Der 15. Mai. Bundestrainer Joachim Löw nominiert 27 Spieler für das WM-Trainingslager in Südtirol, überraschend dabei ist Nils Petersen vom SC Freiburg. Der Stürmer, der noch kein einziges Länderspiel absolviert, in der abgelaufenen Saison aber 15 von 31 Bundesligatoren seines Vereins erzielt hat, bekommt den Vorzug vor Sandro Wagner – obwohl dem Angreifer des FC Bayern in acht Länderspielen fünf Tore gelungen sind. Löw lobt Petersen über den grünen Klee: „Bei einer Mannschaft, die nicht wahnsinnig Torchancen herausspielt, hat er 15 Tore erzielt. Er hat immer einen fitten Eindruck gemacht. Mein Gefühl ist, dass er mit der Aufgabe wächst.“ Der 29-jährige Angreifer ist mindestens ein interessanter Einwechselspieler. Immerhin hat es Petersen auf 20 Joker-Tore gebracht und diese Qualität auch bei Olympia-Silber 2016 in Rio de Janeiro unter Beweis gestellt – da stand er nur einmal in der Startelf, wurde aber trotzdem mit sechs Treffern Torschützenkönig des Turniers. Löw: „Er ist ein sehr guter Joker, wenn er reinkommt, ist er sofort da. Von ihm verspreche ich mir einiges.“

Und jetzt? Ist der vom Bundestrainer Hochgelobte doch nicht bei der WM dabei. Weil drei Stürmer in Russland einer zuviel wäre. Weil Timo Werner gesetzt war und Mario Gomez über mehr internationale Erfahrung verfüge – welch neue Erkenntnis. Was, wenn der ebenfalls gestrichene Leroy Sané im Test in Österreich sich bei drei Kontern nicht verdribbelt, sondern den in aussichtsreicher Position lauernden Petersen bedient und der getroffen hätte? Wäre dann Petersen statt Gomez zur WM gereist (und Sané statt Brandt)? Wahrscheinlicher ist, dass der Argwohn des Kommentators der Westdeutschen Zeitung berechtigt ist, Löw habe „den friedliebenden Freiburger nur nominiert, weil der sich entspannter nach Hause schicken lässt als der meinungsstarke Wagner“.

Zugeben würde das der Bundestrainer natürlich nie, und Petersen sollte, wenn’s nicht mehr so arg wehtut, es so sehen wie SCF-Sportdirektor Jochen Saier. Der hat erklärt, Petersen könne stolz darauf sein, es als Spieler des SC Freiburg in den vorläufigen WM-Kader geschafft zu haben. Das sei für alle in Freiburg und auch für den Nils „ein wertvoller Aspekt“.