Timo Werner ist immer noch schwer beeindruckt von den letzten Minuten der Begegnung gegen Schweden bei der Fußball-Weltmeisterschaft. „Es war ungeheuer emotional, wir waren eigentlich ausgeschieden, dann der Freistoß, die Hoffnung auf eine Chance und dann trifft Toni Kroos, unglaublich, ich habe mich einfach nur noch gefreut, Tränen verdrückt und bin nach hinten gerannt, um beim Verteidigen zu helfen, damit nicht doch noch ein Tor für die Schweden fällt“, erzählt der 22 Jahre alte Angreifer, als spüre er die letzten Momente im Olympiastadion von Sotschi immer noch am ganzen Körper. Das Nachwirken der Emotionen, nicht nur die der letzten Minuten der Begegnung.

„Bei einer Weltmeisterschaft in ein Stadion einzulaufen, ist großartig, ich kenne die Bundesliga, die Champions League, aber eine Weltmeisterschaft, das ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen“, sagt Werner, der inzwischen zu einem wichtigen Faktor in der Formation von Bundestrainer Joachim Löw geworden ist. Und sicher auch gegen Südkorea in der Startformation stehen wird.

Seine Geschwindigkeit, seine technischen Fertigkeiten, seine Torgefahr, Timo Werner hat sich in einer Weise entwickelt, wie das der ehemalige Sportdirektor des VfB Stuttgart, Fredi Bobic, immer vorhergesehen hat. Und dann seinen entscheidenden Fehler machte. Bobic stattete den 18 Jahre alten Newcomer damals mit einem Vier-Jahres-Vertrag aus, druckte T-Shirts mit Werners Konterfei, überfrachtete Werner mit seinen eigenen Wünschen und den wahrscheinlichen Perspektiven des Spielers. Bobic und der VfB überforderten Timo Werner völlig. Der Wechsel zu RB Leipzig war die notwendige und Karriere rettende Konsequenz. Werner überzeugt nicht nur auf dem Platz, inzwischen auch in seiner eigenen Art der Kommunikation. Werner erzählt von seinen Eindrücken. „Es ist meine erste Weltmeisterschaft. Einen Torwart wie Manuel Neuer zu erleben, seine unglaubliche Präsenz, seine Abgeklärtheit und seine Gelassenheit selbst in schwierigsten Situationen, das finde ich beeindruckend“, sagt Werner.

Und das Zusammenwirken von Weltmeistern und den Newcomern scheint besser zu funktionieren, als die Öffentlichkeit glaubt. „Egal, ob Weltmeister oder Confed Cup-Sieger, jeder von uns kann zu einem entscheidenden Faktor in unserem Spiel werden.“ Im Spiel gegen Mexiko habe das noch nicht funktioniert, „die Kritik war sicher berechtigt“. Aber jetzt. Werner träumt von einem ersten Tor bei der Weltmeisterschaft, aber „so lange wir gewinnen, ist es mir egal, wer die Tore erzielt. Wichtiger ist für mich das Gefühl, dabei zu sein, eine Rolle zu spielen, ich möchte das möglichst in Russland noch fünf Mal erleben.“

Und deshalb ist er sicher, dass „wir gegen Südkorea gewinnen und uns für die nächste Runde qualifizieren, wenn wir unser Spiel durchziehen können. Nicht nur wir, auch andere große Nationen haben bei dieser Weltmeisterschaft Startschwierigkeiten. Außer Kroatien habe ich noch keine Mannschaft gesehen, die aktuell total überzeugt. Es gibt inzwischen keine Mannschaft mehr, die international nicht in der Lage wäre, hochklassig zu verteidigen. Es kommt auf andere Dinge an, die den Unterschied ausmachen.“

Timo Werner zum Beispiel, der international noch nicht wirklich wahrgenommen worden ist. Er erlebt seine erste Endrunde wie Marco Reus. Klar, dass Werners Meinung zu Reus hoch ist. Marco Reus, der Neuling im reiferen Alter, spielt den Ball zurück: „Timo hat gezeigt, was mehr Speed in unserem Spiel ausmacht, er ist eine Waffe.“ Reus hält das 2:1 gegen Schweden für „die Initialzündung“. Die positive Stimmung ist zurück beim Weltmeister, die „Mission Titelverteidigung“ läuft weiter.