Nach dem überzeugenden 3:1-Erfolg in Wolfsburg konnten die Freiburger voller Mut und Überzeugung ins Spiel gehen. Irgendeines guten Omens hätte es wahrlich nicht bedurft, aber wenn es schon auf der Hand liegt: Gegen den VfB Stuttgart hatte der Sportclub vergangene Saison beide Partien verloren, gegen den VfL Wolfsburg und Schalke 04 ebenfalls – nun gab es ein Unentschieden gegen die Schwaben und einen Sieg bei den Niedersachsen, also sollte gegen die Westfalen auch nichts schiefgehen, oder?

Und Schnitt. An derlei Gedankenspiele hält sich der Bundesliga-Alltag nicht. Und so lag der Ball nach nur fünf Minuten im Tor der Breisgauer. SC-Torhüter Alexander Schwolow hatte Schüsse von Suat Serdar und Breel Embolo pariert, doch gegen den nachsetzenden Cedric Teuchert war er machtlos. Schiedsrichter Frank Willenborg zeigte zur Mitte, die Gelsenkirchener bildeten eine Jubeltraube und draußen an der Seitenlinie übte Domenico Tedesco ein erstes Mal das Rumpelstilzchen ein – der S04-Trainer feierte ekstatisch den Führungstreffer. Das Ganze hatte freilich einen entscheidenden Fehler: Teuchert stand bei Embolos Schuss fast anderthalb Meter im Abseits, prompt wurde sein Tor von Bibiana Steinhaus im Kölner Videokeller einkassiert. Die einzige Frage, die noch gestellt werden muss: Wieso hatte Willenborgs Assistent Thomas Gorniak diese klare Abseitsstellung von Teuchert nicht gesehen? Ein Armutszeugnis.

Der Freiburger Schlussmann Alexander Schwolow machte erneut mit starken Paraden auf sich aufmerksam und konnte nach 90 Minuten ohne Gegentor in die Kabine gehen.
Der Freiburger Schlussmann Alexander Schwolow machte erneut mit starken Paraden auf sich aufmerksam und konnte nach 90 Minuten ohne Gegentor in die Kabine gehen. | Bild: Silas Stein/dpa

Fünf Minuten später gab es die erste Chance für Freiburg. Als der Ball Freund und Feind passiert hatte, kam Marco Terrazzino zum Abschluss. Der wuselige Mittelfeldspieler zog mit links ab, doch die Kugel flog über Torwart Ralf Fährmann und den Kasten hinweg.

Die nächste halbe Stunde gehörte: Domenico Tedesco. Schalkes Trainer, von bisher vier Nullern und Tabellenplatz 18 ganz offensichtlich nervlich stark beansprucht, schimpfte ein ums andere Mal Richtung Schiri Willenborg, diskutierte mehrfach mit dem Vierten Offiziellen Michael Bacher und sauste einige Male gestikulierend durch seine Coachingzone. Eine Rumpelstilzchen-Einlage nach der anderen, Fordern von Gelben Karten inklusive – unschön.

S04-Coach Domenico Tedesco war mit den Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns unzufrieden. Mit der aktuellen Tabellensituation der Schalker dürfte er es wohl auch sein.
S04-Coach Domenico Tedesco war mit den Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns unzufrieden. Mit der aktuellen Tabellensituation der Schalker dürfte er es wohl auch sein. | Bild: Silas Stein/dpa

In der Zwischenzeit spielten die Freiburger zwei gut angesetzte Konter ungenau zu Ende, ehe dann die Schalker zielstrebiger wurden. Nach einem nicht geahndeten Foul an Nicolas Höfler im Mittelfeld kam Hamza Mendyl auf halblinks zum Abschluss und hämmerte den Ball an Pfosten (41.). Sekunden vor dem Halbzeitpfiff segelte ein Freistoß von Nabil Bentaleb durch den Strafraum, Embolo rauschte mit der Fußspitze heran und bugsierte die Kugel ein zweites Mal an den Pfosten. – Rumpelstilzchen wollte es nicht fassen, 0:0 zur Pause.

Sieben Minuten nach Wiederanpfiff kam es noch schlimmer für Schalke und seinen Wüterich auf und vor der Bank. Christian Günter steuerte energisch auf den Strafraum zu, ließ aus 20 Metern einen Flachschuss los, den Fährmann nur abklatschen konnte – Florian Niederlechner staubte ab zum 1:0 für den SC Freiburg.

Danach kamen die Schalker wieder – nicht besser, aber härter ins Spiel. Die Folge: dreimal Gelb in 15 Minuten für Daniel Caligiuri, Matija Nastasic und Mendyl. Und Christian Streich baute eine Sicherung ein, der SC-Coach brachte mit Philipp Lienhart für Niederlechner einen zusätzlichen Defensivspieler (68.) und mit Jerôme Gondorf eine frische Kraft für den Vielläufer Terrazzino (74.). Freiburg stand kompakt, Schalke war ohne Durchschlagskraft. So blieb es beim glücklichen und doch nicht unverdienten 1:0-Sieg für den SC Freiburg. Das gute Omen war doch eines und Tedesco ging geschlagen von dannen. Offen blieb nur die Frage, ob es nach der fünften Niederlage in Folge Rumpelstilzchen später noch zerrissen hat.