Das Spiel mit der Öffentlichkeit kann Lindsey Vonn. Sie zelebriert es, stellt sich zur Schau. Die US-amerikanische Skirennläuferin weiß sich und ihre Leistung zu vermarkten. Das hat sie vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen bewiesen, als sie eine bewegende Pressekonferenz nach dem Tod ihres Großvaters gab. Mit Tränen inklusive. Das zeigt sie immer wieder, wenn sie sich zusammen mit ihrem Hund Lucy zeigt. Bei Pressekonferenzen, beim Gassigehen oder wie gestern nach dem letzten Rennen ihrer Karriere. In einen rosa Mantel hatte Vonn Lucy gesteckt und gleich nach dem Rennen auf den Arm genommen. Ihr geliebter Hund sollte bei einem ganz besonderen Moment einfach dabei sein. Nicht allen gefällt allerdings Vonns Art.

Natürlich durfte in Schweden auch Lindsey Vonns Hund Lucy nicht fehlen.
Natürlich durfte in Schweden auch Lindsey Vonns Hund Lucy nicht fehlen. | Bild: Jonathan Nackstrand, dpa

Jetzt ist es vorbei. Lindsey Vonn, die 34-jährige Ausnahmefahrerin, hat sich vom alpinen Rennsport verabschiedet. Standesgemäß. Bronze in der Abfahrt, das ist ein Ende, das sich Vonn gefallen lässt. „Ganz ehrlich, das ist das perfekte Ende meiner Karriere“, sagt sie und strahlt. Mal wieder war sie bestens vorbereitet gewesen. Sie hatte all ihre zehn zuvor geholten Medaillen bei Großereignissen mit nach Are gebracht. Weitsicht nennt sich das wohl.

Natürlich atte Lindsey all ihre Medaillen von Großereignissen mitgebracht.
Natürlich atte Lindsey all ihre Medaillen von Großereignissen mitgebracht. | Bild: Michael Kappeler, dpa

Vonn hat das Skifahren geprägt. Mit ihren Leistungen, keine Frage. Aber auch mit ihrer schillernden Art. So war die Slowenin Ilka Stuhec, die gestern Weltmeisterin geworden war, nur eine von vielen Statistinnen, die sich in die Schar der Gratulantinnen einreihte. Ebenso wie Viktoria Rebensburg, die das Rennen als Elfte beendete. Sogar der Schwede Ingemar Stenmark, dessen 86 Siege im Weltcup Vonn jahrelang jagte und den Rekord am Ende doch nicht erreichte, ließ sich für Fotos herumkommandieren. Vonn hat es nun auf 82 Weltcup-Siege gebracht.

Den Rekord von Ingemar Stenmark (links) hat Lindsey Vonn verpasst.
Den Rekord von Ingemar Stenmark (links) hat Lindsey Vonn verpasst. | Bild: Michael Kappeler, dpa

„Sie ist die Beste. Sie ist großartig, auch als Mensch. Nicht viele haben ihr das zugetraut und das macht es noch spezieller“, sagte Weltmeisterin Stuhec. 0,49 Sekunden war sie schneller als Vonn, 0,23 Sekunden trennten sie von der Schweizerin Corinne Suter auf Rang zwei. Als erste Athletin seit 30 Jahren verteidigte Stuhec den WM-Titel in der Abfahrt. Und dennoch drehte sich fast alles um Vonn – und das war okay so, fand Stuhec. „Ich bin wirklich geehrt, bei ihrem letzten Mal dabei gewesen zu sein“, sagte sie.

Eine Umarmung nach dem Rennen: Siegerin Ilka Stuhec (links) und die Drittplatzierte Lindsey Vonn freuen sich.
Eine Umarmung nach dem Rennen: Siegerin Ilka Stuhec (links) und die Drittplatzierte Lindsey Vonn freuen sich. | Bild: Mario Kneisl, Witters

Und Vonn? Die muss sich nun an ein neues Leben gewöhnen. Eines abseits der Pisten. „Ich freue mich darauf“, sagt sie. Sie wird nicht mehr so sehr im Mittelpunkt stehen. Sie, die gerne als Drama-Queen des Skizirkus gesehen wird. Sie wird fehlen. Aber traurig sind deswegen längst nicht alle.