Vor beiden Toren passierte in der ersten Halbzeit wenig, weshalb es angebracht ist, gleich in die 45. Minute zu blenden. Der Mainzer Mittelfeldspieler Öztunali steckte den Ball auf Brosinski durch, der im Strafraum den Ball scharf nach einen schlug.

Die Kugel wurde geblockt, die Gastgeber reklamierten Handspiel, doch Schiedsrichter Guido Winkmann ließ weiterspielen, weil auch sein Assistent an der Seitenlinie, Arno Blos, nichts gesehen hatte, was nicht regelkonform gewesen wäre. Nach weiteren 45 Sekunden flog der Ball ins Seitenaus und Winkmann pfiff zur Halbzeit.

Doch in Zeiten des Videobeweises ist Halbzeit nicht unbedingt Halbzeit. Die Freiburger Kicker hatten zwar längst das Spielfeld verlassen und waren auf dem Weg in die Kabine, da schritt in Köln Bibiana Steinhaus zur Tat.

Mit deutlicher Verspätung hatte die Schiedsrichterin ein Handspiel von Marc-Oliver Kempf gesehen, das sie so gravierend einstufte, um ihren Kollegen Winkmann auf „einen klaren Fehler“ hinzuweisen. Also machte der das berüchtigte Viereck in die Luft und deutete an: Elfmeter für Mainz 05. Die Szenen im Video können Sie hier nachschauen.

„Wir müssen das akzeptieren“

Etliche Zuschauer waren da schon an die Bierstände entschwunden und, wie gesagt, die Freiburger Spieler auch nicht mehr in der Arena. Sofort entbrannte eine Diskussion, ob es überhaupt regelkonform ist, dass der Videoschiedsrichter nach bereits erfolgtem Abpfiff noch eingreift. Frau Steinhaus hätte ja zumindest Herrn Winkmann noch rechtzeitig auf ihre Überprüfung hinweisen können. Man stelle sich mal vor, es wäre nicht der Halbzeit-, sondern der Schlusspfiff gewesen – wann ist ein Spiel zu Ende?

Für den Sportclub nahm es Sportdirektor Jochen Saier sportlich: „Wir müssen das akzeptieren.“ Als alle Freiburger zurück waren auf dem Rasen und Schwolow ins Tor gegangen war, ließ sich de Blasis die Chance nicht entgehen und verwandelte den Strafstoß zum 1:0 für die Nullfünfer. Diese Szene war natürlich der Höhepunkt der ersten Halbzeit, die ansonsten wenig Erbauliches gebracht hatte. Einen einzigen Freiburger Schussversuch von Nicolas Höfler gleich in der 1. Minute und zwei Torannäherungen der Mainzer durch Diallo (19.) und Latza (35.). 

Nur 15 Minuten lang machten es die Spieler von Trainer Christian Streich gut, störten den Gegner früh, verhinderten einen gezielten Spielaufbau des Gegners. Nach der erwähnten Dialla-Chance schien den Freiburgern plötzlich das Herz in die Hose zu rutschen. Mit einem Mal verteidigten sie viel zu tief, wie der Fußballer sagt – soll heißen, zu weit in die eigenen Hälfte zurückgezogen. Die Folge war, dass die Rheinhessen immer mutiger wurden und so eben auch noch zu dieser einen Szene kamen, die dann zum Video-Elfmeter führte.

Proteste gegen das Montagsspiel: Die Mainzer Fans werfen Klopapierrollen auf das Spielfeld. Der Anpfiff zur zweiten Halbzeit verzögerte sich dadurch.
Proteste gegen das Montagsspiel: Die Mainzer Fans werfen Klopapierrollen auf das Spielfeld. Der Anpfiff zur zweiten Halbzeit verzögerte sich dadurch. | Bild: Arne Dedert (dpa)

Zur Halbzeit stellte Christian Streich um, brachte für Verteidiger Kempf den Angreifer Tim Kleindienst. Besser wurde das Freiburger Spiel aber nicht. Stattdessen suchten die Mainzer die schnelle Entscheidung. Als Höfler den Ball vertändelte, bediente Öztunali den mitgelaufenen Latza, doch der schaufelte den Ball in die dritte Etage (48.).

De Blasis verzog von der Strafraumgrenze aus knapp (57.). Und der SC Freiburg mit seinem neuen Stürmer Kleindienst? Der setzte nach 64 Minuten den Ball tatsächlich auf die Querlatte – allerdings waren er und seine Mitspieler froh, dass der Ball nicht rein ging. Es war nämlich die Latte des SC-Tores, die Kleindienst nach einem Latza-Freistoß touchierte. Nur drei Minuten später war es Söyüncü, der nach einem knallharten Schuss von Serdar geistesgegenwärtig das linke Bein ausfuhr und klärte.

Starke Schlussphase der Freiburger

Endlich wurden die Breisgauer stärker. Mit dem für Robin Koch eingewechselten Julian Schuster (69.) ging es strukturierter aus der Abwehr heraus. Dann köpfte Kleindienst aufs richtige Tor, 05-Keeper Rene Adler blieb stehen, doch der Ball landete auf dem Tornetz. Ein Freistoß von Schuster wurde zur Ecke abgefälscht (76.) – doch dann schenkte Alexander Schwolow den Mainzern mit einem katastrophalen Ballverlust im eigenen Strafraum das zweite Tor, de Blasis brauchte nur noch in den leeren Kasten zu vollenden. Das 2:0, die Entscheidung, zumal Nils Petersen mit einer Direktabnahme nur die Latte traf (88.) und Manuel Gulde kanpp über das Tor köpfte (90.).

Damit ist es passiert: Der SC Freiburg wurde von den Mainzern überholt und steht nach dem 30. Spieltag nicht nur auf dem Relegationsrang, sondern auch ganz gewaltig unter Druck. Kommenden Samstag (15.30 Uhr) beim Hamburger SV gilt wieder, was die Freiburger in Mainz nicht schafften: Nicht verlieren!

 

Was Christian Streich nach dem Spiel zu dem Elfmeter sagt