Die Sportclub-Fans sind gespannt. An den Würstchenbuden im Schwarzwaldstadion ist Ryan Kent das Thema. Der 20-jährige Stürmer, den die Freiburger kurz vor Ende der Transferperiode noch vom FC Liverpool ausgeliehen haben, absolvierte beim eher trostlosen 0:4 in Leverkusen seine ersten Bundesligaminuten und gab in diesen gleich ein paar Dribblings zum Besten. Würde der Engländer gegen Hannover vielleicht sogar in der Startelf auftauchen? Viele der Merguez- und Bratwurstesser hätten sich gefreut.

Indes, es kommt anders. Trainer Christian Streich hat sich für Kapitän Julian Schuster entschieden, der für den verletzten Amir Abrashi im Zentrum einer Dreierabwehrkette für Stabilität sorgen soll. Aber auch so stürmen die Freiburger gleich drauf los und brauchen ganze 31 Sekunden bis zur ersten guten Chance. Florian Niederlechner und Marco Terrazzino starten ein Duett, als letzterer den Ball in den Fünfmeterraum passt, kommt Stoßstürmer Niederlechner einen Schritt zu spät. Damit nicht genug. Nach einem Freistoß von Schuster setzt Janik Haberer in der 7. Minute einen Rückwärtskopfball links am Tor vorbei. Und nur eine Minute später muss Hannovers Mittelfeldstratege Pirmin Schwegler nach einem Fehler seines Kollegen Saif Sané gegen Mike Frantz alles riskieren, um im letzten Moment zu klären: oben mit dem Arm an der Schulter des Freiburgers, unten mit Vollgrätsche, eine starke Aktion des Schweizers im 96er-Trikot.

Weckruf für die Mannschaft von André Breitenreiter

Nach 17 Minuten kommt der Aufsteiger erstmals gefährlich in den Strafraum der Gastgeber. Der Schuss des Ex-Freiburgers Felix  Klaus wird geblockt, der Versuch von Marvin Bakalorz geht über den Querbalken. Es ist wie ein kleiner Weckruf für die Mannschaft von Trainer André Breitenreiter, denn die nächsten zehn Minuten bestimmen die Hannoveraner. Nach 24 Minuten hat Niklas Füllkrug die bis dahin beste Möglichkeit der Gäste. Nach einem Eckball von Schwegler verfehlt der Stürmer mit einem wuchtigen Kopfball das Tor nur knapp. Die Freiburger Abwehr mit den Jungspunden Caglar Söyüncü und Philipp Lienhart wackelt doch einige Male bedenklich, den Eckball etwa hatte Lienhart mit einem missglückten Befreiungsschlag verursacht, der über das Stadiondach rauschte und vermutlich in der Dreisam landete.

Ein knackiger 25-Meter-Schuss von Terrazzino, den 96-Keeper Philipp Tschauner wegfaustet (28.), läutet dann eine neuerliche gute Phase der Freiburger ein. Und nach 32 Minuten hätte der Sportclub denn auch in Führung gehen müssen, doch nach einem Zuckerpass von Terrazzino scheitert erst Frantz mit seinem Heber-Versuch an Tschauner und als nur einige Sekunden später wieder Terrazzino in den Fünfmeterraum flankt, geht Niederlechners Kopfball knapp am Pfosten vorbei.

Hannover 96 geht zuversichtlich in den zweiten Abschnitt

Für Hannover 96 ist ein 0:0 zur Pause das Ergebnis schlechthin. In allen vier Saisonspielen hatte bei den 96ern beim Gang in die Kabine vorne wie hinten die Null gestanden, am Ende standen zwei 1:0- Siege, ein 2:0-Erfolg und ein 1:1. Grund genug, zuversichtlich in den zweiten Abschnitt zu gehen, doch zunächst dominieren wieder die Freiburger. In der 54. Minute geht es nach Balleroberung von Terrazzino in der eigenen Hälfte ganz schnell. Christian Günter mit einem weiten Pass auf Haberer, der direkt weiter in den Lauf von Niederlechner, und als der in den Strafraum kurvt, lässt Waldemar Anton das Bein stehen – Elfmeter. Jetzt also endlich das 1:0 für den Sportclub? Von wegen. Niederlechner macht es selbst, und er macht es schlecht – der Ball fliegt deutlich rechts am Pfosten vorbei.

Wenn nicht mal vom Elfmeterpunkt das Runde ins Eckige geht, wie soll der SC Freiburg überhaupt ein Tor erzielen? Der Fehlschuss zeigt prompt Wirkung. Und ermuntert die Gäste doch noch mal zu einer Attacke. Füllkrug ist auf links schneller als Stenzel, flankt präzise in der Fünfmeterraum und dort stüpfelt Martin Harnik die Kugel an Alexander Schwolow vorbei zum 0:1 ins Netz.


Hannover Spieler mit Torschütze Martin Harnik (2.v.l.)  bejubeln das Tor zum 0:1.
Hannover Spieler mit Torschütze Martin Harnik (2.v.l.) bejubeln das Tor zum 0:1. | Bild: Patrick Seeger (dpa)
Torwart Alexander Schwolow (l) von Freiburg beschwert sich nach dem Gegentreffer 0:1 bei Christian Günter (r).
Torwart Alexander Schwolow (l) von Freiburg beschwert sich nach dem Gegentreffer 0:1 bei Christian Günter (r). | Bild: Patrick Seeger (dpa)

Der Spielverlauf ist auf den Kopf gestellt – und endlich Zeit für die Einwechslung von Nils Petersen. Der Torjäger kommt in der 74. Minute zusammen mit Ryan Kent und die beiden bringen positive Energie mit. Neun Minuten später verlängert Nicolas Höfler per Kopf einen Eckstoß von Schuster und Petersen staubt aus Nahdistanz zum 1:1 ab. So gibt es wenigstens noch einen Punkt für den SC Freiburg, der aber trotzdem im Tabellenkeller bleibt.