Als auch noch die drei Minuten Nachspielzeit überstanden waren und der Bremer 2:1-Sieg gegen Freiburg feststand, konnte sich der Held des Tages endlich feiern lassen. Der 40-jährige Claudio Pizarro hatte zwar nur eine halbe Stunde mitspielen dürfen, doch er hatte das Bremer Angriffsspiel belebt – und damit Grund genug geliefert, sowohl die Ostkurve als auch seinen Trainer zu Ehrbezeugungen zu nötigen: „Zum Glück“, fand Florian Kohfeldt, „haben wir da ja noch diesen jungen Peruaner auf der Bank.“

SC-Trainer Christian Streich wäre hingegen schon froh gewesen, wenn er in seiner ersten Elf ein paar mehr bekannte Namen hätte präsentieren können. Stattdessen spielten mit den beiden Brüdern Keven und Nico Schlotterbeck gleich zwei Nachwuchsspieler in der Fünferkette.

Anstelle von Mike Frantz und dem gebürtigen Bremer Lucas Höler liefen Florian Niederlechner und Jerôme Gondorf von Beginn an auf. Und tatsächlich schaffte es die Freiburger Rumpfelf, dem Europa-League-Aspiranten Werder so lange Paroli zu bieten, bis etwas passierte, das im Weserstadion seit vielen vielen Monaten nicht mehr passiert ist. Es gab Pfiffe zu hören, laut und deutlich vernehmbar.

Anderorten mag das Normalität sein, am zivilisierten Fußball-Standort Bremen ist es das nicht. „Wenn hier gepfiffen wird, beweist das, dass wir es bis dahin nicht so schlecht gemacht haben“, seufzte Freiburgs Mittelfeldmann Amir Abrashi. „Wir hätten hier wirklich nicht verlieren müssen. Aber dann kriegen wir in kürzester Zeit die zwei Tore.“

Freiburgs Trainer Christian Streich.
Freiburgs Trainer Christian Streich. | Bild: Tim Groothuis/Witters

Um etwas genauer zu sein, waren es acht Minuten, die zwischen den Treffern von Davy Klaassen (76.) und Gebre Selassie (84.) lagen. Doch das war auch insofern egal, als schon der erste den kollektiven Optimismus ins Stadion zurückbrachte.

Dass Luca Waldschmidt in der Nachspielzeit auf 1:2 verkürzte, konnte die Siegesfeier auch nicht mehr aufhalten. Dabei war die erste Hälfte einigermaßen zäh verlaufen. Gegen eine Freiburger Mannschaft, die immer wieder gut konterte, agierten die Hausherren, die seit dem 22. Dezember vergangenen Jahres kein Spiel mehr verloren haben, meist in eher behäbigem Tempo.

Milot Rashica hatte einen vielversprechenden Abschluss (36.), ehe Max Kruse in der 38. Minute gleich zwei Mal an SC-Torwart Alexander Schwolow scheiterte. Das war`s aber auch schon.

Zwei Tore, die nicht zählen

Die beiden Tore, die Christian Günter und Florian Niederlechner für Freiburg erzielten, fielen hingegen aus Abseitsposition. Die größte regelkonforme Freiburger Gelegenheit, in Führung zu gehen, vergab Gondorf, der an alter Wirkungsstätte übermotiviert abschloss, anstatt auf den völlig freistehenden Vincenzo Grifo zu passen, der sich dementsprechend aufregte (33.).

Die zweite Niederlage nach dem 0:5 in Mainz sei bitter, so Grifo: „Wenn du stabil stehst und gute Konter fährst, bist du enttäuscht, wenn du mit leeren Händen nach hause fährst.“ Ein „Geduldsspiel“ hatte auch Werder-Coach Florian Kohfeldt gesehen. „Es ist auch nicht so leicht, zu Chancen und Toren zu kommen, wenn eine Mannschaft erst zwischen Strafraum und Mittellinie verteidigt.“

Als Kritik an den im zweiten Durchgang tiefstehenden Freiburgern wollte Kohfeldt das nicht verstanden wissen, zumal den Gästen gut ein halbes Dutzend Stammspieler gesperrt oder verletzt fehlten.

Spiel gegen Dortmund steht an

Kollege Streich blickte derweil einigermaßen neidisch auf Bremen, denen das Glück beschieden ist, „seit Wochen und Monaten fast mit der gleichen Aufstellung spielen zu können.“ Er selbst muss hingegen Woche für Woche improvisieren. „Dafür machen wir es gut, aber es reicht leider gerade nicht, um zu punkten.“ Noch nicht, wie Vincenzo Grifo im Hinblick auf das Spiel gegen Borussia Dortmund am Ostersonntag nachschob: „Mit unserer Heimstärke ist alles möglich."