Ein kurzer, lauter Aufschrei von Luca Berg: „Nein!“, dann zwei Sekunden Stille und ein fassungsloser Blick auf den Fernseher. „Liegt er?“, fragt die 15-jährige Jette und blickt zu ihrer Schwester. „Ja, das war es“, sagt die 25-jährige Luca voller Enttäuschung. Gerade ist ihr großer Bruder Paul Berg im olympischen Viertelfinale des Snowboardcross-Wettkampfes gestürzt. Sie ist selbst Snowboardin, nahm an zahlreichen Weltcup-Rennen teil und ahnt, wie sich ihr Bruder gerade fühlen muss.

Noch wenige Stunden zuvor waren die beiden Schwestern voller Hoffnung. Um 3 Uhr nachts sind die Straßen in Konstanz rund um das Haus der Familie Berg leer, die Häuser dunkel, nur bei den Bergs brennt Licht. Luca und Jette fiebern dem Auftritt ihres großen Bruders Paul in Südkorea entgegen. Die müden Augen fangen sofort an zu Leuchten, als zum ersten Mal im Fernsehen die Piste im Phoenix Snow Park sehen. „Das Wetter ist super. Wenn Paul einen guten Tag erwischt, ist viel drin“, sagt Luca im Vorfeld der Entscheidungsläufe.

In der Zuschauermenge entdecken sie Pauls Freundin Lisette, die selbst als Athletin mit dem deutschen Bobteam bei Olympia ist. Die Vorfreude steigt. Fernab der Piste analysiert Luca den Kurs: „Der Kurs ist breit wie eine Autobahn, da kann man gut überholen.“ Die Hoffnung auf den perfekten Tag ihres Bruders ist groß, aber die Snowboarderin kennt eben auch die Tücken dieser Sportart. „Es kann einfach so viel passieren. Du kannst alle Läufe super meistern, dann stürzt du und es ist alles vorbei“, sagt sie ohne zu wissen, dass es ihrem Bruder kurz darauf genauso ergehen wird.

Während des Rennens können die Mädchen kaum ruhig sitzen. Laut feuern sie ihren Bruder an, bis er nur noch im Fall auf die Piste zu sehen ist. Zwar verstummt ihr Anfeuern beim Sturz, aber die Enttäuschung und der Frust über das Ausscheiden bei Olympia bleiben nur kurz. „Wir sind trotzdem sehr stolz auf ihn“, sagt Luca und lächelt.

Video: Lena Mehren