Pascal Stenzel ist überpünktlich am vereinbarten Treffpunkt. „Ich dusche nach dem Krafttraining schneller als andere“, lacht der 21-Jährige, der sich schon auf Ostersonntag (15.30 Uhr) freut. Dann geht es gegen seinen Ex-Club Borussia Dortmund. Der Rechtsverteidiger wird dann wieder in der Freiburger Startelf stehen – wie beim 0:2 im Hinspiel.

Stenzel (23) stammt aus dem ostwestfälischen Rödinghausen, der ortsansässige SC stand in der ersten Runde des DFB-Pokals beim 1:2 gegen die Bayern kurz vor einer Sensation. Als Stenzel Jugendspieler war, war das Örtchen noch ein blinder Fleck auf der Fußball-Landkarte. Als Zehnjähriger ging er zu Arminia Bielefeld, fünf Jahre später zum VfL Osnabrück. Dann klopfte der BVB an: „Wenn du ein Angebot aus Dortmund kriegst, denkst du als 18-Jähriger nicht zweimal nach.“

Lehrjahre in Dortmund

Stenzel schaffte es nicht in die erste Elf, aber immerhin in den Erstligakader. Am 10. Dezember 2015 ließ Thomas Tuchel den 19-Jährigen über 90 Minuten in der Europa League gegen Thessaloniki ran. Der heutige Trainer von Paris St. Germain stellte überhaupt ein paar wichtige Weichen im Leben des zurückhaltenden Brillenträgers. „Ich habe immer im zentralen Mittelfeld gespielt, bis er mich auf einer Asienreise nach hinten rechts stellte“, berichtet Stenzel, für dessen Karriere die Umschulung nicht von Nachteil war. Im Januar 2016 fragte der damalige Zweitligist SC Freiburg an. „Ich wollte aber erst mal nicht wechseln“, berichtet Stenzel, der sich beim BVB „auf einem guten Weg“ wähnte. Bis ihn Tuchel zum Gespräch bat. „Er hat mir offen gesagt, dass ich unter ihm wohl nicht viel Spielzeit bekommen würde, dass die aber wichtig sei für meine weitere Entwicklung.“ Freiburg wurde Erster und stieg auf – mit Stenzel, der es auf elf Rückrunden-Einsätze brachte und seither meist den Vorzug vor Lukas Kübler bekommt. Tuchels Argument für den Vereinswechsel – „wenn`s gut läuft, spielst du dort bald Bundesliga“ – war also wahr geworden. Was die Spielweise anbetraf, musste sich Stenzel nicht groß umstellen: „Beide Trainer legten Wert auf viel Ballbesitz, das kommt mir eher entgegen“, sagt er. „Freiburg hat mir als Stadt auch gleich super gefallen.“ Als die eineinhalbjährige Leihfrist abgelaufen war, verpflichtete der Sportclub Stenzel dauerhaft – für vier Millionen Euro, eine für Freiburger Verhältnisse enorme Ablösesumme.

Kontakte zu ehemaligen Mitspielern

Zu manchem seiner ehemaligen Dortmunder Kollegen hat Stenzel in den letzten drei Jahren den Kontakt gehalten: „Mit Reus, Schmelzer, Piszczek, Bürki habe ich noch zusammengespielt.“ Wenn es nach Stenzel geht, dürfen die ehemaligen Kollegen am Sonntag ruhig in gedämpfter Stimmung nach Hause fahren: „Wir brauchen einfach selbst die Punkte.“ Tatsächlich hat der SC aus den letzten vier Partien nur zwei Zähler geholt, doch der Abstand auf den Drittletzten Stuttgart ist mit elf Punkten komfortabel. Stenzel wäre jedenfalls froh, wenn der SC noch mal ein Ausrufezeichen im Meisterschaftsrennen setzen könnte. Wie im letzten Heimspiel, als man den Bayern ein 1:1 abtrotzte, und der BVB auf Platz eins vorbeizog. „Am liebsten wäre mir, wir würden am Sonntag gewinnen. Dortmund kann danach trotzdem gerne Meister werden.“