Ist es Gedankenlosigkeit aus Desinteresse? Oder Respektlosigkeit qua Lederhose?

Rückblende. 28. September 2017. Der FC Bayern hat tags zuvor 0:3 in Paris verloren und entlässt Trainer Carlo Ancelotti. Es sagt Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge: „Ich erwarte jetzt von der Mannschaft eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen.“ Die Trennung sei im Anschluss an ein „offenes und seriöses Gespräch“ erfolgt.

3. November 2019. Der FC Bayern hat tags zuvor 1:5 in Frankfurt verloren und entlässt Trainer Niko Kovac. Es sagt Sportdirektor Hasan Salihamidzic: „Ich erwarte jetzt von unseren Spielern eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen.“ Rummenigge spricht von einer Trennung im Anschluss an ein „offenes und seriöses Gespräch“.

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Hat der Brazzo (Bürschchen!) den Rummenigge auswendig gelernt? Führt Rummenigge mit Trainern vor deren Ende immer offene und seriöse Gespräche? Oder ist es am Ende das Werk einer Medienabteilung, die sich Textbausteine zurechtlegt und vermutlich professionell nennt, was einfallslos und in der Wirkung respektlos ist? Die PR-Leute hätten mal lieber zugehört, was Uli Hoeneß von den Kickern verlangt, und sich selbst daran gehalten: „Die Klubführung des FC Bayern erwartet von jedem Spieler äußerste Selbstdisziplin“, hat der Präsident erklärt und präzisiert, „bevor er einen Satz rauslässt, muss er zumindest dreimal chemisch gereinigt sein.“ Warum lesen sich die Großkopfeten die ihnen vorgelegten Worthülsen nicht durch und formulieren eigene Sätze? Sind individuelle, persönliche Worte zu viel der Mühe? Was ist guter Stil und was schlechter?

Aber das hier ist natürlich nichts als Nörgelei. Wie hatte doch der Hoeneß, laut Rummenigge „der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager“, an die Adresse von Journalisten gerichtet, auch schon immer gefordert: „Hört endlich mal auf, in jeder Suppe ein Salz zu finden.“

Also legen wir sofort die Arbeit nieder und befolgen Franz Beckenbauers ultimativen Rat: „Geht‘s raus und spielt Fußball!“