei freilich um Uli Hoeneß handelt, kann man das getrost vergessen.

Honeß hat Patente auf Sturheit und Rechthaberei

Der Noch-Präsident des FC Bayern hat sozusagen die Patente auf verbales Poltern, Sturheit und Rechthaberei. Sein Auftritt vom Mittwochabend in der Münchner Allianz-Arena zum Thema Torwartstreit in der Nationalmannschaft hat das mal wieder deutlich gezeigt.

Aus Sicht von Hoeneß der einzig Gute, der Allerbeste? Manuel Neuer, Schlussmann beim FC Bayern, der Mann, dem eine Einsatzgarantie im Nationaldress zu geben ist. Der Maßlose, der Unverschämte? Marc-André ter Stegen, Keeper beim FC Barcelona, der Mann, der froh sein soll, dass er als Nummer zwei der Torhüter dabei sein darf. Der Zauderer, der Schwächling? Bundestrainer Joachim Löw, der gefälligst oft und laut sagen soll, dass nur Neuer die Nummer 1 sei. Die Drückeberger, die Rückgratlosen? Allesamt beim DFB, außer Löw auch noch Nationalelfmanager Oliver Bierhoff und Interimspräsident Rainer Koch. Alle hätten sie Neuer den Rücken stärken sollen und keiner habe es getan.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Treulosen und die Schlafmützen? Alle Medienvertreter im süddeutschen Raum, die sich nicht für Neuer ins Zeug werfen, wo doch die westdeutsche Presse den ter Stegen ganz stark unterstütze. Sauerei, Frevel, Verrat – aber nicht mit ihm, nicht mit Uli Hoeneß, der wird den Duckmäusern jetzt „ein bissel Feuer geben, das können wir“.

Feuer geben? Der, für den sich Hoeneß dermaßen ins Zeug geworfen hat, hält gar nichts davon. Er sei kein Mensch, der Debatten führe, sagt Manuel Neuer. Er wolle auch keinen Streit mit ter Stegen, zu einem Gespräch mit dem Bundestrainer und dem Kollegen sei er bereit, wenn Löw das wolle, es müsse aber gar nicht unbedingt sein.

Ter Stegen war für die WM 2018 topfit, Löw wählte trotzdem den angeschlagenen Neuer

Gut so, denn gerade Manuel Neuer darf sich nicht beklagen. Hatte doch der Bundestrainer vor der WM 2018 gerade an seiner Person das Leistungsprinzip ad absurdum geführt. Neuer war verletzt, ter Stegen in Topform, aber Löw wartete und wartete, bis dann ein keineswegs hundertprozentig fitter Neuer die Nummer 1 in Russland wurde. Damals hatte sich Uli Hoeneß natürlich nicht beschwert, wiewohl diese Entscheidung Löws falsch war, wie so etliche andere auch noch.

Jetzt sind beide Torhüter stark, in Form, Spitzenklasse. Dass Neuer spielt, ist akzeptabel, dass ter Stegen auch gerne mal ran will, nachvollziehbar. Also: Kirche im Dorf lassen. Hoeneß und die im Nörgler-Chor etwas leiser mitsummenden Rummenigge und Salihamidzic grummeln lassen. Und zu wichtigeren Themen übergehen mit der Erkenntnis, dass es gut ist, wenn für Uli Hoeneß im November der letzte Vorhang als Bayern-Präsident fällt.