Lars Voßler hatte da so eine Ahnung, wie der Samstagnachmittag im Hause seines Chefs Christian Streich verlaufen ist. „Das Spiel wird nicht dafür gesorgt haben, dass er daheim vor Freude schon herumspringt“, orakelte Freiburgs Cheftrainer i.V. nach dem Freiburger 1:3 in Hoffenheim. Ein gesunder Christian Streich, der wäre wie das HB-Männchen in die Sinsheimer Luft gegangen. Sein Bandscheibenvorfall verhinderte das am Samstagnachmittag.

Es sah ja lange gut aus für den Sportclub im Badnerduell in Sinsheim: Sie führten 1:0 durch das Abstauber-Tor von Dominique Heintz (36. Minute). Der Gegner war zudem durch drei verletzte Spieler zum Umstellen gezwungen. Es gab schon schlechtere Ausgangspositionen. Bis zu jener vermaledeiten 50. Minute. „Bis zu diesem Slapstick-Tor“, sagte Lars Voßler hinterher über jenes 1:1 durch Adam Szalai. Lucas Höler hatte nach einer Flanke Hoffenheims Adam Szalai den Ball mustergültig vorgelegt. .Nicht nur Voßler erkannte: „Es gab gar keinen Grund, den Ball in die Gefahrenzone zurückzuköpfen.“ Freiburg köpfte Hoffenheim einfach zurück ins Spiel. „Wenn du so einfache Fehler machst, dann wird es schwierig, hier drei Punkte mitzunehmen. Solche Fehler siehst du nicht oft auf dem Niveau“, grummelte Voßler.

Was bleibt nach 180 punktlosen Freiburger Bundesliga-Minuten? „Wir haben gute Ansätze. Wir haben uns spielerisch verbessert im Vergleich zur Vorsaison“, meint Voßler, der wohl als erster siegloser SC-Cheftrainer in die Bundesligageschichte eingeht. Egal, wie es Christian Streich in den nächsten Wochen gehen wird: Voßler muss wieder zurück ins zweite Glied, auch wenn Streich in zwei Wochen noch nicht wieder fit sein sollte, wenn es am Sonntag, 16. September (18 Uhr), gegen den VfB Stuttgart geht. Voßlers Chefzeit ist auf zwei Wochen begrenzt, da er noch kein Fußballehrer ist. Im Fall der Fälle müsste nach der Bundesligapause Patrick Baier ran. „Der hat eine Lizenz“, sagte Voßler.

Die Lizenz zum Toreschießen hat eigentlich Florian Niederlechner. Der Stürmer lief kurz vor der Halbzeitpause allein auf Oliver Baumann im Hoffenheimer Tor zu – und blieb nur zweiter Sieger. „Eigentlich spiele ich den Torwart gerne aus, aber der Ball hoppelt. Es wäre die Vorentscheidung gewesen“, lamentierte Niederlechner: „Wir müssen unsere Chancen besser nutzen.“ Dass Freiburg vor der Pause das 2:0 verpasste, war ein Knackpunkt, der andere Lucas Hölers Patzer. Hoffenheim legte nach 63 Minuten das 2:1 nach, als Adam Szalai nach Vorarbeit seines Kumpels Nico Schulz traf. Nils Petersen hätte nach 73 Minuten beinahe einen Patzer von Baumann genutzt. Der Kopfball des Nationalstürmers landete jedoch an der Latte. Als am Ende alle Freiburger auf den Ausgleich stürmten, sorgte Andrej Kramaric fürs Hoffenheimer 3:1.

Ob Freiburg auch mit Christian Streich einen Nullpunkte-Start in die Spielzeit 2018/19 hingelegt hätte? Man wird es nie erfahren. Vermisst wird er auf jeden Fall. „Natürlich fehlt uns der Trainer mit seiner Art, wie er uns an der Seitenlinie pusht und unterstützt“, sagte Niederlechner. Eine Glaskugel hatte auch SC-Präsident Fritz Keller nicht mit dabei in Sinsheim: „Ich bin weder Arzt noch Krankenschwester oder Hellseher“, sagte er zur Streich-Rückkehr.