Hans-Dieter Dreher hat sich viel Zeit gelassen. 45 Jahre musste er alt werden, um den Großen Preis von Donaueschingen zu gewinnen. „Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen“, sagt der Springreiter aus dem südbadischen Eimeldingen. Heimsieg also beim CHI nach 40,79 Sekunden in Stechen in Donaueschingen. Platz zwei holt sich Laura Klaphake (41,27) vor Julia Houtzager-Kayser (42,68).

  • Das Teilnehmerfeld: Die Starterliste beim Großen Preis, dem Höhepunkt der vier Tage von Donaueschingen, war bestens bestückt. Deutlich besser als in den Jahren zuvor. Mit Klaphake und Marcus Ehning waren zwei Reiter dabei, die vor wenigen Wochen bei der Europameisterschaft in Göteborg für Deutschland angetreten waren. Zudem mit Michael Jung der beste Vielseitigkeitsreiter der Welt. Und mit Philipp Weishaupt der Sieger des Großen Preises von Calgary von vor einer Woche, eines der wichtigsten Turniere der Welt. Jung und Weishaupt verpassen das Stechen, sie belegen am Ende die Pläzte 13 und 29. Ehning patzt einmal im Stechen und muss sich mit Rang fünf begnügen, ist aber trotzdem zufrieden. „Ich bin sehr froh, dass ich hier dabei war“, sagt der 43-Jährige.
  • Der Sieger: Hans-Dieter Dreher ist überglücklich. Er strahlt, von überall kommen Glückwünsche und Schulterklopfen. Es ist sein erster Sieg in Donaueschingen, zuvor war die beste Platzierung Platz drei. Berlinda heißt sein Erfolgspferd. „Das Potenzial war schon immer da. Sie ist einfach zu reiten und lässt mich gut aussehen“, sagt Dreher.
    Im Juli hatte er in Ascona gewonnen, es war sein erster großer internationaler Erfolg mit Embassy II, seinem Herzenspferd, nach längerer Durststrecke. Und nun der Triumph in Donaueschingen. So soll es weitergehen. Am besten schon in Suttgart im November. Vielleicht gelingt ihm in seinem Heimat-Bundesland der nächste Erfolg. Die Form jedenfalls scheint zu stimmen.
  • Die Zukunftshoffnung: Ein Versprechen an die Zukunft ist Laura Klaphake – vor allem im Zusammenspiel mit ihrem Ausnahmepferd Catch me if you can. Die 23-Jährige darf sich über Platz zwei freuen. „Mein Pferd ist momentan unglaublich stark“, sagt Klaphake. Und: „Wenn man oben ist, muss man sich sehr anstrengen, oben zu bleiben. Das ist die Herausforderung“, sagt sie. Bei der EM in Göteborg stand sie im deutschen Team, daran hat sie Gefallen gefunden. Ihr Pferd gehört Paul Schockemöhle, ihr Vater Joseph betreut im Stall Schockemöhle die Kunden, ihre Mutter Gaby gibt Reitunterricht. Allerbeste Voraussetzungen also.
  • Der Lokalmatador: Niklas Krieg hat schon bessere Springen erlebt. Wegen zu vieler Fehler und eines schlechten Gefühls im Parcours musste er mit Carella frühzeitig aufgeben. Ein Rückschlag für den Reiter aus Villingen, der allerdings schon oft sein Können gezeigt hat und sich dadurch nicht verunsichern lassen sollte.
  • Die Zuschauer: Gut 44 000 Zuschauer waren von Donnerstag bis Sonntag zum Reitturnier gekommen. Eine gute Bilanz. Turnierchef Kaspar Funke war auch mit der erstmals am Donnerstagabend ausgetragenen Vielseitigkeit zufrieden. Im nächsten Jahr müssen sich die Zuschauer auf eine Änderung einstellen. Wegen der Weltreiterspiele im September in den USA wird das Turnier in Donaueschingen 2018 am dritten August-Wochenende stattfinden.