Die erste Überraschung liefern die Gäste aus Sachsen. Timo Werner, der in jeder Hinsicht angeschlagen schien, jedenfalls, wenn die Meldungen, die noch am Freitag aus Leipzig kamen, nicht geflunkert waren, läuft auf. Vielleicht ist es ja so, dass beim Nationalstürmer automatisch alle Wehwehchen verschwinden, sobald die Reise nach Freiburg ansteht. Denn der Sportclub in Deutschlands südlichem Zipfel ist der Lieblingsgegner von Werner. Gegen keinen anderen Bundesligaklub hat der Schwabe öfter getroffen, als gegen die Mannschaft von Trainer Christian Streich.

Höfler trifft zum 1:0 für Freiburg

19 Minuten dauert es, bis Timo Werner zum ersten Abschluss kommt. Der wird von einem Freiburger Abwehrspieler geblockt und der Ball landet mit Karacho im Gesicht von Leipzigs Stürmer Ademola Lookman. Eine Minute später landet Werners Schuss in den Armen von Mark Flekken, der für den verletzten Alexander Schwolow das Freiburger Tor hütet. Allerdings wäre der RB-Angreifer auch im Abseits gewesen. Wieder nur fünf Minuten später ist es SC-Verteidiger Robin Koch, der Werners dritten Versuch blockt. Und das ist es denn auch, kurz vor dem Halbzeitpfiff erwischt Nicolas Höfler mit der Fußspitze die Zehen von Werner, der der Pause entgegen humpelt, in der Kabine aber aufgepäppelt werden und weitermachen kann.

Höfler indes ist nicht nur in dieser Situation der Hauptdarsteller. Als das 0:0 zur Halbzeit perfekt schien, startet der Sportclub einen seiner wenigen Angriffe. Christian Günter spielt einen perfekten Doppelpass mit dem für den jungen Lino Tempelmann nach 34 Minuten eingewechselten Vincenzo Grifo, seine Flanke findet Lucas Höler, der mit seinem ersten Schuss an Marcel Halstenberg scheitert, dann aber mit dem abgefälschten Versuch Nummer zwei die Kugel maßgerecht vor die Beine von Höfler bringt.

Der Mittelfeldlenker des Sportclubs hat keine Mühe, aus nächster Nähe zum 1:0 einzuschieben. RB-Keeper Peter Gulacsi kann nur zuschauen und sich ärgern, hatte er doch nicht einen einzigen Schuss abwehren müssen.

RB-Trainer Julian Nagelsmann schaltet auf volle Offensive

Dieses Tor stellt den Spielverlauf auf den Kopf. Nicht, dass die Leipziger aus gefühlt 75 Prozent Ballbesitz zwingende Torchancen herauskombiniert hätten, aber sie hatten das Geschehen absolut unter Kontrolle. Und wenn in der 10. Minute nicht Koch im letzten Augenblick seinen Fuß an den Ball gebracht hätte, wäre auf der Anzeigetafel Willi Orban als Torschütze zum 0:1 angezeigt worden.

Was in Abschnitt zwei passieren wird, ist klar. Leipzig rennt an, Freiburg lauert auf Konter. Werner hat die erste Chance, er schlenzt die Kugel aus zwölf Metern über den Querbalken (54.). Auf der anderen Seite kann Höler von Upamecano gerade noch abgedrängt werden (56.). Noch keine Stunde ist vergangen, da schaltet RB-Trainer Julian Nagelsmann auf volle Offensive.

Für den enttäuschenden Marcel Sabitzer, der überhaupt nicht an seine herausragenden Leistungen der vergangenen Wochen herankam, bringt er Angreifer Nkunku (56.) und wenig später für Emil Forsberg mit Yussuf Poulsen den nächsten Stürmer (59.). Damit hat auch Leipzig wie Freiburg zweimal getauscht, beim Sportclub war vor Grifo schon Nils Petersen für den verletzten Luca Waldschmidt gekommen. In der 67. Minute muss Streich das dritte Mal wechseln. Höfler hatte sich bei einem Tackling eine blutende Verletzung zugezogen und muss nun das Feld für Nico Schlotterbeck räumen. Und in der 70. Minute ist dann Schluss für Timo Werner, für ihn kommt Cunha.

Die Freiburgen setzen immer wieder Nadelstiche

Der SC Freiburg stellt sich nun geschickter an als noch im ersten Durchgang. Immer wieder setzen die Breisgauer Nadelstiche, so auch in der 75. Minute. Wieder Günter im Doppelpass mit Grifo, diesmal zieht der Linksverteidiger ab und Gulacsi zeigt, dass er ein starker Torhüter ist. Der Ungar fischt den Ball aus dem Winkel – und wird von den Unparteiischen belohnt, die nicht Eckball, sondern Abstoß geben. Die Sonne muss sehr tief stehen, sehr tief …

Noch zehn Minuten. Leipzig rennt an, es kommt schon mal zu turbulenten Situationen im Freiburger Strafraum, aber echte Chancen für die Sachen gibt es nicht. Auf der anderen Seite rauscht eine Flanke von Günter an Höler vorbei. Noch acht Minuten. Philipp Lienhart wirft sich in einen Schuss von Nkunku. Noch sechs Minuten. Günter probiert es aus 30 Metern – drüber. Noch vier Minuten. Abpraller, Cunha hält aus 20 Metern drauf, der Ball geht knapp übers Tor. Auf der Gegenseite trifft Petersen die Kugel nach einem Eckball von Grifo nicht richtig – es war die Chancen aufs 2:0, die Chance auf die endgültige Entscheidung.

Dritter Heimspielsieg gegen RB Leipzig

Noch zwei Minuten. Halstenberg schießt einen Mitspieler an. Dann zieht nach einer Freiburger Balleroberung an der Mittellinie und einem herrlichen Pass von Grifo Petersen alleine aufs Tor zu und lässt Gulacsi keine Chance – 2:0.

Alles klar? Nein. Es gibt fünf Minuten Nachspielzeit. In der zweiten Minute des Nachschlags gelingt Lukas Klostermann das 2:1. Alles zittert, Leipzigs Haidara auch. Er köpft Petersen den Ball vor die Füße, der scheitert aus spitzem Winkel an Gulacsi. Was für eine Dramatik – und Dann ist es aus, aus, aus, aus das Spiel ist aus! Der SC Freiburg gewinnt zum dritten Mal in Serie sein Heimspiel gegen RB Leipzig, nach einem 2:1 und einem 3:0 jetzt wieder 2:1. Der Lohn: Mit 17 Punkten Rang zwei in der Tabelle, nur Mönchengladbach kann am Sonntag noch vorbeiziehen.