Natürlich war es Nils Petersen, dessen Treffer den Freiburger 2:1-Sieg in Mainz erst ermöglichte. Und da es sich bei seinem Tor nicht nur um das zwischenzeitliche 2:0, sondern vor allem um seinen 84. Pflichtspieltreffer im SC-Dress gehandelt hatte, prasselten die Begehrlichkeiten nach dem Schlusspfiff nur so auf den frischgebackenen Freiburger Rekordtorschützen ein. Eine Packung Erdnüsse wünschte sich Keeper Alexander Schwolow von ihm für den anvisierten Halt auf einer Autobahnraststätte, während Verteidiger Dominique Heintz auf „ein alkoholfreies Bier“ plädierte und der Schütze selbst Lust auf ein überdimensioniertes Eis am Stiel hatte: „Wenn die Jungs etwas auf den Tresen legen, lasse ich mich nicht lumpen.“

Der Bundestrainer Löw jedenfalls, das erklärte SC-Trainer Christian Streich kurz darauf, werde seinen neu erlangten Status als nur noch zweitbester Freiburger Torschütze (83) aller Zeiten mit Fassung ertragen: „Jogi ist ja auch einer von uns und gönnt ihm das selbstverständlich.“ Für Streich selbst, der als Spieler nur zweimal in der 2. Liga für den SC traf, gilt das selbstverständlich auch, weshalb er Petersen einen verbalen Ritterschlag hinterherschickte: „Er ist ein toller Fußballer mit zwei starken Füßen und auch außerhalb des Platzes eine absolute Persönlichkeit.“

Streich selbst, der am Abend noch Gast im Aktuellen Sportstudio“ war, hatte dann auch persönliche Gründe, um zufrieden zu sein. Denn seine Personalentscheidungen hatten gegriffen: Changhoon Kwon, der zum ersten Mal seit dem dritten Spieltag von Beginn an auflaufen durfte, krönte eine beeindruckend starke Partie mit dem 1:0 (28.), dem Petersen kurz darauf den zweiten Treffer folgen ließ (41.). Und Keeper Schwolow, der während seiner Adduktorenverletzung bestens von Mark Flekken vertreten worden war, rechtfertigte des Trainers Vertrauen mit einem tadellosen Auftritt. Vor allem seine Fußabwehr beim Schuss von Jean-Philippe Mateta (28.) war sehenswert. Zuguterletzt ist nach dem Sieg in Mainz nun auch die persönliche Bilanz des seit Januar 2012 tätigen Übungsleiters um einen Makel ärmer. Bis zum 18. Januar 2020 war es ihm nämlich nie vergönnt gewesen, ein Bundesligaspiel in Mainz zu gewinnen. „Dass es heute geklappt hat, kann ich noch gar nicht so richtig glauben.“ Es muss der Überschwang der Gefühle gewesen sein, der Streich dazu brachte, das fast Offensichtliche auszusprechen: „Es deutet darauf hin, dass wir ein weiteres Jahr bestehen können.“

Tatsächlich zeigte der Sportclub in Mainz, warum er in dieser Spielzeit wohl wirklich nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben wird. Zwar schossen die Mainzer 22 Mal aufs Freiburger Tor und waren auch kämpferisch auf der Höhe, doch bei den B-Noten lag Freiburg vorne. Während 05-Trainer Achim Beierlorzer feststellen musste, dass „bei uns die Passwege nicht so flüssig sind, wenn eine Mannschaft aggressiv spielt und die Laufwege zustellt“, gab es auf Freiburger Seiten keine derartigen Klagen. Der große Unterschied war, dass im Freiburger Team die Pässe akkurater gespielt wurden, die Kombinationen flüssig von vorne bis hinten vorgetragen wurden und die Arbeit gegen den Ball konsequent ablief. Insgesamt lief der Gast fünf Kilometer mehr. Und auch wenn es am Schluss noch mal spannend wurde, weil Mateta (82.) den Anschluss erzielte, war es dann doch die reifere, individuell besser besetzte Mannschaft, die am Schluss gewann.

Im Duell zwischen zwei Teams, die man vor der Saison auf Augenhöhe gesehen hatte, hat der Sportclub sechs Punkte geholt. Auch das war am Samstag ein Grund, es mit Erdnüssen und alkoholfreiem Bier mal so richtig krachen zu lassen.