Simon Terodde war mit den Kräften am Ende. Enttäuscht, niedergeschlagen, fertig. „Wir haben uns so viel vorgenommen, und dann das. Wenn wir jetzt nicht in Bremen gewinnen, dann wird es verdammt schwer“, sagte der Kölner Torjäger nach der 2:3 (1:2)-Niederlage gegen den VfB Stuttgart. Wenige Meter entfernt jubelte Mario Gomez über den Sieg, der vermutlich den Weg zum Klassenerhalt ebnet. Der Nationalstürmer, in der Winterpause vom VfL Wolfsburg zum VfB Stuttgart gewechselt, entschied das Spiel mit zwei Treffern kurz vor der Halbzeitpause. „Ich lege mich jetzt fest, mit den direkten Abstiegsplätzen haben wir in dieser Saison nichts mehr zu tun“, sagte Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke. „Wir brauchen noch vier, fünf Punkte, und ich bin sicher, dass wir die in neun Spieltagen noch holen werden.“

Das Duell der Torjäger ist schon nach dem 25. Spieltag entschieden. Mario Gomez trifft. Und Simon Terodde nicht. Andreas Beck markierte das dritte Tor der Stuttgarter, für die Kölner trafen Claudio Pizarro (7. Minute) und der eingewechselte Milos Jojic per Freistoß (86.). Der 1. FC Köln kann nach dieser Niederlage vermutlich für die 2. Liga planen. Der Aufwind des Sieges in Leipzig nutzte nichts gegen die gnadenlose Effektivität des VfB Stuttgart. Kölns Geschäftsführer Armin Veh hatte schon vor dem Spiel gesagt: „Wir haben momentan keine leichten und keine schweren Gegner, wir müssen jedes Spiel gewinnen, wenn wir noch eine Chance haben wollen. Und wir glauben weiter an unsere Chance.“ Tayfun Korkut vertraute auch in Müngersdorf seiner bewährten Startformation. Mit Claudio Pizarro in der Startformation zeigten die Kölner von Beginn an, was sie sich gegen den Wiederaufsteiger vorgenommen hatten. Viel zu tun für die Stuttgarter Innenverteidiger, und sie erlaubten sich Fehler. Zwangsläufig kam der Tabellenletzte zu Chancen im Minutentakt. Nach einem katastrophalen Fehler von Insua erzielte Pizarro den Führungstreffer schon in der 7. Minute, Torwart Ron-Robert Zieler war chancenlos. Den Stuttgarter gelang es nie, ein konstruktives Angriffsspiel aufzuziehen, zu hoch war die Fehlerquote im Passspiel. Und auch in den Zweikämpfen waren die Kölner wesentlich effektiver. Michael Reschke nach dem Spiel: „Der 1. FC Köln der ersten 42 Minuten bleibt in der Bundesliga.“

Die Kölner blieben überlegen, vier Minuten später eine Großchance für Simon Terodde nach einem weiteren istschweren Fehler von Badstuber. Korkut zog ihn danach in die Abwehr zurück, der VfB verteidigte fortan mit fünf Akteueren auf einer Linie. Trotzdem fiel in der 37. Minute nach einem Zweikampf mit Torwart Zieler durch Yuya Osako das 2:0 für den FC, Schiedsrichter Sören Storks reagierte aber auf den Protest des Weltmeisters. Videoassistent Günter Perl entschied auf Foulspiel, kein Tor für den FC. In der 45. Minute dann der zweite durchdachte VfB-Angriff, Thommy ließ Marco Höger auf der rechten Angriffsseite aussteigen, passte flach und präzise in die Strafraummitte, dort stand Mario Gomez mutterseelenallein und traf zum Ausgleich. Es kam noch ärger für die Kölner. In der Nachspielzeit versuchte es erneut Gomez aus der Drehung in der Strafraummitte. Kölns Torwart Timo Horn machte den ersten folgenschweren Fehler der Saison und ließ den Ball passieren, Führung für den VfB Stuttgart. Effektiver kann man nicht mehr Fußball spielen, drei Chancen, zwei Tore. Und die Kölner schauten trotz Dauer-Überlegenheit in die Röhre. Armin Veh: „Es ist wirklich brutal, so ein Spiel zu verlieren. Kein Vorwurf an die Mannschaft.“