Die Welt steht derzeit Kopf. Das öffentliche Leben wird wegen der Coronavirus-Pandemie weitgehend eingeschränkt, der Profisport steht still. Nur die Olympischen Spiele in Tokio lassen sich von den aktuellen Ereignissen nicht erschüttern – sie sollen nach Willen der Verantwortlichen ungeachtet zunehmender Kritik wie geplant im August dieses Jahres stattfinden.

„Suboptimale“ Trainingsbedingungen

Für die Sportler ist dieser Zustand kein leichter, wie auch Bahnrad-Profi Domenic Weinstein zugibt. Der in Villingen-Schwenningen geborene Sportler kämpft mit Problemen vor Olympia. „Aktuell kann ich ja noch draußen fahren“, sagt Weinstein, „doch schon das Krafttraining ist schwierig, da die Fitnessstudios geschlossen sind“, berichtet der Bahnrad-Profi von seinem Alltag.

Domenic Weinstein
Domenic Weinstein | Bild: dpa

Als „suboptimal“ beschreibt er die Trainingssituation diplomatisch. Gespannt verfolgt auch er täglich die Nachrichtenlage zu Olympia. Die Unsicherheit, was im Sommer auf die Sportler zukommt, habe schon erste Auswirkungen. Es sei schwer, „sich im Training zu quälen“, wenn man nicht wisse, ob man am Ende antreten darf, berichtet der Schwarzwälder.

Wegbleiben ist keine Option

Dass er bei einem planmäßigen Start der Olympischen Spiele im Sommer mit dem deutschen Bahn-Vierer in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung antreten wird, steht für den 25-Jährigen jedoch außer Frage. „Hinfahren werde ich auf jeden Fall.“ Nur danach, zurück in der Heimat, würde er den Kontakt zu Freunden und Familie erst einmal vermeiden. Der Gang in die Selbstisolation – zur Sicherheit. Doch was würde den Schwarzwälder in Tokio überhaupt erwarten, sollen die Spiele zum ursprünglichen Termin stattfinden? Ein Wettkampf vor leeren Rängen?

Der Bahn-Vierer aus Deutschland, bestehend aus Theo Reinhardt (l-r), Felix Groß, Nils Schomber und Domenic Weinstein – hier bei der Weltmeisterschaft in Berlin im vergangenen Februar.
Der Bahn-Vierer aus Deutschland, bestehend aus Theo Reinhardt (l-r), Felix Groß, Nils Schomber und Domenic Weinstein – hier bei der Weltmeisterschaft in Berlin im vergangenen Februar. | Bild: dpa

Gerade für Sportarten wie Bahnrad wäre das sehr schade, erklärt Weinstein. Bahnrad finde nicht oft vor vollen Rängen statt, erzählt er. „Bei den Topevents wie Olympia kommen viele Zuschauer in die Halle, da fällt dann schon etwas weg.“ Und dennoch sei es verschmerzbar: „Man übt den Sport für sich selbst oder das Team und nicht unbedingt wegen den Zuschauern aus.“

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Froh ist der Schwarzwälder, dass die Qualifikation im Bahnrad bereits abgeschlossen ist. „Wir sind in der glücklichen Situation, dass bei uns alles durch ist.“ Es sei schon „extrem ärgerlich“, wenn jetzt noch, wie bei anderen Sportlern, Qualifikationen ausstehen. Im Gegensatz zu anderen Disziplinen wie zum Beispiel den Straßenläufern, bei denen der Coronavirus für die Absage von qualifikationsrelevanten Marathons gesorgt hat, konnten sich die deutschen Bahnradprofis das Ticket für Tokio bereits ziehen.

„Es gibt Wichtigeres als Sport“
Domenic Weinstein

Doch auch wenn der Bahnradprofi jetzt trotz der Ungewissheit über den Termin weiter trainiert und versucht, fokussiert die Olympischen Spiele in Tokio anzugehen, weiß er, dass Olympia trotz aller Vorbereitung nur ein Event ist. „Die Sportler richten ihr komplettes Leben nach dem Sport“, weiß Weinstein. „Doch Sport ist nicht lebenswichtig. Ich würde gerne meine zweiten Olympischen Spiele bestreiten, aber wenn es jetzt abgesagt oder verschoben wird, dann ist es so“, sagt der 25-Jährige und fügt hinzu: „Es gibt eben auch Wichtigeres als Sport.“