Herr Wehrlein, die DTM geht in ihr Saisonfinale. Wie fällt Ihr Fazit nach der Rückkehr in die Serie aus?

Gemischt. Ich hatte natürlich gehofft, von Anfang an in der Spitze mitfahren zu können und da weiterzumachen, wo ich 2015 nach dem Titelgewinn aufgehört hatte. Aber das ist zum einen in der DTM nicht so einfach und zum anderen sind in dieser Saison einige Dinge nicht in meine Richtung gelaufen. Irgendwann war klar, dass ich nicht unter den besten Mercedes-Piloten sein werde, und dann muss man in der DTM eben fürs Team fahren.

Sind Sie mit Ihrer Leistung zufrieden oder sagen Sie: Auch ich hätte das ein oder andere besser machen können.

Mit meinem Speed war ich von Anfang an zufrieden. Ich konnte auch meinen Fahrstil sehr schnell von der Formel 1 zur DTM umstellen. Mit der Erfahrung fällt einem so etwas natürlich leichter.

Was ist nun am letzten Saison-Wochenende noch möglich?

Ich möchte natürlich so gut wie möglich abschneiden. Ganz wichtig ist das Qualifying, dass man da weit vorne steht. Und dann müssen wir sehen, wie die Rennstrategie aussieht.

Schauen wir mal in Ihre Zukunft: Sie haben entscheiden, sich von Mercedes zu trennen. Wie kam es dazu?

Ich hatte einfach das Gefühl, dass das jetzt der richtige Schritt ist. Ich möchte nun auf eigenen Füßen stehen. Das tut immer gut, sich weiterzuentwickeln und selbst über seine Zukunft entscheiden zu können. Ich kann nun ganz neue Herausforderungen suchen, nachdem klar war, dass ich bei Mercedes keine Chance auf die Formel 1 haben werde. Weder bei Mercedes selbst noch bei den Kundenteams. Bei Mercedes wäre nach dem DTM-Ausstieg noch die Formel E oder die Langstrecke möglich gewesen, da fiel mir die Entscheidung zur Trennung relativ leicht.

Das heißt, die Formel E istkein Thema?

Nein, die Formel E könnte durchaus ein Thema sein. Ich saß schon mehrmals im Auto – für Venturi und Mahindra – und habe mich da sehr wohl gefühlt. Mich hat allgemein überrascht, wie viele sehr gute Angebote ich in der kurzen Zeit schon bekommen habe. Jetzt geht es darum, dass ich mich für die beste Option entscheide. Es kann auch sein, dass ich zwei Sachen parallel mache.

Die Formel E wäre auch beim von Mercedes unterstützten HWA-Team möglich gewesen. Warum wurde daraus nichts, Teamchef Ulrich Fritz hätte Sie offenbar gerne verpflichtet?

Das hat verschiedene Gründe. Zum einen, wie ich schon gesagt habe, will ich nun lieber auf eigenen Füßen stehen. Zum anderen wollte ich mir dadurch die Türe zur Formel 1 nicht ganz zuschlagen. Es war klar, dass HWA nicht nach ein paar Rennen in der Formel E einen neuen Fahrer suchen möchte, weil ich vielleicht in die Formel 1 wechseln könnte. Aber mit Mercedes ist alles in Ordnung, da gibt es kein böses Blut.

Treffen Sie die Entscheidung alleine oder sprechen Sie sich ab?

Natürlich spreche ich mit den Personen, die mir nahe stehen, wie meine Eltern zum Beispiel. Aber am Ende werde ich die Entscheidung alleine treffen.

Ist die Formel 1 überhaupt noch möglich? Derzeit sind nur noch vier Cockpits offen, Toro Rosso scheint die einzig verbliebene Möglichkeit zu sein.

Die Formel 1 ist noch ein Thema, darüber kann ich derzeit aber noch nicht viel sagen. Natürlich wäre mit eine Position als Stammfahrer am liebsten, es gibt dort aber auch noch andere Optionen.

Sie gehen jetzt in eine Zukunft ohne Mercedes. Wie wird die aussehen?

Erst einmal bin ich Mercedes sehr dankbar für die lange Zusammenarbeit. Wir haben sehr viele gute Momente zusammen erlebt und ich habe viele Freundschaften geschlossen. Ich hatte aber das Gefühl, etwas ändern zu müssen. Und bisher bin ich in diesem Gefühl bestätigt worden.

Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung über Ihre Zukunft?

In den nächsten zwei Wochen wird sich sehr viel entscheiden.

An diesem Wochenende verabschiedet sich Mercedes aus der DTM. Wie fühlt es sich an, da dabei zu sein?

Ich bin stolz, ein Teil der Mercedes-Geschichte in der DTM gewesen zu sein. Und mit dem Titelgewinn 2015 sogar ein ziemlich großer. Auch der Rekord, bislang jüngster Champion gewesen zu sein, wird wohl noch einige Zeit stehen. Man merkt schon, dass an diesem Wochenende die Stimmung etwas getrübter ist als normal.