Nein, ein Schnuckelchen kann er nicht gewesen sein, vielleicht ist sein Ruf aber auch zu Unrecht ramponiert. Bilder aus der Zeit des Umsturzes zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigen Grigori Jefimowitsch Rasputin als Mann mit zotteligem Bart, fettigem Haar und meist wirrem Blick, dessen Körperhygiene angeblich zu wünschen übrig ließ.

Das Gegenstück zu Cristiano Ronaldo wenn man so will. Rasputins Leben wurde mehrfach verfilmt, besungen („Ra, Ra Rasputin, Lover of the Russian queen“), wurde in Opern bearbeitet und ist sogar Inhalt von Computerspielen. Mit Bauernschläue und animalischer Erotik stieg der Wandermönch zum mächtigen „Mann Gottes“ des Zaren Nikolaus II. auf. „Solange ich lebe, wird auch die Dynastie leben“, soll er prophezeit haben. Damit waren die Romanows gemeint, die seit mehr als 300 Jahren Russland regierten. Der dreijährige Thronfolger Alexej litt allerdings unter Hämophilie, der Bluterkrankheit.

Angeblich durch Handauflegen konnte Rasputin dessen Blutungen stoppen. Sein Einfluss wuchs, ebenso die Zahl seiner Feinde. Rasputins Ende muss furchtbar gewesen sein. Bei einem Trinkgelage wurde er mit Zyankali vergiftet, in Brust und Stirn trafen ihn Pistolenkugeln, zu Tode kam er aber erst durch Ertrinken in einem Fluss, in den ihn die Mörder warfen.

Wenige Wochen später endete mit der Revolution auch die Dynastie der Romanows, womit sich die Prophezeiung erfüllte. Mystik gepaart mit Erotik und einem tragischen Ende – Rasputin fasziniert bis heute. Unsere Nummer eins der Wissenden bleibt dennoch Ex-Bundestrainer Sepp Herberger, dessen Frisur, Gesichtshaar, Körpergeruch und vor allem berühmteste Vorhersage dann doch noch einmal auf einem ganz anderen Niveau waren: „Das nächste Spiel ist immer das schwerste!“

 

Der Autor dieses Textes Dirk Salzmann.