Das Stadion jubelt, der VfB Stuttgart führt und Mario Gomez rennt mit erhobener Siegerfaust auf die Fankurve zu: Es sieht am vergangenen Samstag nach dem perfekten Märchen um Rückkehrer Mario Gomez aus. Die Geschichte hat nur einen kleinen Schönheitsfehler. Das 1:0-Siegtor des VfB Stuttgart zum Rückrundenauftakt gegen Hertha BSC schoss nicht Mario Gomez, sondern Gegenspieler Niklas Stark. In der 78. Minute erzielte der Hertha-Verteidiger ein kurioses Eigentor. Im Strafraum riss er Mario Gomez im Zweikampf zu Boden und schoss beim Versuch, die Situation zu klären, den Ball im großen Bogen ins eigene Tor. Statt einer roten Karte und Elfmeter entschied Schiedsrichter Felix Brych auf Vorteil und Tor für den VfB Stuttgart. „Das war der Spielentscheider. Da haben wir das nötige Quäntchen Glück gehabt“, sagte Stuttgarts Trainer Hannes Wolf nach Spielende. Denn auch er musste zugeben, dass es bei seiner Mannschaft nach der Winterpause noch nicht so richtig rund lief.

Der Fokus der 57 181 Besucher in der Mercedes-Benz-Arena lag von Beginn an auf Mario Gomez. Er sorgte in der sechsten Minute für die erste VfB-Chance, als sein Kopfball nach einer Flanke von Christian Gentner knapp über den Pfosten ging. Hertha BSC stand im Anschluss defensiv gut und ließ dem VfB kaum Möglichkeiten für einen geregelten Spielaufbau. In der 23. Minute mussten die Fans der Schwaben kurz die Luft anhalten, als Mathew Leckie den Pfosten am Stuttgarter Tor traf. Kurz darauf jubelten sie dann – allerdings vergeblich, denn bei seinem Treffer in der 33. Minute stand Mario Gomez im Abseits.

Die Unsicherheit nach vier Niederlagen in Folge war den Schwaben noch deutlich anzusehen. Hertha BSC nutzte die passive Spielweise der Stuttgarter immer wieder aus und sorgte für gefährliche Situationen vor den Augen von VfB-Torwart Ron-Robert Zieler. In der 40. Minute köpfte Salomon Kalou nach einer präzisen Flanke von Arne Maier aus sechs Metern am leeren Tor vorbei und vergab damit die eigentlich sichere Führung für Hertha.

Dass am Ende doch die Schwaben als Sieger vom Platz gingen, lag besonders an der Einstellung. „Wir haben uns als Team ins Spiel reingekämpft. Das ist für das Selbstvertrauen sehr gut“, sagte Kapitän Christian Gentner. Hertha zog sich in der zweiten Halbzeit zunehmend zurück. Richtige Torgefahr ließ der VfB allerdings nicht entstehen. Gomez eroberte einige Bälle, die Suche nach einem Anspielpartner scheiterte allerdings wie in der 67. Minute an der engen Hertha-Abwehr. Fehlende spielerische Qualität ersetzten die Schwaben durch Willen und so war die Führung in der 78. Minute nach einem Negativrekord von 447 Minuten ohne Tor ein Befreiungsschlag. Sein Eigenanteil lag laut Gomez bei „null Prozent“, sagte er mit einem Schmunzeln nach dem Spiel. Feiern ließ er sich trotzdem und so schallte es nach acht Jahren wieder „Tor durch Mario Gomez“ durch die Lautsprecher im Stuttgarter Stadion. Der VfB verschafft sich mit dem glücklichen Arbeitssieg etwas Luft im Abstiegskampf. „Wir haben kaum ein Spiel diese Saison so gewonnen, aber viele so verloren. Deswegen ist es schön, dass wir auch einmal Glück haben“, freute sich Wolf über drei wichtige Punkte. Trotzdem sei noch viel Steigerungspotential vorhanden. Das können die Schwaben am Samstag auswärts bei Mainz 05 ausspielen.