Die Sanktionen gegen Russland sind umstritten. Ob das Internationale Olympische Komitee nun eine wachsweiche oder eine konsequente Entscheidung getroffen hat, sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Immerhin haben die Olympia-Macher das Thema aber angepackt – wenn auch nicht freiwillig.

Witali Mutko, der ehemalige Sportminister und jetzige Vize-premier des Landes, wurde lebenslang für Olympia gesperrt. Er soll der Kopf hinter dem systematischen Doping der vergangenen Jahre gewesen sein. Nun ist Mutko allerdings auch der Präsident des russischen Fußballverbands RFS und Vorsitzender des WM-Organisationskomitees. Entsprechend sollten eigentlich auch bei der Fifa sämtliche Alarmglocken läuten, wenngleich im Weltbild dieser Herren Doping und Fußball ja nichts miteinander zu tun haben. Aber kann man weiter mit einem Witali Mutko zusammenarbeiten? Nein, natürlich nicht! Immerhin wollte der Verband nach der Ära Sepp Blatter transparenter als je zuvor werden und wirbt in TV-Spots und auf Werbebannern emsig für „Fair Play“.

Interessant wird nun sein, ob sich die Ethikkammer tatsächlich mit Mutko befasst. Sollten das IOC und die Welt-Anti-Doping-Agentur tatsächlich dessen Schlüsselrolle im Dopingskandal aufzeigen, könnte das Fifa-Gremium darüber nicht hinwegsehen. Das würde die Russen wahrscheinlich noch mehr ärgern als die IOC-Sanktionen. Wie handlungsfreudig die Ethikkommission allerdings ist, bleibt fraglich. Schließlich wurden unbequeme Charaktere wie der Schweizer Chefermittler Cornel Borbély, der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert und Miguel Maduro als Chef der Governance Kommission auf Betreiben von Fifa-Chef Gianni Infantino nicht wiedergewählt. Ein Trauerspiel!