Als Gewinner durften sich nach Bayerns ungewohnter Fehlzündung im Bundesliga-Eröffnungsspiel immerhin die Bosse fühlen. Jedenfalls war Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach dem ärgerlichen, aber noch keineswegs besorgniserregenden 2:2 (1:2) gegen eine wehrhafte Hertha aus Berlin anzumerken, wie stolz sie insbesondere auf den Transfercoup mit dem brasilianischen Topspieler Philippe Coutinho vom FC Barcelona sind.

„Dieser Spieler ist ein Topspieler. Wir wollten einen Spieler, der unser Offensivpotenzial mit seiner technischen Qualität noch aufwertet“, sagte Rummenigge über den 27 Jahre alten Kicker, für den der FC Barcelona vor einem Jahr über 140 Millionen Euro an den FC Liverpool zahlte.

Wer ist Coutinho eigentlich?

Sie haben ihn „Philippinho“ genannt, damals bei Vasco da Gama, es war eine liebevolle Verkleinerungsform für einen dünnen und kleinen Jungen mit einer außergewöhnlichen Technik. Es ist noch immer der Kosename, den seine Eltern, José Carlos und Esmeraldina, und seine beiden älteren Brüder, Leandro und Cristiano, für Philippe Coutinho benutzen. Der 27-Jährige bleibt das Nesthäckchen der Familie, auch wenn er inzwischen ein globaler Fußballstar und der teuerste Leihspieler in der Geschichte des FC Bayern geworden ist. „Er hat alles, um bei Bayern erfolgreich zu sein“, sagt Marcus Alexandre, der Philippe Coutinho in der U15 Vascos trainierte. Beim FC Barcelona hatte Coutinho an der Seite und im Schatten Lionel Messis einen schweren Stand gehabt, weshalb dieser Wechsel überhaupt möglich geworden ist.

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Sein Talent fiel schnell auf

Andrade hebt zwei markante Eigenschaften hervor, die ihn an Philippe Coutinho glauben lassen: Das Dribbling, mit dem Coutinho Räume schafft; und das Tempo, mit dem er seine Mitspieler auf Trab hält. „Lewandoski kann sich freuen: Er wird viele Vorlagen von Philippe bekommen.“ Wie so viele brasilianische Spieler in den vergangenen Jahrzehnten – Ronaldo, Ronaldinho, Neymar – hat auch Coutinho seine technischen Fertigkeiten beim Futsal auf einem reduzierten Spielfeld und mit Bällen, deren Größen dem Alter der Kinder entsprechen, entwickelt. Sein Talent fiel schnell Vasco da Gama auf – wie Flamengo, Fluminense, Botafogo einer der Traditionsvereine Rios, zu dem Philippe Coutinho bereits im Alter von sieben Jahren wechselte. Aus „Philippinho“ wurde schnell „Coutinho“, da sich für ihn „Philippinho“ zu schwach und zerbrechlich anhörte. „Ganz abgesehen davon, dass wir drei Felipes im Team hatten“, erzählt Rodney Gonçalves, der die U17 Vasco da Gamas trainierte, dieser Zeitung. „Da habe ich angefangen, ihn Coutinho zu nennen.“

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Der klassische Zehner

Und Coutinho fing an, den Unterschied zu machen. Er wurde mit Vasco U12-, U13- und 14-Meister des Bundesstaates Rio de Janeiro. Als Philippe Coutinho 14 Jahre alt war, trafen die Koordinatoren der Jugendarbeit Vasco da Gamas auch eine sportliche Entscheidung, die seine Karriere prägen sollte: Sie machten ihn, der bis dahin als zentraler Angreifer agiert hatte, zu einem klassischen „Zehner“, zu einem offensiven Spielgestalter. So konnte Coutinho seine Mitspieler in Szene setzen, seine Vision vom Spiel einbringen. Die hatte sich übrigens schon früh gezeigt, bereits mit acht Jahren soll er seine Trainer bei taktischen Fragen unterstützt haben.

Ein Familienmensch

Jugendtrainer Marcus Alexandre sagt ohnehin: „Philippe ist nicht schüchtern, sondern reserviert.“ Das ist ungewöhnlich in der glitzernden Fußballwelt und für einen brasilianischen Fußballspieler; Neymar gibt die Richtung vor. Philippe Coutinho ist dagegen ein Familienmensch, hält den Kontakt zu Freunden und Kollegen. „Sein Wechsel ist gut für Bayern, gut für ihn, auch wenn Paris einfacher gewesen wäre“, sagt Bruno Martinho, der für die brasilianische Zeitung „O Globo“ über Vasco da Gama berichtet. Aber möglicherweise kommt der deutsche Fußball Philippe Coutinho, der seine bisher größten Erfolge beim FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp feiern konnte, sogar entgegen. Damit der „kleine Magier“, so nannten sie ihn dort, wieder zaubern kann wie in Liverpool – und wie einst als „Philippinho“.