Man schrieb den 7. August 1993. Es war der Tag, an dem im Münchner Olympiastadion eine neue Zeitrechnung begann. Erstmals in der Vereinsgeschichte hatte der kleine und bis dahin im Profifußball unbedeutende Sportclub aus Freiburg den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga geschafft. Die Saison begann ausgerechnet mit einem Spiel beim Deutschen Rekordmeister Bayern München. Mehr als 10000 Fans aus dem Schwarzwald waren von der Dreisam mit an die Isar nach München gereist, um live das Spiel ihrer Mannschaft mitzuerleben und sahen eine 1:3 Niederlage gegen die großen Bayern.

Nun, 25 Jahre später, erinnerte der im Jahr 1904 gegründete Sportclub mit einem großen Stadionfest an ein Vierteljahrhundert Bundesliga-Geschichte. Das Motto „Spielt´s noch mal, Jungs!“ war trefflich und gut gewählt, der Spielausgang total unbedeutend. Und trotzdem hatten alle Beteiligten, Fans wie Spieler, sehr viel Spaß beim Kick der beiden Traditionsmannschaften aus Freiburg und München, mit Spielern, wie Ralf Kohl, Martin Braun und Rodolfo Esteban Cardoso, die damals in der Anfangsformation standen. Diesmal im Schwarzwaldstadion drehte der Sportclub das Spiel und siegte mit seiner Traditionself ebenfalls mit 3:1. Für das Spiel der Traditionsmannschaften kehrten Trainer Volker Finke und Achim Sarstedt auf die Trainerbank zurück. Mehr als 11 000 Zuschauer im Glutofen des Schwarzwaldstadions ließen es sich nicht nehmen dabei zu sein, es war ein Wiedersehen unter Freunden. „Es war eine schöne Geschichte, es freut uns, dass wir gewonnen haben und schön, vor einer so großen Kulisse spielen zu können“, bilanzierte der als Kapitän aufgelaufene Martin Braun. Dass dann noch für einen guten Zweck (Achim-Stocker-Stiftung) Geld eingespielt werden konnte, machte das Spiel besonders wertvoll.

Spontan hatten die Ex-Profis zugesagt. Auch Alexander Iashvili, seit zwei Jahren Präsident des georgischen Fußballverbandes, war beim Traditionskick aktiv dabei, ließ bei seinen beiden Toren und „Yashi-Rufen“ des Publikums alte Torjägerqualitäten aufblitzen. „Es hat mich natürlich sehr gefreut, heute hier dabei zu sein. Ich hatte in Freiburg eine Superzeit. Dazu ist es schön wieder ein paar Jungs zu treffen, mit denen ich gespielt habe“, sagte Iashvili.

Paulo Sergio avancierte bei rund 40 Grad Celsius im Schatten zum Publikumsliebling. Zunächst mit einem Strafstoß am bärenstarken Timo Reus im Freiburger Tor gescheitert, erzielte er wenig später den 1:1-Ausgleich. Den Torjubel genoss der Brasilianer mit einem Selfie mit den Bayern-Fans. Auch wenn inzwischen das ein oder andere Kilo mehr die Rippen der Ex-Profis ziert, ließen die Altstars immer wieder zur Freude des Publikums die technischen Qualitäten aufblitzen. Wie etwa Rodolfo Esteban Cardoso, bei seinen einst gefürchteten Standards und einem klugen Passspiel. „In Freiburg hatte ich eine große Zeit. Natürlich verfolge ich die sportliche Entwicklung, bewundere den Verein, der praktisch jedes Jahr von vorn anfängt und großes leistet“, schwärmte der Argentinier.

Wie in seiner aktiven Zeit coachte Volker Finke die Freiburger Mannschaft engagiert an der Seitenlinie. Nein, eine besondere Vorbereitung auf das Spiel hatte der 70-Jährige nicht gemacht, nur getan, „was ich jeden Morgen mache, einfach meine Übungen gemacht, die man in diesem Alter so macht“. Co-Trainer Achim Sarstedt sagte derweil nach der Partie: „Die Erinnerungen an Freiburg sind nur positiv, ich bin hier immer mit offenen Armen empfangen worden. Es war ein geiler Fußballnachmittag, das Ergebnis ist zweitranging, dazu viele Zuschauer im Stadion, denen es Spaß gemacht hat.“ Manchmal kann Fußball eben einfach nur richtig schön sein.